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Danke für VEB Kunstblume

Legendäres Filderstädter Trio tritt wieder im Tübinger Club Voltaire auf

Es ist nicht bekannt, wie viele Bands aus Filderstadt stammen. Die ohne Beachtung der anderen Eindrucksvollste davon nennt sich VEB Kunstblume. Das Trio spielte, wie jedes Jahr nach Weihnachten, am Donnerstag wieder im brechend vollen Tübinger Club Voltaire.

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Michael Sturm

Tübingen. Zwischen Jacques Brel, Edith Piaf und Charles Trenet findet sich bestimmt noch ein Plätzchen im Plattenregal, dachte einst Frédérik Mey. Chansons wollte der junge Deutsche singen, erst auf Französisch, später – unter seinem echten Vornamen Reinhard – in seiner Heimatsprache.

Tanz den Teddy Adorno: Trommler Jochen Braun, Tanzbär Michael Zimmermann und Tastenmann Thilo Alexe ... Tanz den Teddy Adorno: Trommler Jochen Braun, Tanzbär Michael Zimmermann und Tastenmann Thilo Alexe (von links) – zusammen VEB Kunstblume – bespaßen ihr Stammpublikum im Club Voltaire. Bild: Franke

Seitdem hat sich der deutsche Chanson schon viel ausgehalten. Doch wie dieser Musikstil von Sänger Michael Zimmermann und dessen Combo VEB Kunstblume strapaziert wird, kennt man sonst nur von Götz Alsmann und seiner Band: Wohnzimmerjazz mit Swingelementen treffen hier auf dadaistische Ausdrucksformen in Text, Instrumentarium und Zimmermanns Ausdruckstanz.

Lange Lulatsche und betrunkene Finninnen

Ein Blick zurück: 1981 ging der zehnjährige Thilo Alexe gerade frisch aufs Gymnasium. Dort traf er auf den wenig jüngeren Michael Zimmermann, mit dem er immer etwas zu lachen hatte. Im elterlichen Wohnzimmer setzte sich Alexe als Klavier, Zimmermann gab den Entertainer. Irgendwann holte das Duo den zwei Jahre jüngeren Jochen Braun ins Boot, der sich als Percussionist angeboten hatte.

Als VEB Kunstblume wurden die drei später vor allem in Tübingen weltberühmt. In den 1990er Jahren spielten sie regelmäßig bei Studentenfesten im Brechtbau, später bekamen sie im Club Voltaire eine Auftrittsgenehmigung auf Lebenszeit. Allerdings dürfen sie dort nur einmal im Jahr spielen.

Denn die Fans dieser Kultband sind berüchtigt: Betrunkene Finninnen sind darunter, viele Mädchen, die Sabine heißen (und Sabse gerufen werden) und es stehen grundsätzlich die längsten Lulatsche direkt vor der Bühne.

So war es letztes Jahr, als der erkrankte Thilo Alexe kurzfristig durch den Tübinger Gitarristen Sascha Bühler ersetzt wurde. So war es auch an diesem Donnerstag, als Thilo Alexe fit, dafür aber Sascha Bühler krank war. Gefühlt 337 Menschen zwängten sich in den Club Voltaire. Atemnot machte sich breit, als das Konzert um neun immer noch nicht los ging.

Pizza mit

Goldrand

Die Band weile noch beim Essen, raunte man sich im Publikum zu. Jemand musste die Musiker daraufhin aufgescheucht haben, denn im Laufschritt und noch Pizza kauend erschienen die drei auf der Bühne, um mit „Goldrand“ sofort einen äußerst tanzbaren Boogie auszupacken, den Zimmermann noch mit einem Motörhead-Zitat („Ace of Spades“) anreicherte.

Ohne Pullunder

und „Onderhemmad“

Alexe saß erstmals nicht mit dem Gesicht zur Wand da, denn er verfügte diesmal über ein wesentlich leichter zu transportierendes E-Piano, das vom Clubhaus ausgeliehen worden war. Auf präzise Weise betrommelte Braun wieder seine alt bewährten und mehrfach geflickten Plastikeimer, pustete in eine Tröte, klopfte auf Bierflaschen und bediente den Digitalwecker, als „Der syrische Schrank“ an der Reihe war. Zimmermann wiederum gab den „Auszieh’n!“-Rufen nach und wand sich aus seinem Pullunder.

Während die meisten Songs der VEB Kunstblume an diesem Abend zunächst kaum die Zwei-Minuten-Fuffzich-Marke überschritten, steigerte sich die Band hintenraus in ihren Longsong-Klassiker „Onderhemmad“ hinein, in welchem Michael Zimmermann irgendwann immer am Eisschrank auftaucht, in welchem er seltsame Sachen findet.

In diesem Jahr war eine naldo-Monatskarte darunter. „Frau Kummer geht im See baden“, „Dolphin“, „Zucker und Zimt“, die bewährte Dreier-Serie kam so auch wieder. Anders als sonst war aber nach „Ich will Alles“, „Wild Rose“ und „Danke“ noch nicht Schluss: Die Jungs von VEB Kunstblume mussten dann ein zweites Mal die Softball-Mädchen auf dem „Hartplatz“ besingen. Wieder genial.

29.12.2012 - 08:30 Uhr

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