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Die Stadt soll sich feiern

Tübingen wird zur Bühne für die Kulturnacht „Blaupause“

Überall was los. Aber wie geht man die Sache am geschicktesten an? Die Frage stellt sich zwar am Samstag wieder, die Tübinger Kulturnacht macht es den Besuchern aber etwas leichter als in den Vorjahren.

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Peter Ertle
Auch wenn die Neckarfront am Samstag nicht so aussehen sollte: Eine in Blau getauchte Nacht wird es ... Auch wenn die Neckarfront am Samstag nicht so aussehen sollte: Eine in Blau getauchte Nacht wird es mit Sicherheit geben. Bild: Kulturnetz

Tübingen. Die Programme liegen aus, die Künstler und Veranstalter sind vorbereitet. Nur das Wetter hat sich noch nicht entschieden. Über 100 Veranstaltungen an über 50 Orten werden es sein. Dabei bleibt diesmal alles auf den Innenstadtbereich beschränkt, Bahnhof, Kunstamt, Haagtor und Neue Aula bilden die äußeren Eckpunkte. Vieles geht im Freien über die Bühne und fiele bei schlechtem Wetter ins Wasser. Bei gutem aber würde es der Stimmung und Attraktivität der Stadt mächtig aufhelfen. „Es soll ein Fest sein“, sagt dazu Organisator Michael Raffel, „Kulturszene und Stadt sollen sich an diesem Tag feiern“.

Konzentriert und gut entzerrt

Dem mitfeiernden Besucher kommt neben der Konzentration auf die Stadt auch die zeitliche Entzerrung der Veranstaltungen zugute. Zwischen 18 Uhr und fünf Uhr morgens sind die Events gut gestaffelt, manches wird mehrere Male am Abend dargeboten.

Eintrittsbändel und Programme gibt es an allen Veranstaltungsorten oder im Vorverkauf beim TAGBLATT-Eck, Verkehrsverein oder dem Fairen Kaufladen. 12 Euro oder 7 ermäßigt sollte einem der Spaß wert sein. Es sind viele Veranstaltungen dabei, die für sich allein schon mehr als diesen Preis verlangen könnten.

Theater für 1 Zuschauer, Konzert für 2 Flügel

Welche Route wählt man nun in dieser Nacht? Ein Vorschlag: Um 18 Uhr schaut man auf den Marktplatz. Dort haben sich die Veranstalter allerlei noch Geheimes zur Eröffnung ausgedacht, sicher ist: Nach dem jährlichen Platzkonzert des Hagellocher Musikvereins spielt die Gruppe Skylark aus Petrosawodsk. Danach könnte der Weg ins Luisenhäuschen führen, das sich in dieser Nacht einmalig bei der Stiftskirchentreppe findet. Falls man der einzige ist. Denn dort spielt Dietmute Zlomke für 1 Zuschauer Theater. Ist man nicht der einzige: Später nochmal probieren – Frau Zlomke spielt stündlich.

Falls es aber doch gleich klappen sollte, sieht man sich danach die projizierten Lichtbildauszüge der aktuellen Kunsthallenschau, also Bilder Karin Kneffels am Holzmarkt an und zieht dann Richtung Evangelisches Stift, wo um 20.30 Uhr Anette Tinius-Elze, die Leiterin der Tübinger Musikschule zusammen mit Laurent Antalffy Musik der Rockgruppe Genesis spielen wird – ein Konzert an zwei Flügeln.

Danach stolpert man vermutlich noch etwas benommen entweder ins Stadtmuseum, wo die ganze Nacht Quiz angesagt ist: Die Besucher müssen prominente Tübinger Persönlichkeiten erraten. Oder der Weg führt in die Parkgaststätte, wo der Stammtisch Unser Huhn unter dem Titel „Tübingen macht. Gelb“ der Geschichte der Tübinger Urinale nachgeht. Und zwar ebenfalls die ganze Nacht, auch diese beiden Veranstaltungen kann man also einschieben, wann immer sie in den persönlichen Kulturfahrplan passen. Wobei eine Kopplung der Urinale mit der Lyriklesung von Max Dorner und Mark Pelzer in der öffentlichen Toilette unter dem Rathaus (19.30 Uhr bis 23 Uhr) Sinn machen könnte.

Ausklingen lassen könnte man die Nacht dann beispielsweise in den oberen Museumssälen, um 23.30 Uhr bei Rockpianistin und Stimmwunder Charlotte Brandi und Schlagzeuger Matze Pröllochs. Oder – eine sehr romantische Sache – im Jurte-Märchenzelt, das im Alten Botanischen Garten steht: Naceur Charles Aceval liest Märchen aus Algerien. Auf der Neckarinsel wiederum wird exakt um 23.59 Uhr eine Führung unter dem Titel „Gruseliges Tübingen“ angeboten. Und wer danach immer noch nicht genug hat, könnte die Nacht im Blauen Turm in den Morgen hinein verlängern: Bis 5 Uhr geht die Aftershowparty der dann hoffentlich glücklichen Besucher und Veranstalter.

Straßentheater oder heiße Wurst

Wie gesagt: Ein mögliche Route unter vielen möglichen, nur eine Anregung. Denn es ist gut möglich, dass man unterwegs an einem Straßentheater hängen bleibt, einen Bekannten trifft, der einem dringend zum Besuch einer bestimmten, an diesem Abend noch mal wiederholten Lesung rät – oder es lockt einen der Dampf einer heißen Wurst in eine Gasse, in die man ursprünglich gar nicht wollte.

So kommt man rein

Eintrittsbändel – sie berechtigen zum Eintritt zu allen Darbietungen – gibt es bei jeder Veranstaltung, an zentralen Stellen der Stadt oder im Vorverkauf am TAGBLATT-Eck, beim Verkehrsverein oder im Fairen Kaufladen – wo jeweils auch die Kulturnachtprogramme ausliegen.

06.05.2010 - 13:30 Uhr | geändert: 07.05.2010 - 18:28 Uhr
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