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Schwaben-Schwebe

Hermann Bausingers „Kleine Landesbibliothek“

Seit bald zwei Jahren baut ein Autorenkollektiv im Tübinger Klöpfer & Meyer-Verlag die „Kleine Landesbibliothek“ auf. 15 Bände liegen vor, Band 16 und 17 sind in Aussicht. Ein Gespräch mit Senior-Herausgeber Prof. Hermann Bausinger.

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Artikelbild: Hermann Bausingers „Kleine Landesbibliothek“

Tübingen. Es ist genau ein halbes Jahrhundert her, dass Hermann Bausinger als Professor ans Ludwig-Uhland-Institut (LUI) berufen wurde: Im Herbst 1960 nahm er die Arbeit dort auf. Und erinnert sich im TAGBLATT-Gespräch vergnügt an die harsche Abfuhr, die ihm der damalige Rektor Otto Bachof bei der Urkundenübergabe erteilte – als offenbar akademischem Stubenhocker. Schließlich hatte Bausinger zuvor in Tübingen studiert, promoviert, sich habilitiert.

Vierzehn Tage floss Bachof indes schon wieder über vor entgegenkommender Freundlichkeit. Denn nun sollte Bausinger, so der Hintergedanke, das Studentenwerk übernehmen (was er auch vier Jahre lang tat). Doch bekannt wurde der Volkskundler dann dafür, dass er am LUI im Haspelturm das Fach gehörig entrümpelte, um die nun so genannte Empirische Kulturwissenschaft in ungeahnte Popularitätshöhen zu treiben.

Hermann Bausinger, der in gut zwei Wochen 84 Jahre alt wird, ist immer noch an seinem – in die Biesingerstraße ausgelagerten – Institutsschreibtisch anzutreffen, produktiv wie beinahe eh und je. Seine Schwerpunkte, die Alltagskultur, die Erzählforschung, die Landeskunde und die Kultur- und Sozialgeschichte, kommen ihm bei dem Projekt zugute, an dem er seit mehr als zwei Jahren federführend beteiligt ist und das jetzt in seinem letzten Drittel angekommen scheint: Der „Kleinen Landesbibliothek“, jenem „mutigen Unternehmen“, wie Bausinger findet.

Gemeinsam mit einem Herausgebertrio hat Bausinger im Tübinger Klöpfer & Meyer-Verlag bislang 15 Bände vorgelegt, zuletzt eine Wilhelm-Hauff-Werkauswahl, Ludwig Uhlands „Gedichte und Reden“ und Carl Julius Webers „Demokritos“, die „hinterlassenen Papiere eines lachenden Philosophen“. Als nächstes folgen noch im Herbst ein Scheffel-Lesebuch und eine Auswahl von Erzählungen und Briefen des früh vollendeten Wilhelm Waiblinger.

Ursprünglich, verrät Bausinger, habe man einen anderen Plan verfolgt: Man wollte „Findlinge“ der weitgehend unbekannten Literatur des Landes versammeln. Dann wandelte sich das Konzept in Richtung etablierte Literatur, wobei Erstaunliches zutage trat: So glaubte das Herausgeberkollektiv, auf Uhland getrost verzichten zu können, weil „den jeder kennt und hat“, wie auch Bausinger vermutete. Bis ihn eine Tübinger Buchhändlerin darauf aufmerksam machte, sie könne zwar zwei oder drei Uhland-Bände pro Woche verkaufen, es gebe sie aber schlicht nicht. „Wir haben also den einzigen Uhland gemacht, der wieder greifbar ist.“

Drei, vier Dutzend Namen fanden sich auf der Liste einer zu schaffenden „Kleinen Landesbibliothek“, die – das ist Bausinger wichtig – die Brücke zwischen Baden und Württemberg schlägt. Auch sollte sie nicht weiter zurück reichen als bis ins späte 18. Jahrhundert (was sie mit Jörg Wickram jetzt aber doch tut). Und sie sollte in Richtung Gegenwart ausbaufähig sein (was oft am Copyright scheitert). Immerhin, Theodor Heuss ist bereits dabei, demnächst auch Luise Kaschnitz, und wenn‘s noch weiter in die Moderne gehen sollte, „müsste eigentlich Martin Walser rein“, meint Bausinger.

Zwei Themenbände („Latente Talente“ aus Baden, Schwaben und Franken sowie „Reingeschmeckt“-Kulinaria) liegen bereits zurück, zwei weitere („Jüdisches Leben“ und „Landschaft und Lyrik“) in der näheren Zukunft. Manche Entdeckung und Wiedergutmachung ist vollzogen, an dem im Württembergischen so gut wie unbekannten Heinrich Hansjakob ebenso wie an der in Vergessenheit geratenen Bestsellerautorin Toni Schumacher. Freuen darf man sich auf Ausgrabungen, etwa auf den vernachlässigten Unzeitgenossen Emil Strauß oder Carl Weitbrecht.

Überhaupt möchte sich Bausinger auch noch den freiheitskämpfenden 1848er-Literaten zuwenden. Die Dialektdichtung steht ebenfalls auf seiner Liste. Das sei immer eine „merkwürdige Schwebe“ gewesen: Einerseits wollte man keinen Kanon, und hat sich doch darum bemüht.wilhelm triebold

Info: Weiteres, vor allem zur Teil-

oder Komplett-Subskription, unter www.kleine-landesbibliothek.de

02.09.2010 - 08:30 Uhr
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