Was macht eigentlich Tedros Teclebrhan? Vor anderthalb Jahren hat das TAGBLATT über den gebürtigen Eritreer aus Mössingen-Bästenhardt berichtet, der sich damals seinen Bühnentraum in der Kölner Musical-Version des Kultfilms „Hairspray“ erfüllte. Inzwischen ist der heute 28-Jährige, genannt „Teddy“, selber Kult. Auf Youtube.
Anzeige
Wilhelm Triebold
Frag lieber den Telefonjoker: Tedros Teclebrhan ahnungslos auf Youtube.
Showtalent hatte der Jüngste der eritreischen Asylbewerberfamilie schon immer. In der Schule gibt er gelegentlich den Klassenkasper oder Pausenhofclown, bis ihn das Jugendamt für ein Jahr ins Heim steckt. Das Leben ist eine Rutschbahn. Die schiefe Bahn bleibt Tedros Teclebrhan jedoch erspart. Als er im Mössinger Jugendhaus „M“ Zivildienst leistet, rät ihm dort die Jugendpflegerin, aus seinem überbordenden Schauspieltalent eine Tugend zu machen. Er bewirbt sich an einer privaten Stuttgarter Schauspieler-Akademie – und wird genommen.
Um die Ausbildung zu bezahlen, jobbt Tedros Teclebrhan nebenher in einer Tübinger Weinhandlung, für die er ausliefert. Und kellnert beim Weinhaus „Beck“ am Marktbrunnen. „Teddy, bringsch mir an Schwarzriesling!“, soll‘s es ihm da schon mal schwäbisch-derbhumorig entgegen geschallt haben.
Teddy seinerseits schwätzt selbstredend schwäbisch genug. Außerdem noch sächsisch und hochdeutsch, nötigenfalls mit französischem Akzent, wie die Homepage seiner Acting-Agentur verrät. Oder im Türken-Slang.
Muttersprache aber ist und bleibt die eritreische (und äthiopische) Nationalsprache Tigrinya. Und die Leidenschaft gehört der Comedy. In Tübingen dreht er mit Kumpels lustige Filmchen. Ein selbst gemachtes Demoband wird von der Kölner Produktionsfirma, der er es zuschickt, gelobt und verworfen. Tedros Teclebrhan stellt das Band ins Netz, auf die Youtube-Plattform. Mit überschaubarem Erfolg. 5000 Klicks, heißt es, gab es in vier Monaten.
Bis der junge, hungrige Nachwuchscomedian eine neue Figur erfindet. Praktisch aus sich und der Situation heraus, und doch mit der notwendigen satirischen Distanz. In dem Youtube-Video schlendert ein schlaksiger Migrant im Feinripp-Unterhemd daher, das Smartphone auf dauerhaftem Plapperempfang. Als ihm der Interviewer das Mikro vor den angebeppten blonden Oberlippenflaum schiebt, um ihm „ein paar Fragen zum Fragen zum Integrationstest“ zu stellen, gibt sich der Typ locker, selbstbewusst, auskunftsfreudig.
Deutschlands Bundeskanzler? „Angelo...Angelo Merte“. Wer war’s davor? „Hitler – kann das sein?“ Mauerfall, nie gehört. Die Hauptstadt von Deutschland: Klar, Luxemburg, da war er schon mal.
Der rund sechsminütige Videoclip auf Youtube nennt sich „Umfrage zum Integrationstest (was nicht gesendet wurde)“, um dann wunderbar selbstironisch das Klischee des bildungsfernen Integrationsverweigerers auf die Schippe (oder aufs Korn?) zu nehmen. Seltsamerweise nehmen manche den Sketch vom gut gelaunten Begriffsstutz, der im Biertrinken und Frauschlagen schon Integrationsleistung genug sieht, allzu wörtlich. So spukt er wohl durch manche bemühte Vorstellungskraft – Sarrazin-Soap, vor dem Migrationshintergrundübel eines mitunter beschränkten Wissenshorizonts, mangelhafter Bildung oder auch mangelnder Lebenschancen.
Man staunt und wundert sich: Kann man wirklich so strunzdumm und trotzdem so frohgemut sein wie dieser Passant, der – wenn’s ihm doch etwas mulmig wird – schlicht zurückfragt: „Was labersch du?“
Das ist nun wiederum ein geflügeltes Wort geworden. „Was labersch du?“, Tedros Teclebrhans Identitätswechselspiel zur Integrationsdebatte, ist momentan auf Youtube der absolute Renner und Brüller, neben der leichtge wichtigen studentischen Trash-Nummer „Tübingen, warum bist du so hügelig?“. Aber mit ganz anderen Abrufzahlen. Und mehr Gewicht.