Das Sommer-Atelier war offene Plattform für Begegnung und spontane Interaktion im Feld multimedialer Künste. Am Samstag ging es nach zwei Wochen klangvoll zu Ende.
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Madeleine Wegner
Tübingen. In der neunten Auflage lud das Medienfestival, das seinen Ursprung im Wohnprojekt „Leibnizhaus 2“ hat, nicht wie bisher für ein Wochenende in das Haus selbst ein, sondern in die Shedhalle des alten Schlachthofes. Unter dem Motto „Gleich Zeit“ trafen sich hier zwei Wochen lang internationale Künstler, Gäste und Interessierte. So entstand eine Plattform, die nicht nur ohne Budget auskommen will, sondern auch zum offenen multimedialen Experimentierfeld für Begegnung, Austausch und Interaktion wurde.
[„multiple black square“ heißt diese Installation von Angelika Haak aus Stuttgart, die am Samstag beim Abschluss des neunten zweiwöchigen Medienfestivals „plattform: no budget“ in der Shedhalle zu sehen war. Bild: Sommer
„Vor Kunst muss man keine Angst haben“, sagte Christian Palmizi, einer der Hauptorganisatoren. Bewusst niedrig sei deshalb die Eingangsschwelle gehalten worden: „Auch die Leute sollten mitmachen können, die sich eigentlich nicht als Künstler fühlen.“ Wohl bestes Beispiel dafür waren die im Laufe der zwei Wochen angebotenen Workshops, die thematisch von Malerei über Video und Foto bis hin zu Kunst mit Mikroprozessoren reichten. Neben den Installationen und Werken der etwa 15 geladenen Künstler (wir berichteten) waren so in der Shedhalle auch die Ergebnisse der Workshops zu sehen.
„Das Sommer-Atelier will auch Freiräume schaffen“, sagte Palmizi. Freiräume für spontanes Mitmachen und dafür, sich mit eigenen Ideen einzubringen. So kam es am Donnerstag etwa kurzerhand zum ungeplanten Konzert, weil drei Musiker schlichtweg Spaß am gemeinsamen Spielen hatten.
Das Bildungsmagazin der Wüsten Welle hingegen hatte eine Gruppe Wiener Studenten eingeladen, die bei den Uni-Protesten 2009 aktiv waren. Am Freitagabend hatten sie gleich zwei Filme über die Protestbewegung im Gepäck: „#unibrennt – Bildungsprotest 2.0“ entstand durch eine Produktionsfirma, die das von den Studenten während der Proteste selbst gefilmte Material nutzte. Da dieser Film, der auch in den österreichischen Kinos lief, jedoch „nicht den Geist der Bewegung“ treffe, hatten die Studenten einen weiteren Film gedreht, der in Interviews ganz subjektive und persönliche Sichtweisen verschiedener Aktivisten zeigt. Während der erste Film mit den Worten endet, die Bewegung sei gescheitert, erklärt gegen Ende des zweiten Films („imagin’ audimax“) eine Studentin: „Das Netzwerk ist da, die Bewegung existiert immer noch.“
Die Finissage-Party im Schlachthof ließ am Samstag zum feierlichen Abschluss alle künstlerischen, musikalischen und experimentellen Korken knallen: Electro und Breakbeat gab es vom Tübinger „Fyser“ auf die Ohren, während die fünfköpfige Gruppe „zerobudgetproductions“ aus Stuttgart für die visuelle Umsetzung an zwei Wänden der Halle sorgte. Durchaus tanzbaren Funk-Jazz gab es vom Trio „Flüstertüte“ – nur eine von vier Live-Bands an diesem Abschlussabend.