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Liebe und Schmerz

Maria Serrano ließ das Sudhaus erbeben

Sie betritt die Bühne und setzt sich auf einen Stuhl. Sie sitzt aufrecht, den Scheinwerfer im Rücken, das Gesicht im Dunkel. Und sitzt. Minuten lang, ohne sich zu regen.

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Die Flamenco-Tänzerinnen und Schwestern Maria und Alba Serrano eroberten am Freitagabend im ... Die Flamenco-Tänzerinnen und Schwestern Maria und Alba Serrano eroberten am Freitagabend im Sudhaus die Herzen des Publikums. Bild: Faden

Tübingen. Gemurmel im Publikum, Verwirrung. Nach einer Weile beginnt jemand zu klatschen, ein zögerlicher Willkommensapplaus setzt ein. Doch Maria Serrano regt sich nicht. Vier Musiker ganz in schwarz kommen auf die Bühne. Erst, als die ersten Töne der Gitarre erklingen, dreht Maria Serrano langsam ihren Kopf und wendet ihr Gesicht den vier Musikern zu, die in einer Reihe im hinteren Drittel der Bühne sitzen. Ihre Hand gleitet von der Lehne des Stuhls hinab auf ihren Schenkel, ihr Fuß zieht geräuschvoll einen Kreis auf dem Boden. Maria Serrano erhebt sich, für einen Moment wirkt es so, als wolle sie in die Knie gehen.

In den langen Fransen ihres Kleides schwingen die Bewegungen nach. Doch ihr Oberkörper scheint sich kaum einen Millimeter zu bewegen, während ihre Füße bald das ganze Sudhaus zum Beben bringen. Als hätte sie die Kraft und Spannung, die sich nun entlädt, zuvor sammeln und konzentrieren müssen. Herausfordernd blickt sie ins Publikum und verlässt scheinbar wehmütig die Bühne.

Wieder betritt eine Frau die Bühne. Schon im Halbdunkel ist zu erkennen, dass das nicht Maria Serrano ist. Die junge Frau schreitet geschmeidiger, aber auch vorsichtiger, manchmal fast unsicher. Die 18-jährige Alba Serrano tanzt nicht so entschlossen wie ihre Schwester Maria und hat (noch) nicht diese gefühlvolle Härte, diese stolze Leidenschaft. Die Schwestern umkreisen einander, manchmal unterscheiden sich ihre Bewegungen nur in Details.

Immer wieder schafft es Maria Serrano, eine elektrisierende Spannung aufzubauen, die sie schließlich in einem Sturm frei lässt. Gemeinsam stampfen die Schwestern die Flamenco-Rhythmen. Ihre Gesichter sind schweißüberströmt, auf dem von Maria Serrano ist zum ersten Mal so etwas wie ein Lächeln zu sehen.

Juan José Navarro tritt vor und singt unbegleitet mit kraftvoller und rauchiger Stimme ein Klagelied. Maria Serrano tanzt dazu in schwarzem Kleid und roten Schuhen den Schmerz und die Liebe, in langsamen Bewegungen und im rhythmischen Rausch ihrer Füße, wenn sie ihren Rock über die Knie hebt. Mit den komplexen Rhythmen, die ihre Schuhe in den Boden schlagen, tanzt sich Maria Serrano die Seele aus dem Leib, so dass ihre glitzernde Haarspange zu Boden fliegt. Tosender Applaus.del

22.03.2010 - 11:30 Uhr
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