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Die Herren Wichsler

Eine Internet-Revue im Zimmertheater

Bald 200 000 Klicks sprechen für sich. Es gibt einen Humor, der unglaublich kompatibel ist: mit schwer dekolletierten Dirndl-Trägerinnen, Tübingern, Nicht-Tübingern und farbentragenden Verbindungsstudenten. Es kommen ja auch welche vor im Netz-Video „Tübingen, warum bist du so hügelig?“ der beiden angehenden Kulturwissenschaftlerinnen Martha Herbold und Frauke Spranz, vor allem bei den zentralen Takes auf dem Österberg.

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Das Duo war bei der sechsten Ausgabe der Blog-Revue „das letz niest“ im Zimmertheater am Sonntagabend wieder einmal der Kracher. Den rund 70 Zuhörer(inne)n kündigte Co-Moderator Wolfgang Brenner die „Schöpferinnen eines Kultvideos“ an. Brenner sagte es mit einem leichten Hüsteln in abfallendem (abfälligem?) Tonfall.

Nach ihrem Kurzfilm liefen Herbold und Spranz erst recht zu großer Form auf. Sie zeigten, dass sie das kulturwissenschaftliche Handwerk auch in der Internet-Welt beherrschen, besonders am „Phänomen Youtube“, wie Herbold präzisierte. In einer rasanten 20-Minuten-Show aus Nonsens und komischen Peinlichkeiten erheiterten die beiden Fun-Filmerinnen mit einer Auswahl der widersprüchlichen Kommentare, die bisher auf ihr Tübingen-Video eingegangen sind. „Besser kreativ als kriminell“, hieß es da gouvernantenhaft knapp. „Euch muss ja ganz schön langweilig sein, dass ihr so ’ne Kacke in eurer Freizeit macht.“ Nicht zu schade für einen Seitenhieb war sich dieser auf Distinktion bedachte Kommentator: „Niemand will mit so peinlichen Nervensägen wie auf diesem Video gemeinsam feiern.“

War es gar der mehrfach zitierte Absender „bullenglied“, der frustriert die eigenen dicke „Titten“-Erwartungen enttäuscht sah? Und: „Entschuldigung, es heißt Burschenschafter, ohne -l“, wies ein User den anderen zurecht: „Ich sage ja auch nicht, Sie Wichsler.“

Die Glückwunsch-Mail vom Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer erreichte das Duo bereits am 2. August, acht Tage nach der Interview-Anfrage von „Spiegel Online“. Nach dem demnächst abgeschlossenen Studium wollen die beiden „in erster Linie immer noch Mensch bleiben“, so Herbold. Eine vergleichbare Strahlkraft konnten weder der Essener Twitterer Roman Held noch der Bodensee-Blogger Markus Seefried entfalten. Co-Moderator Uli Edel musste den phonetischen Witz seines Polizeiobermeisters (POM) Fritz erst erläutern.

05.10.2011 - 08:30 Uhr

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