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Komprimierte Zuckerwatte

Drei Teams lieferten im Mancuso eine Poetry-Slam-Show der Spitzenklasse

Sieben Poetry-Slam-Spezialisten aus der ganzen Republik und der Schweiz machten die „Kronengeflüster V.“-Show im Mancuso zum gefeierten Erfolg.

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madeleine wegner
Nur zur Hälfte „Smaat“: Gabriel Vetter und Lars Ruppel. Bild: Faden Nur zur Hälfte „Smaat“: Gabriel Vetter und Lars Ruppel. Bild: Faden

Tübingen. Aus flüsterndem Stimmenwirrwarr schält sich ein Satz: „Das Gedankenflüstern formt morgens nach dem Aufwachen nicht immer ganze Sätze . . .“ – Wecker, Bartstoppeln im Rasierschaum, Frühstücksfernsehen und Zappen vom Tennis zur Buchbesprechung und zurück. Die Welt im schlaftrunkenen Halbdämmer.

Etwa 60 überwiegend junge Leute hörten und sahen der Spoken Word-Truppe „Word Alert“ zu, die auf der Bühne des Mancuso weniger alarmierende und auch mehr als tatsächlich alerte Wortkaskaden lieferten. Zum „Poetry Slam Team Show Kronengeflüster Vol. V“, die gewöhnlich im „Zweimers“ über die Bühne geht, waren neben Ken Yamamoto, Dalibor Markovic und Anton Telhaim von „Word Alert“ noch zwei weitere Teams angereist: die beiden Leipziger Julius Fischer und André Herrmann als „Team Totale Zerstörung“ sowie „Smaat“ mit Gabriel Vetter, Sebastian 23, Lars Ruppel und Felix Römer.

Diese packten einen Text über „Staatistik“ aus, mit dem sie nicht nur Umfrageergebnisse lieferten („160 Prozent aller Deutschen haben gespaltene Persönlichkeiten“ oder auch „99,9 Prozent glauben, dass irgendetwas fehlt“), sondern vor allem die Frage aufwarfen: „Wie viel deines Lebens kann man in Zahlen ausdrücken?“

Auch das „Team Totale Zerstörung“ hatte sich mit seinem ersten Text an diesem Samstagabend den Zahlen verschrieben: „Zwölf“ hieß er, doch handelte von der Zahl Sieben – außerdem von einer traurig röhrenden Kaffeemaschine in einem Zwischenzimmer und von einem siebenarmigen Mischwesen mit mangelnder Multitasking-Fähigkeit.

Alle drei Teams hatten mehr als nackte Texte zu bieten. So begleitetete Sebastian 23 sein Team „Smaat“ zeitweise auf der Gitarre und Julius Fischer im „Team Totale Zerstörung“ etwa gestikulierte sinnstiftend. „Word Alert“ präsentierten ihre Texte mitunter im Hip-Hop-Flow, mit Beatbox und sogar dreistimmigem Gesang. So gaben sie zum Beispiel einen Eindruck von einem Nachwuchsband-Wettbewerb, auf dem sich „Hornbrillenträger im Pogo üben“ oder setzten das Mikro als Bierflasche an, um sie akustisch überzeugend zu leeren.

Mit ruhiger und sanft-dunkler Stimme trug Dalibor Markovic („Word Alert“) kurze Natur-Impressionen in Form von Palindromen vor („Lebe nie bei Nebel“). Als „Herr M.“, der durch das Rückwärtslesen von Texten satanistische Botschaften zu entschlüsseln sucht, schrie er seine innere Zerrissenheit heraus, bis sein Kopf rot anlief. Die Anleitung zum perfekten Team-Text lieferten schließlich „Smaat“, wobei Lars Ruppels Beitrag, mit dem er beweisen wollte, dass er tatsächlich Teil einer Jugendbewegung ist („Ich bin Schulbusfahrer!“), zum Running Gag wurde.

Zum Abschluss und als Höhepunkt des Abends gaben sich alle sieben Spoken-Word-Poeten gemeinsam auf der Bühne die Ehre. Sebastian 23 an der Gitarre, Felix Römer und Lars Ruppel mit den Nasen an den Mikros, um den Schnauf-Beat zu legen. Gabriel Vetter, von seinen Team-Kollegen wegen seiner „Stimme wie aus komprimierter Zuckerwatte“ geschätzt, gab sich mit umwerfender Mimik und Gestik zum Text „Ramona, bitte nimm Rexona!“. Beatbox und Schnauf-Freestyles taten ihr übriges, um das Publikum vollends zu begeistern. Was für ein Abend – abgründig absurd, surreal, genial.

23.11.2009 - 08:30 Uhr

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