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Dramatisch aufgeladen

Spendhaus zeigt Werke von Feininger

Mit Lyonel Feininger präsentiert das Kunstmuseum Spendhaus wieder einmal einen ganz großen Namen. Die Ausstellung „Ein Sinnbild höherer Wirklichkeit“ gibt einen Einblick in das reiche druckgrafische Schaffen des Künstlers.

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Spendhaus-Chef Herbert Eichhorn (links) und Kulturamtsleiter Werner Ströbele vor Lyonel Feiningers ... Spendhaus-Chef Herbert Eichhorn (links) und Kulturamtsleiter Werner Ströbele vor Lyonel Feiningers Holzschnitt „Das Tor“, der im Jahr 1920 entstanden ist.Bild: Haas

Reutlingen. Dass Werke des bedeutenden Vertreters der Klassischen Moderne in Reutlingen zu sehen sind, ist angesichts sinkender Ausstellungs-Etats nicht selbstverständlich. Gelungen ist das dem Spendhaus durch eine Kooperation mit der Lyonel-Feininger-Galerie Quedlinburg, aber auch durch ein großes Engagement des Freundeskreises, wie Museumsleiter Herbert Eichhorn berichtet.

„Ohne Titel“ ist das einzige Gemälde, das im Spendhaus zu sehen ist. Es entstand 1933. Das ... „Ohne Titel“ ist das einzige Gemälde, das im Spendhaus zu sehen ist. Es entstand 1933. Das Motiv – ein Segelschiff mit blauem Angler – verwendete Feininger bereits 1919 in einem Holzschnitt, der direkt daneben gezeigt wird.Katalog

Viele der 85 gezeigten Arbeiten (Holzschnitte, Radierungen, Lithografien, Aquarelle, Zeichnungen und ein Gemälde) von Lyonel Feininger (1871 bis 1956) stammen aus dem Besitz von Hermann Klumpp (1902 bis 1987). Der Quedlinburger Klumpp hat viele Werke des als „entartet“ gebrandmarkten Künstlers vor den Nazis gerettet und sich zu DDR-Zeiten für die Gründung des Museums eingesetzt. Der Titel der Schau, die durch Arbeiten aus dem Reutlinger Bestand ergänzt wurde und später auch in Quedlinburg zu sehen sein wird, ist ein Zitat von Klumpp.

Der Rundgang durch die Ausstellung beginnt im Erdgeschoss mit dem Karikaturisten Feininger. Feininger, der als 16-Jähriger mit seinen Eltern von New York nach Deutschland kam, arbeitete jahrelang erfolgreich als Karikaturist für deutsche und amerikanische Blätter, verdiente sich auch später als „freier Künstler“ mit Comic-Zeichnungen für die „Chicago Tribune“ seinen Lebensunterhalt.

1905 lernte er seine zweite Frau kennen, die in Weimar Kunst studierte. Sie brachte ihm die verschiedenen Drucktechniken bei. Die ersten Blätter zeigen Züge und Viadukte. Feininger, sagt Eichhorn, war fasziniert von Technik, aber auch von Kinderzeichnungen: „Er suchte unverbrauchte Quellen als Vorbilder.“ Als Expressionist sei er aus der Reihe gefallen. Er benutzte eine ganz modernde, kubistische Formensprache, entwickelte aber eine Bilderwelt, die aus der Gegenwart wegführt. Er sei dem Idealismus verbunden gewesen und der Malerei der Romantik.

Küstenlandschaften und Schiffe, Architektur und Technik, das sind Themen, die Feininger zeitlebens beschäftigen. Und Kirchen. Ein zentrales Motiv, der Kirchturm von „Gelmeroda“ hängt im ersten Stock und zeigt exemplarisch die Entwicklung Feiningers. Diesen Turm hat Feininger 1918 bis 1920 in unterschiedlichen Varianten ins Holz geschnitten. Anfangs stark kontrastiert, schwarz-weiß, in einer dramatisch aufgeladenen expressionistischen Bildsprache. Später setzt er das Schwarz sparsamer ein, auch der Gegenstand entmaterialisiert sich. Übrig bleiben gläserne, kristalline Strukturen. Es wird immer abstrakter, aber nie gehen die Gegenstände ganz verloren. Eichhorn: „Es gibt in der ganzen Ausstellung kein ungegenständliches Blatt.“

Der bekannteste Holzschnitt, die „Kathedrale“ entstand 1919 als Feininger von Walter Gropius an das Bauhaus nach Weimar berufen wurde und er das Titelblatt für das Manifest gestaltet. Die gotische Kathedrale steht für eine Utopie: Die Bauhaus-Künstler wollten die Einheit von Kunst und Handwerk wiederbeleben wie es in den Bauhütten der Kathedralen-Bauer der Fall war.

Etwas weiter finden sich andere Raritäten – Spielzeughäuser und eine Holzmodelleisenbahn. Feininger hat sie selbst gebaut. „International, modellgetreu, unzerbrechlich“, warb er für seine Blockbahn mit der er in Serie gehen wollte. Doch dann kam der Krieg. 1937 kehrt Feininger in die USA zurück. Seine Motive nimmt er mit.

Seestücke dominieren den zweiten Stock des Spendhauses. Schiffe, Häfen, einsame Strandlandschaften, ein „typisches romantisches Thema“, werden von Feininger variiert. Sie seien immer auch als Sinnbilder zu verstehen, sagt Eichhorn. „Sinnbilder einer höheren Wirklichkeit.“

Info: Die Feininger-Ausstellung im Reutlinger Kunstmuseum Spendhaus wird heute um 19 Uhr eröffnet. Sie ist bis zum 15. April zu sehen.

27.01.2012 - 08:30 Uhr

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