Tübingen. Mehrere Gründe zur Freude hatte die Stiftung Stiftskirche Tübingen am Freitagabend. Die wichtigsten: Rund fünfhundert Hörer/innen kamen, bei freiem Eintritt, zum „Begegnungen“-Konzert mit dem Organisten Horst Allgaier, dem Vibraphonisten Dizzy Krisch und dem Schlagzeuger Dieter Schumacher. Und der Stiftungsrat-Vorsitzende, Pfarrer Karl Theodor Kleinknecht, verkündete die Verdoppelung des Stiftungsvermögens innerhalb eines Jahres. Hochspannend verlief schon die erste der musikalischen Begegnungen: Allgaier hatte Bachs d-moll Toccata und Fuge ungewöhnlich viele Nuancen abgewonnen, jeder Aufwärtssequenz eine andere Register-Farbschattierung zugewiesen, die Tempo-Rücknahmen und akkordischen Ruhepunkte im Prestissimo-Taumel angemessen gewichtet.
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thomas ziegner
Tübingen. Mehrere Gründe zur Freude hatte die Stiftung Stiftskirche Tübingen am Freitagabend. Die wichtigsten: Rund fünfhundert Hörer/innen kamen, bei freiem Eintritt, zum „Begegnungen“-Konzert mit dem Organisten Horst Allgaier, dem Vibraphonisten Dizzy Krisch und dem Schlagzeuger Dieter Schumacher. Und der Stiftungsrat-Vorsitzende, Pfarrer Karl Theodor Kleinknecht, verkündete die Verdoppelung des Stiftungsvermögens innerhalb eines Jahres.
Hochspannend verlief schon die erste der musikalischen Begegnungen: Allgaier hatte Bachs d-moll Toccata und Fuge ungewöhnlich viele Nuancen abgewonnen, jeder Aufwärtssequenz eine andere Register-Farbschattierung zugewiesen, die Tempo-Rücknahmen und akkordischen Ruhepunkte im Prestissimo-Taumel angemessen gewichtet. Das Jazz-Duo Krisch/Schumacher antwortete nicht weniger differenziert. Krisch isolierte zunächst das einprägsame Anfangsmotiv, ließ es in wechselndem rhythmischen Kontext aufschienen, artikulierte es hämmernd und samtweich.
Aufregend im besten Sinn geriet die Koppelung von zwei einander kontrastierenden Orgelwerken (der ruhige „Choral dorien“ und die frenetischen „Litanies“) Jehan Alains mit dem Stück „Abyssale“ von Krisch. Vielschichtig die Form: Ein abgrundtiefer, ostinater Basston, dichtes Beckenrauschen vom Schlagzeug, von der Orgel harte Akkorde wie Gitterstäbe und dazwischen, nach repetitiven Energiestaus, virtuose Vibraphonläufe.
Auf Messiaens von Allgaier intensiv angestimmte „Chants d’oiseaux“ (Gesänge der Vögel) antworteten Krisch/Schumacher mit dem anmutigen Stück „Forest“ (Wald), in dessen harmonischen Zusammenhang der Organist gelegentlich Messiaen’sche Signale einstreute. Nach dem Vorbild von Pop-Konzerten, allerdings etwas weniger hektisch, begleiteten Licht-Effekte von Alexander Schnapper das Konzert. Diese Illumination störte wenig, irritierte nur insofern, als in Stiftskirchenhöhen ein gleichschenkliges Licht-Dreieck erschien, Zeichen der Dreifaltigkeit, in kreiselnder Bewegung. Langer Beifall nach der Bravour-Orgel-Toccata von Widor.
Gründungs-Zustiftungen noch möglich
Mehr als verdoppeln, auf nunmehr 102 000 Euro konnte die Stiftung Stiftskirche Tübingen ihr Vermögen im ersten Jahr ihres Bestehens. Bis zum Jahresende seien noch besonders steuerbegünstigte Zustiftungen möglich, sagte am Freitagabend nach dem Konzert der Vorsitzende des Stiftungsrats, Pfarrer Karl Theodor Kleinknecht. Stiftungszweck: „Altes erhalten – Neues ermöglichen“. Weitere Informationen unter www.stiftung-stiftskirche-tuebingen.de.