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Küchenbull am Flügelhorn

Klink und Bebelaar musizierten im Klosterhof

Auch wenn er das Wort „Fernsehkoch“ nicht mag – den meisten dürfte Vincent Klink aus dem Mittagsmagazin „ARD Buffet“ bekannt sein. Allerdings hat der gebürtige Schwäbisch Gmünder mit dem Gros seiner Kochshow-Kollegen wenig gemein.

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170 Besucher lauschten am Sonntag der musikalischen Lesung von Vincent Klink (rechts) und Patrick ... 170 Besucher lauschten am Sonntag der musikalischen Lesung von Vincent Klink (rechts) und Patrick Bebelaar. Bild: Ulmer

Zuallererst ist der Chef der renommierten Stuttgarter „Wielandshöhe“ gegen jeden Haute-Cuisine-Schnickschnack: „Ä Maultasch muss ä Maultasch bleibe!“ Außerdem ist er ein schwäbisches Original und nimmt schon deswegen kein Blatt vor den Mund. Und Klink ist ein wahres Multitalent: Gemeinsam mit dem Satiriker Wiglaf Droste gibt er die Zeitschrift „Häuptling Eigener Herd“ heraus. Seine autobiografischen „gepfefferten Erinnerungen eines Kochs“ sind im letzten Jahr unter dem Titel „Sitting Küchenbull“ erschienen. Nicht zuletzt ist Jazz-Liebhaber Klink immer wieder als Musiker aufgetreten, etwa mit Trompeter Till Brönner.

Seit letztem Jahr ist Klink mit dem Kusterdinger Jazzpianisten Patrick Bebelaar auf Deutschlandtour. Wenn die beiden langjährigen Freunde und „Brüder im Geiste“ auftreten, sind die Hallen ausverkauft. Auch am Sonntag im Klosterhof mussten mehrfach neue Stühle herbeigeschafft werden. 170 Zuhörer – absoluter bisheriger Besucherrekord des Bürger- und Kulturhauses – drängten sich im Saal und auf der Galerie.

„Sie hättet gar net so lang klatsche brauche – des semmer g‘wöhnt“, ulkte Klink in gewohnt direkter Art und stimmte mit Bebelaar einen schnittigen Tango an. Ein spannend gegensätzliches Paar, das sich stimmig ergänzte: Landes-Jazzpreisträger Bebelaar geschmeidig virtuos, ein punktgenauer Liszt des Jazz-Klaviers, der gewandt zwischen klassischem Vokabular und freier Improvisationslust wechselt. Klink auf einem „widerspenstigen“ Bassflügelhorn, von dem weltweit nur drei Exemplare in Verbreitung sind, das aber mit seinem kratzbürstigen Louis-Armstrong-Brustton völlig Klinks „Lebensgefühl entspricht“. Der Tango – wie fast alle Stücke an diesem Abend aus Bebelaars Feder – erntete gleich rasenden Applaus.

Zwischen den Stücken servierte Klink seine gepfefferten Lebenserinnerungen, ergänzte die Lesung mit weiteren eingestreuten Anekdoten und herzhaften Kommentaren und löste mit diesen regionalen Spezialitäten im Publikum große Heiterkeit aus. Gewitzt, knitz, mal schnoddrig, mal hintergründig. Und irgendwie ging es meist ums Essen und Trinken. Bereits Klinks Tauffeier verlief recht lustig: Für die Wein-Bowle hatte die Mutter zu zwei etikettenlosen Flaschen gegriffen, die allerdings Birnenschnaps enthielten. Klinks Vater, eigentlich Tierarzt, machte im eigenen Haus eine Kneipe auf, „damit er in Hausschuh ind Wirtschaft ko.“

Am liebsten wäre Klink ja Bildender Künstler geworden, hatte sogar die Zusage der Kunstakademie, aber sein Vater trieb ihm solche Berufswünsche mit Backpfeifen aus. So absolvierte er seine Lehrzeit in Katzenbergers „Adler“ in Rastatt und im Münchner Feudalschuppen Humplmayr. Die seinerzeit berufsüblich „dauerbesoffenen Köche mit sortenreinem Weltbild: Fußball, Weiber, Saufen“ kritisierte Klink ebenso wie „im Windkanal designte Weine“ oder eine globalisierte Küche mit Perfektionswahn: „Perfekt isch’s nie – ond wemmer versucht, perfekt zom sei, wird’s langweilig.“ In der „Wielandshöhe“ wird improvisiert und gekocht, was die regionale Saison hergibt.

Amüsiert folgten die Zuhörer Klink aufs Oktoberfest der Strauß-Ära, wo vier afrikanische Koch-Kollegen ihre ersten Erfahrungen mit einer Maß machten. Großen Anklang fand auch die Episode mit dem verbotenen Insektizid E 605, das ein Bekannter Klink für seine verlausten Zitronenbäume besorgte: „Lasses Fläschle jo net romstande, domit kannsch ganz Stuagert leeräume!“

Ein Publikumsrenner war die von Bebelaar begleitete Jugenderinnerung „Ich lieg in der Wiese und kitzle die Liese“: Seine Frau eroberte Klink allerdings nicht mit Streicheleinheiten, sondern kalorienreich mit Riesling und Hummerpastete. Zu Bebelaars besonderen Bravourstücken gehörte eine Improvisation über einem unablässig hämmernd in der linken Hand wiederholten Ton. Die Menüfolge endete mit einem Klassiker: „All Blues“ von Miles Davis. Achim Stricker

16.03.2010 - 08:30 Uhr
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