Beim Poetry Slam „Raus mit der Sprache“ muss die Jury „Äpfel mit Birnen vergleichen“, so Mitinitiator Helge Thun. Tatsächlich reimten, rappten, erzählten und lautmalten die Schüler beim Kreisfinale quer durch alle Genres.
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MARLENE STAIB
Tübingen. Die Atmosphäre im Sudhaus ist gespannt: Wieder ist ein Jahr vergangen, in dem das Team von „Raus mit der Sprache“ an nicht weniger als acht Schulen sein kreatives Schreib- und Performance-Projekt angeleitet hat. Die besten aus Klasse neun bis dreizehn traten am Dienstag im Kreisfinale gegeneinander an.
Vor der Show wird die Publikums-Jury unter den anwesenden 120 Zuschauern ausgewählt, dann kann es auch schon losgehen mit Gangster-Rap, gereimten Theaterstücken und gesellschaftskritischer Prosa. Existenz- und Seinsfragen stehen im Zentrum der Kurzgeschichten von Carola Nuglisch vom Albert-Einstein-Gymnasium Reutlingen und Milena Buncsak von der Geschwister-Scholl-Schule in Tübingen.
Ein ganz neues Genre, das von Lautmalerei, wiederkehrenden Kurzsätzen und einer abstrakten Inszenierung lebt, entwirft dagegen Jaron Krimmel. Schön inszeniert ist auch der Gemeinschaftstext von Franziska Schubert und Luca Kieser. Mit ihrem Gedicht über die Automatik des Daseins, „Utopie der Gefühle“, und einer perfekt abgestimmten Sprachchoreographie belegten die 13-Klässler den zweiten Platz.
Der Mörike-Schüler Vladimir Fertig mit hartem Gangster-Rap „für alle, die nicht so gern zur Schule gehen“. Bild: Metz
Platz eins und somit die Teilnahme am deutschsprachigen U20-Slam im Ruhrgebiet 2010 ergatterte die Uhland-Gymnasiastin Solvejg Schomers. „Wie ein Uhu, der nur noch Hesse liest“ fühlt sich der Protagonist ihrer Kurzgeschichte. Schomers nahm in früheren Jahren an den Reimwettbewerben für die Jüngeren teil, bei denen es spezielle Themenvorgaben gibt. „Meine Freundin musste mich überreden, hier teilzunehmen. Jetzt bin ich zwar froh über den ersten Platz, aber es war mir nicht so wichtig“, sagt die Zehntklässlerin, die unseren Landkreis im Land der Kulturhauptstadt vertreten wird.
Dem Comedy-Trio Helge Thun, Jakob Nacken und Harald Kienzler ist das Projekt ans Herz gewachsen. „Die Auftakt-Veranstaltung in den Schulen ist jedes Mal etwas Besonderes. Die Schüler sind eine harte Jury“, findet Nacken. Auch die Veranstalter der Stiftung Kunst und Recht und der Kreissparkasse Tübingen zeigten sich zufrieden.