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Die Legende ist quicklebendig

Familie Hesselbach feierte im Sudhaus mit Fetisch, Teetisch und Bakschisch

Die Familie Hesselbach war in den gerade einmal fünf Jahren ihres Wirkens in der ersten Hälfte der 80er-Jahre nicht nur eine angesagte Band. Sie vermittelte auch ein Lebensgefühl am Übergang von Punk zu New Wave und Neuer Deutscher Welle sowie die Abgrenzung von vorherrschenden Musikstilen aus der Welt der Müslifresser.

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Tübingen. Hesselbachs waren Avantgarde, die Botschaft der Texte aus häufig assoziativ verbundenen Wörtern erschloss sich zuvorderst Gleichgesinnten. Kurzum: Sie waren Kinder ihrer Zeit, die Auflösung 1985 war zwar vor allem den auseinanderstrebenden Lebenswegen der Bandmitglieder geschuldet, zugleich aber auch musikalisch konsequent.

Zeitreise mit Familie Hasselbach im Sudhaus: Die 80er Jahre-Band ließ 22 Songs und ... Zeitreise mit Familie Hasselbach im Sudhaus: Die 80er Jahre-Band ließ 22 Songs und 80er-Jahre-Weisheiten vom Stapel. Bild: Faden

Abgesehen von vereinzelten privaten Zusammenkünften der über die Republik verstreuten Musiker war die Familie Hesselbach seither nur noch eine Legende. Ein studentisches Projekt an der Stuttgarter Merz-Akademie (wir berichteten) führte die Musiker wieder zusammen. Nach Proben, bei denen kaum je alle Hesselbachs anwesend waren, und einem ersten Auftritt im November in Stuttgart, startete am Samstag die Zeitreise im Sudhaus.

Auf dem Trip in die Vergangenheit tauchte im Vorbeiflug allerdings zunächst das Elektropop-Duo „Heute“ auf. Die aus Reutlingen stammenden Multi-Instrumentalisten waren mit der Familie Hesselbach schon auf der 1983 erschienen Doppel-LP mit dem lautmalerisch missglückten Titel „Schwabesäkel international“ vertreten, die Live-Aufnahmen aus dem Stuttgarter Club Mausefalle enthielt. Der Schauspieler, Fotograf und Musiker Georg Alfred Wittner und sein Kompagnon sorgten mit treibenden Beats, eingängigen Melodien und anarchischer Lust an Hinter- und Blödsinn für eine Bühnenpräsenz, die von den gut 150 Konzertbesuchern goutiert wurde. Mit Textzeilen wie „Gestern waren heute und morgen schon längst vorbei. Schieb, Rollator Baby, schieb!“ bereiteten „Heute“ würdig den Boden für den Auftritt der Hesselbachs.

Die präsentierten mit „Warnung vor dem Hunde“ gleich zu Beginn einen Bandklassiker, dessen Text aus einer Aneinanderreihung von Verbotsschilder-Inhalten besteht. „Wo bist Du“ und „Fetisch“ („Mein Fetisch ist der Teetisch, der Backfisch will mehr Bakschisch“) folgten, spätestens danach war jede Reserviertheit auf und vor der Bühne verflogen. Nahezu ohne Ansagen und sonstige Pausen ließen die Hesselbachs 22 Lieder vom Stapel, Sänger und Frontmann Gottfried hüpfte auf der Bühne, als ob die 28 Jahre seit dem Abschiedskonzert spurlos an ihm vorüber gegangen wären. Verlernt hatten auch die anderen nichts. Von der Originalbesetzung fehlte lediglich der Schlagzeuger, der immerhin als Zuhörer im Publikum anwesend war. Er wurde durch den Jamclub-Gründer und Schlagprofi Ralf Wettemann höchst professionell ersetzt. Funkige Bläser, das Original-Casio-Keyboard von Handke Hesselbach, skurrile Textpassagen, Wave- und NDW-Anklänge: Ein fachkundiger Zeitzeuge versicherte, dass der Sudhaus-Auftritt den früheren Konzerten der Hesselbachs in nichts nachstand.

Nicht alle Besucher verfügten über diese Vergleichsmöglichkeit, denn es waren auch ein paar Handvoll jüngere Zuhörer gekommen. Sie wurden nicht enttäuscht. Obwohl sie ausschließlich Musik von früher zu hören bekamen, so wirkte diese doch nie, als sei sie aus der Zeit gefallen. Das Hesselbach-Revival war eine große Party, die allen Beteiligten auf und vor der Bühne immer wieder ein breites Grinsen ins Gesicht zauberte. Als mit „Paul“ die einzige eingeplante Zugabe über die Bühne gegangen war, wiederholten die Hesselbachs einfach drei Songs, die in der Reprise noch lässiger und griffiger gerieten als im ersten Durchgang. Stephan Gokeler

04.03.2013 - 08:00 Uhr | geändert: 05.03.2013 - 16:19 Uhr

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