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Wieder eine Spur rockiger

Grachmusikoff mit neuem Bassist

Tübingen. Treffen sich zwei alternativ angehauchte, schwäbische Mittfünfziger in Tübingen. Sagt der Eine: „Stell Dir vor, Grachmusikoff spielt am Ende des Jahres im Sudhaus und keiner geht hin.“ Sagt der Andere: „Völlig unmöglich!"

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Es ist eine Tübinger Institution: Die drei Grachmusikoff-Auftritte an aufeinander folgenden Tagen zwischen den Jahren im Sudhaus. Man weiß, was einen erwartet: Gefrotzel zwischen den Zwillingsbrüdern Köberlein, der sowohl dreckige als auch ausgesucht edle Gitarrenton von Hansi Fink, ein solides Rock-Fundament von Bass und Schlagzeug und schwäbische Hymnen, die schon seit mindestens zwanzig Jahren auf der Setlist stehen. Alles wie gehabt. Oder?

Rocken mächtig einher: Die Grachmusikoff-Gründer Hansi Fink (rechts) und Georg Köberlein. Hinten ... Rocken mächtig einher: Die Grachmusikoff-Gründer Hansi Fink (rechts) und Georg Köberlein. Hinten links: Neuzugang Paul Harriman am Bass. Bild: Rippmann

Gut, Georg Köberlein hat seine Haare wachsen lassen und trägt jetzt ein Stirnband der Marke maximale Rampensau. Und siehe da, in der zweiten Reihe hat sich ein Personalwechsel ergeben: Hinten links, am Bass, steht jetzt ein Jon-Lord-Lookalike statt Michel Stoll. Aber hoppla, „Nur für Geld“, das Auftaktstück, rockt mehr als ordentlich! Wie heißt der Bassist? Paul Harriman? Ein Engländer? Ja und warum singt der schwierigste schwäbische Textzeilen mit? Weil er es kann. Mehr noch, im Zusammenspiel mit Schlagzeuger Martin Mohr trägt Harriman eine Grundhärte in den Grachmusikoff-Sound hinein, die der Band gut tut.

Die kabarettistisch wirkenden Elemente, das gegenseitige Anpflaumen von Alex und Georg Köberlein, sind nach wie vor Bestandteil einer Grachmusikoff-Show. Doch die Musik nimmt einen anderen Raum ein. Vielleicht ist einfach nur die Routine gewichen: Mit Harriman entdecken die Köberleins, Fink und Mohr manches Stück neu, etwa „Spreng, Karle, Spreng“, eines der Stücke, das Alex Köberlein im Schwoißfuaß-Fundus ausgrub und zu Grachmusikoff mitnahm. Oder zuvor „Endstation A“, in dem die Rhythmusabteilung schlicht brilliert. Harriman und Mohr entlasten so auch Hansi Fink, der noch mehr Möglichkeiten hat, sich an der Gitarre zu entfalten. Sein „Keiner isch gefeit“ und später „Gogo Boy“ kommen als echte Rock-Kracher daher.

Ein neues Stück haben sie auch im Programm. Mal wieder eines mit dem alten Thema der Köberleins: Damals an der Schule war das Leben oft grausam. Es trägt den wahrscheinlich längsten und mit Sicherheit sperrigsten Titel aller Grachmusikoff-Stücke: „Woisch no, wo der Peschel Adam anno ’62 im Schulhof vo 13 Kerle d’Gosch vollkriagt hot ond nemme uffg-schtanda isch?“ Einen Vorteil hat dieser Titel: Er lässt keine Fragen offen. Zumindest, wenn man des Schwäbischen mächtig ist.

Ob das großartige „Der Ochse und der Mönch“, eine instrumental ausgedehnte Version von Andre Schnisas „Paule Popstar“, oder die ebenso von Schwoißfuaß populär gemachten Klassiker „Rastaman“ und „Oiner isch emmr dr Arsch“ – es rockte ohne Ende. Drei Zugaben, Wunderkerzen auf der Tribüne, noch eine Tempoverschärfung während „Brennend heißer Wüstensand“, Alex als Operntenor, dann war wirklich Schluss. Wieder mal großes Kino.

Michael Sturm

28.12.2012 - 08:30 Uhr

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