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Visuelle Musik-Performance

Porträts auf bemalter Seide und Gesang im Sudhaus

Tübingen. Sieben längliche weiße Stoffbahnen aus japanischer Seide hat Koho Mori-Newton mit Tusche bemalt. Sie werden in dieser eindringlichen „Visual Music-Performance“ unter dem Titel „THRee“ in der Sudhaus-„Peripherie“ zur Projektionsfläche.

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In der von Koho Mori-Newton (links am Bildrand) eingerichteten Musik-Performance im Sudhaus wird ... In der von Koho Mori-Newton (links am Bildrand) eingerichteten Musik-Performance im Sudhaus wird der weiße Kimono von Sängerin Lauren Newton zur Projektionsfläche vor der Projektionsfläche. Bild: Metz

Anfangs ist das Gesicht der deutsch-amerikanischen Sängerin Lauren Newton darauf zu sehen, wie sie klagend Koloraturen singt, juchzt und tiriliert. Ihr Ohrring glitzert. In die lautmalerischen Töne mischt sich die deutsche Textzeile: „Manchmal kommt mir jemand entgegen und lächelt mir zu.“ Was zu einem Leuchten auf ihrem Gesicht führe, wie sie singt. Bei dem Wort „Leuchten“ werden in Überblend-Technik Menschengesichter in Großaufnahme auf die Stoffbahnen projiziert: Ein erwachsener Japaner, ein dunkelhäutiges Kind, ein junger Mann mit Schnurrbart.

Der Medienkünstler Wolf Nkole Helzle hat weltweit tausende solcher Menschenporträts fotografiert. Am Computer hat der gebürtige Göppinger die Überblendungen so arrangiert, dass die einzelnen Gesichter auseinander herauswachsen, verfließend ineinander übergehen. Auf Mori-Newtons Seidenflächen wirken sie zudem wie gemalt.

In der zweiten von neun Szenen betritt die Sängerin die Bühne. Lauren Newton ist in einen weißen Seidenkimono gekleidet. Wenn sie vor die Stoffbahnen tritt, wird auch sie zur Projektionsfläche für die Gesichterbilder. Sie stimmt einen gutturalen Sprechgesang an, der an Bienen erinnert, an unterdrückte Schmerzenslaute, an ein landendes Flugzeug, mal laut und mal leise, singend und summend. Sie gestikuliert mit den Händen. Ein atemloser Dauer-Dreiklang, mit Tönen jonglierend. Helzle sitzt mit Laptop vor der Bühne und hält den Auftritt mit Fotoapparat fest – neue Menschenbilder.

In einer weiteren Szene improvisiert Mori-Newton mit einem selbst gebauten Musikinstrument. Eine lange Metallsaite ist an einen Verstärker angeschlossen, mit länglichen Werkzeugen entlockt er ihr elektronische Geräusche, die zunächst an eine, dann an viele läutende Uhren erinnern, später an einen alten Plattenspieler. Mori-Newton entlockt der Saite schabend, kratzend und klopfend unruhige und beängstigende Töne. Mit dem traurigen Gesang der Sängerin rahmt der Japaner den sich dauernd fortsetzenden Bilderbogen seitlich ein.

Später zeigt Lauren Newton hinter den Seidenbahnen ein Schattentheater, mimt gestisch und klanglich einen Vogel, spielt mit den 30 Zuschauern Verstecken hinter den Bildern, läuft gackernd und schnatternd auf und ab, streckt die Hand durch, guckt tirilierend ins glucksende Auditorium. Bräunlich leuchten die Gesichter auf ihrem Kimono.

Mit einer Art Blechscheibe und Verstärker folgt eine weitere Percussion-Szene. Mori-Newton presst das Instrument gegen seinen Bauch, entlockt ihm zitternd martialische Klänge. Von rechts schwebt die Sängerin hervor, während immer neue Menschenbilder, diesmal in einzelne Bildausschnitte aufgelöst, auf der Leinwand zu sehen sind: Augen, Nase, Ohren. Mori-Newton scheint das Instrument förmlich zu zersägen. Das knackt und flüstert, dröhnt und donnert wie in einer Schmiede-Werkstatt, während Lauren Newton gilft und ruft, krächzt und flüstert.

Zuletzt ziehen Tausende von Gesichterbildern als viele einzelne Punkte in einem großen Bilderblock vorbei. Die Sängerin läuft erst mit den Bildern mit, greift nach einzelnen Gesichtern, später streckt sie zu juchzenden Koloraturen die Arme aus und wechselt die Richtung, versteckt sich hinter den Ärmeln ihres Kimonos. Noch einmal die Textzeile: „Manchmal kommt mir jemand entgegen und lächelt mir zu.“ Ein Kindergesicht erscheint in Großaufnahme, langsamer Abgang der Sängerin. Viel Applaus. Matthias Reichert

Info: Die 50-minütige Performance ist noch einmal am Freitag um 20 Uhr in der Sudhaus-„Peripherie zu sehen.

16.05.2011 - 08:30 Uhr

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