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„Tübingen, warum bist du so hügelig?“

Hommage an die Heimat startet bei YouTube durch

Wie werden zwei Tübinger Studentinnen von jetzt auf nachher berühmt? Das fragen sich Martha und Frauke selbst oft. Sie sind die beiden Protagonistinnen des zum Kultlied mutierten „Tübingen, warum bist du so hügelig?“.

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Juliane Brosz
Frauke Spranz und Martha Herbold singen über das hügelige Tübingen. Die Studentinnen haben nicht ... Frauke Spranz und Martha Herbold singen über das hügelige Tübingen. Die Studentinnen haben nicht mit dem Erfolg gerechnet.Agenturbild

Tübingen. Der Weg auf den Schlossberg kann einem ganz schön lang vorkommen. Vor allem bei Glatteis. Das mussten Frauke Spranz, 24, und Martha Herbold, 23, feststellen, als sie letzten Dezember auf dem Weg zu einem Seminar waren. Die beiden studieren seit 2008 zusammen in Tübingen. „Martha, warum ist Tübingen eigentlich so hügelig?“, fragte Spranz ihre Kommilitonin und gab damit den Anstoß zu einem Lied, das heute in Tübingen fast schon Kultstatus hat. Wie das eigentlich passiert ist, wissen sie auch nicht so richtig.

Der „Trashfolk“, wie Herbold und Spranz ihr Lied selbst nennen, handelt aber nicht nur von den Hügeln der Stadt und den geschundenen Knien der beiden. Auch der alt bekannte Clinch zwischen den Tübinger Grüppchen von „Buxen, Strebern, Wohlstandsökos, Freaks und Zecken“, wird thematisiert. Herbold erklärt, dass der Song „eine liebevolle Mischung aus Hommage und Parodie“ ihrer kleinen Universitätsstadt sei.

Getroffen haben sich die Mädchen durch ihr Studium. Frauke Spranz erinnert sich, dass „Martha mit die Erste war“, die sie in Rhetorik kennengelernt hat. Die beiden haben sich sofort gut verstanden, weil sie „einfach den gleichen Humor haben“, sagt Martha Herbold.

Auch das Lied, das die beiden auf dem Weg den Berg hinauf dichteten, sollte zuerst eigentlich nur ein Scherz sein. Aber wie sich herausstellte, hatte es eindeutig Ohrwurmpotenzial und verbreitete sich schnell. „Wir hatten das Lied noch gar nicht aufgenommen, da kamen schon Leute auf uns zu und fragten danach“, erzählen die Mädchen lachend.

Angenehmes mit Nützlichem verbinden

Mit Hilfe ihres Bruders, der ein Tonstudio in Hannover hat, nahm Herbold den Song dann kurzerhand auf. Auch die Idee für ein Video kam schnell dazu. Um „das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden“, erklärte sie das Lied zu ihrem Projekt für Medienwissenschaften und hatte somit gleich noch Zugriff auf professionelles Equipment für den Videodreh.

Kaum war der Video-Clip veröffentlicht, wurden die Sängerinnen von „den Medien bombardiert“, sagen sie. Sie wussten nicht wie ihnen geschieht. „Wir dachten, dass das vielleicht an der Uni bekannt wird, aber plötzlich konnten fremde Leute unsere Choreografie tanzen und wollten Autogramme“, so Herbold. Auch jetzt komme ihnen der ganze Hype noch so unreal vor.

Der Dozent, Ulrich Hägele, der das Projekt betreute, war begeistert. Er war es auch, der Martha Herbold und Frauke Spranz dazu brachte, die CD mit dem Lied aufzunehmen, die demnächst veröffentlicht wird. Bei Vertretern der Stadt kommt die Hymne ebenfalls gut an. Oberbürgermeister Boris Palmer, der in einer kurzen Sequenz im Video erscheint, weil er beim Dreh zufällig vorbeilief, gratulierte den Mädchen. Hans-Peter Schwarz von Tübingen Erleben freut sich, dass „Tübingen so auf jeden Fall ins Gespräch kommt“. Er stehe hinter den zwei kreativen Mädchen. Und selbst bei dem freien Tübinger Radiosender Wüste Welle war das Lied schon ein paar Tage nach Erscheinen im Programm.

Nicht nur positive Rückmeldungen

Das Video bekommt aber auch negative Kritik. Zwar hat es auf Youtube schon über 110 000 Klicks, aber viele belächeln den Song. Damit können die Mädchen jedoch umgehen. „Im Internet kann man sich eben anonym auspöbeln. Wer aus einem witzigen Video ein ernsthaftes Problem macht, ist selbst Schuld“, bemerkt Herbold. Die Freunde und Verwandten der beiden sind auf jeden Fall stolz.

Wichtig ist es den Studentinnen jedoch, auf dem Teppich zu bleiben. Sie betonen immer wieder, dass das Projekt im Vordergrund stehen soll. Beide wollen die Bekanntheit des Songs nutzen und die Einnahmen vom Verkauf der CD an die Kinder- und Jugendpsychiatrie in Tübingen spenden. Dort soll ein neuer Therapieraum und ein Musikkeller eingerichtet werden. Spranz wünscht sich, dass die Reaktionen „etwas weniger ach süß und etwas mehr ach guck an“ seien.

Alleine hätten sie das alles auch gar nicht geschafft, so Spranz. „Wir sind zwar die Protagonistinnen, aber da waren so viele Leute beteiligt“. Die Mädchen wurden beim Dreh von Uzn-Productions, bestehend aus einer Gruppe Medienwissenschaftler unterstützt. Einige ihrer Freunde haben sogar im Clip mitgespielt, und andere haben für die Musik gesorgt. Und selbst die Freunde, die nicht dabei sein konnten, hätten in Form eines aufblasbaren Drachens indirekt das Video beeinflusst, versichert Herbold.

Ihren Berufswunsch haben die beiden wegen der plötzlichen Bekanntheit aber nicht geändert. Sie gäben sich keinen Illusionen vom großen Ruhm hin und „wollen alles mal auf sich zukommen lassen“, sagen sie.

Zur Seite von Martha und Frauke geht es hier.

20.08.2011 - 08:30 Uhr | geändert: 20.09.2011 - 15:15 Uhr
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