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Tradition verpflichtet

Neuer Vorstand beim Künstlerbund im Doppeljubiläumsjahr

Der Tübinger Künstlerbund hat ein neues Gesicht: Vorsitzende ist nun die gelernte Kunsthistorikerin Cornelia Szelényi.

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Wilhelm Triebold

Tübingen. Szelényi? Manchem einem wird der Name schon dadurch vertraut vorkommen, weil die 37-Jährige seit 2006 bei den Tübinger Stadtwerken für Pressearbeit zuständig ist. Ihr Herz schlug dabei weiterhin für Kunst und Kultur, was nicht von ungefähr kommt. Aufgewachsen in Tübingen, begleitete sie als Kind die kunstverständige Mutter des öfteren zu lokalen Kunstgrößen wie den „Ellipse“- und Künstlerbund-Pionier Ugge Bärtle, den Alten vom Föhrberge. Und vom ersten selbst verdienten Geld legte sie sich gleich eine Radierung des hiesigen Malers Frido Hohberger zu.

So konnte sie nach kurzer eingehender Überlegung auch kaum Nein sagen, als der bisherige Künstlerbund-Chef Axel von Criegern Cornelia Szelényi in einem Baumarkt erspähte und ihr umgehend das kühne Angebot unterbreitete, den ehrenamtlichen Job zu übernehmen. Der emeritierte Kunstprofessor stand der Vereinigung sechs Jahre lang vor, nun drängte es ihn wieder mehr an den Zeichentisch. Die Nachfolge-Kür hatte sich allerdings etwas hingezogen.

Es ist ein tief greifender Generationswechsel: Als der Künstlerbund 1971 gegründet wurde, war die neue Vorsitzende noch nicht mal geboren. Nun darf sie gleich zwei Jubiläen betreuen, denn neben den vier Jahrzehnten Künstlerbund steht auch die Feier 60 Jahre „Ellipse“ an. Diese 1951 gegründete Keimzelle des heutigen Künstlerbundes ging wiederum aus der „Notgemeinschaft Tübinger und Reutlinger Künstler“ hervor. Der Künstlerbund wurde dann von Anbeginn vom langjährigen AOK-Vorsitzenden und UFW-Stadtrat Kurt Hafner angeführt.

Cornelia Szelényi ist also, nach dem Interregnum von Klaus Antonius Blanke und nach von Criegerns Amtszeit, die zweite Nicht-Künstlerin auf diesem Posten. Das kann durchaus mehr Segen als Fluch bedeuten. Denn vor Animositäten und Eifersüchteleien ist auch die organisierte Kunstszene kaum gefeit. „Wir waren alle sanft traumatisiert durch den Führungsstil“, erinnert sich von Criegern ans straffe Hafnersche Regiment – und wollte es anders machen. „Es war für mich eine sehr unruhige Zeit“, resümiert er die letzten Jahre, zieht aber doch eine positive Bilanz.

Ein neues Wir-Gefühl macht unter den heutigen Künstlerbund-Mitgliedern nun auch Quereinsteigerin Szelényi aus. Ihre Aufgabe sieht sie darin, in der heterogenen „Gruppe von Individualisten“ eine „Balance auszutarieren“ und „Impulse zu setzen“. Der Künstlerbund, der ja im Alten Schlachthaus in der Metzgergasse über eine eigene Galerie verfügt, will den angestammten Betrieb einer Druckerwerkstatt wiederbeleben. Szelényi meint zu spüren, dass das „Interesse an Druckgrafik wieder wächst.“ Und sagt aber auch: „Wir müssen beweglicher werden.“

Dazu will sie, die außerdem bisher in der „Bürgerinitiative Campendonk“ aktiv war, den Künstlerbund noch mehr vernetzen, sich stärker gegenüber anderen, auch auswärtigen Künstlervereinigungen öffnen, ebenso gegenüber der Uni. Und sie will sich der beachtlichen Tradition nicht verschließen.

12.01.2011 - 08:30 Uhr | geändert: 14.01.2014 - 11:10 Uhr

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