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So Schiller, so Goethe, so bitter, so böse

Samy Deluxe ganz relaxed im Sudhaus-Biergarten

Drei Tage auf Tour und einen davon im Tübinger Sudhaus – Samy Deluxe kommt immer wieder gern nach Tübingen.

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katharina mayer

Vier Kunstformen seien es, die den HipHop ausmachen, sagt Samy Deluxe. Im Kopf hat er sie alle und die meisten auch umgesetzt: Musik, Graffiti, DJing und Breakdance. Letzterer fehlt allerdings auf der Liste des umtriebigen Hamburger Rappers und Produzenten: „Ich bin echt kein großartiger Tänzer.“

Das ist die Bux von Samy Deluxe: Der Rapper entwirft sich nicht nur seine Songs sondern auch seine ... Das ist die Bux von Samy Deluxe: Der Rapper entwirft sich nicht nur seine Songs sondern auch seine Beinkleider. Seine Jungs von der Tsunami Band machen allerdings unten rum auch auf halblang. Bild: Mayer

Na gut, man kann nicht alles können, und die Dinge, die der 34-Jährige kann, macht er eben umso gründlicher. Ende der 80er sei er das erste Mal mit Rap in Berührung gekommen, über den Freund seines älteren Bruders. Vorher hat er Michael Jackson gehört und was sonst noch so populär war. HipHop aber war anders, eine Liebe auf den ersten Beat. „Ich hatte das erste Mal das Gefühl, das kann ich auch.“ Und dieses Gefühl hat ihn nicht getrogen.

Nun sei er schon die Hälfte seines Lebens auf Bühnen gestanden. Allein, mit den Absoluten Beginnern, mit den Projekten Dynamite Deluxe oder ASD. „Das ist kein Nine-to-Five-Job, das ist mein Weg.“ Und dieser Weg hat derart viele Abzweigungen, dass es schade wäre, die eine oder andere nicht zu nehmen. Zwei Produktionsstudios nennt der Rapper mittlerweile sein eigen, eines in Norddeutschland und eines in Holland. „Ein Job, der so viele Facetten bietet, dass man immer weiter daran wachsen kann.“

Und obwohl der Tag üblicherweise nur 24 Stunden hat, will Samy Deluxe es dabei nicht belassen. Er zeigt auf seine Hose, die er selbst entworfen hat. „Mit der renne ich dauernd rum.“ In Zukunft will er „noch mehr mein eigenes Artwork machen und Klamotten designen, aber nicht aus diesem kommerziellen Ding“. Sondern weil er Spaß daran hat und stolz darauf ist, es selbst machen zu können. Nähen kann der Sprachkünstler übrigens noch nicht. „Aber ich trau mir zu, dass ich es lernen kann.“

Diesen Glauben an sich selbst, auch im einen oder anderen Lied verewigt, strahlt der Rapper auch aus. Er wirkt ruhig, freundlich und souverän im Gespräch. Und trotzdem sagt der Musiker, der seit Jahren auch die großen Hallen bespielt, er sei „nicht in allen Lebenssituationen die totale Rampensau.“ Vom Grundprinzip her sei er schüchtern, das aber sei in öffentlichen Situationen nicht so einfach zu erkennen: „Man lernt auch schauspielern.“

Wie abgewichst man durch so ein Leben im Musikbusiness im Lauf der Jahre wird? „Die Reaktionen werden anders“, sagt Samy Deluxe. Alles, was emotional belaste, sei es positiv oder negativ, habe er zwar in sich, er fühle sehr viel. „Aber du würdest nicht die Hälfte an meiner Mimik ablesen können, selbst wenn du vom FBI geschult wärst.“ Interviews sind für ihn im Idealfall „ein gutes Gespräch“, bei dem das Gegenüber Interesse aufbringt für Person und Kunst. Zu Beginn seiner Laufbahn mochte er sie trotzdem nicht. „Es ist viel Energie, die man geben muss.“ Und die bekomme man im besten Fall zurück. Ansonsten kann so ein Gespräch auch mal der Selbstreflexion dienen, sagt der Mann, der in seinem Song „Poesiealbum“ über sich selbst behauptet, er sei „so Schiller, so Goethe, so bitter, so böse“.

„Ich habe viel über mich gelernt dadurch, dass ich immer so viel reden muss.“ Vieles habe man ja als Gedanke im Kopf, es manifestiere sich aber erst im Moment des Sprechens.

Das kann er auch abseits eines Interviews ziemlich gut – bevorzugt zu dicken Beats. Der Biergarten des Sudhauses war mit ein paar hundert Gästen gut gefüllt. Und die feierten Rapmeister Deluxe mitsamt seiner Tsunami-Band ziemlich intensiv. Alter oder neuer Song, Beginner oder Samy, die Texte wurden mitgesprochen, mitgesungen, mitgefühlt. Im Unterschied zu vielen Rappern belässt es Samy Deluxe bei seinen Texten nicht bei der persönlichen Nabelschau und dem Herabwürdigen der Konkurrenz. Kommt zwar mal vor, gehört auch zur Stellenbeschreibung eines Rappers, wird von Samy Deluxe aber nicht bis zur Fremdschamgrenze ausgereizt.

Mit viel Gefühl für Sprache und Wirkung hat er sein Publikum jedenfalls gut im Griff. Die Feuerzeuge raus, das leuchtende Handydisplay hoch, bitte? Na klar, der Sudhausgarten verwandelt sich in ein Glühwürmchenmeer. „War ein schöner Abend hier in Tübingen“, raunt der Sänger gegen Ende dem Publikum zu. Das übrigens nicht zum ersten Mal, im Sudhaus ist Samy Deluxe schon als Rapper aufgetreten und als Autor auf Lesereise. „Mit Tübingen verbinde ich in erster Linie viele coole Auftritte.“

Der Sudhaus-Biergarten hat es ihm recht angetan, sowas hätte er auch gern in seiner Heimatstadt Hamburg – gute Größe, gute Location, findet er. „Da würde ich dann garantiert einmal im Monat was machen.“ Ach so, auf Klassenfahrt war der Rapper auch schon mal hier, vor vielen Jahren. Damals „war Süddeutschland noch viel weiter weg“ und Tübingen „für mich total exotisch“.

10.08.2012 - 08:00 Uhr

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