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Kunstwerke ab 50 Euro – auf Leihbasis

Die Artüthek zeigt ihre Werke in einer Wechselausstellung

Warum nur Bücher und Videos ausleihen? Ausgewählte Werke der Kunstleih-Plattform www.artüthek.de sind künftig in der Stadtbücherei zu sehen. Ein paar Klicks führen zum persönlichen Kontakt mit den Künstlern.

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Peter Ertle

Tübingen. So findet man im Mekka der Leihbücher ab sofort auch Leihkunst, die hier in einer fortlaufenden Wechselausstellung gezeigt wird. Die kann man zwar im Gegensatz zu den anderen Medien nicht auch gleich mit nachhause nehmen – aber einen entsprechende Leihanfrage kann man am PC in der Stadtbücherei stellen. Im Unterschied zu den angebotenen Medien kann man sogar eine Kaufanfrage stellen. Man kann dies natürlich genauso gut von zuhause aus tun. Denn die Ausstellung in der Stadtbücherei ist nur ein Auszug und realer Werbehinweis auf die digitale Plattform www.artüthek.de, eine Kunstkontaktbörse, die zwischen Künstlern und Kunstinteressierten vermitteln soll.

Live online-Schulung mit Harfenmusik

Der Blick auf die Werke im Netz ist aber was ganz anderes und viel armseligeres als das Live-Erlebnis der Kunst. Beruflich bedingt weiß das niemand besser als LTT-Theaterleiterin Simone Sterr, die das in ihrer Eigenschaft als Kulturnetzabgesandte zur Eröffnung am Dienstag auch entsprechend bekundete. Und deshalb präsentieren sich die Werke der Plattform künftig im wochenweise wechselnden Künstlerdreierpack live und real in der Stadtbücherei. Den Anfang machen zur Zeit Bilder von Annette Janle, Ale Zea und Renate Scherg, in deren Kunst Artüthek-Organisator Peter Krullis kundig einführte, bevor Kreisarchivar Wolfgang Sannwald auf der Tastatur herumklackerte und sich dergestalt online durch die Artüthek-Homepage bewegte, sichtdienlich auf große Leinwand gebeamt: So wird’s gemacht. Neben Krullis und Sannwald sprachen auch Dagmar Waizenegger vom Kulturamt und Martina Schuler von der Stadtbücherei, auch Künstlerbundsvorsitzende Cornelia Szelenyi und eine ganze Reihe von Künstlern waren zugegen, Alice Feucht füllte die Takte dazwischen an der Harfe .

Suche nach Genre,  Künstler, Format

Es war also eine konzertierte Gemeinschaftsaktion, was zu Gründungsidee und Charakter dieser Plattform passt: Die verdankt sich einer Gruppeninitiative, entstand 2007 im Kunstnetz, eingebunden waren der Künstlerbund, der Rottenburger Künstlerhof, die Regionalgruppe des Verbands bildender Künstler und das Landratsamt. Die Artüthek liegt im Trend der Zeit. Leihen, teilen, auf Zeit machen – all das steht im Gegensatz zum alleinigen, dauerhaften Besitz hoch im Kurs, teils aus ideologischen, teils aus ganz pragmatischen Gründen. Das gleiche gilt für gemeinsame, eigenverantwortete und selbstverwaltete Interessensgemeinschaften wie es diese ganz auf die Interessen der Künstler und der Kunstinteressierten ausgerichtete Börse ist – ganz ohne einen zwischengeschalteten Makler, Aussteller, Manager, Händler. Galerien sind in der Plattform übrigens nicht zugelassen, Künstler können aber auf sie verweisen. Die Artüthek ersetzt sicher keinem Künstler eine gute Galerie. Aber sie kann enorm weiterhelfen. 441 Werke von insgesamt 35 Künstlern umfasst die Artüthek derzeit. Und so funktioniert sie: Der interessierte Kunstfreund kann nach Künstlernamen suchen, er kann auch zunächst eine Grobauswahl fällen und zwischen Art Brut/ photographische Arbeiten/ Freie Graphik / Malerei / Skulpturen wählen oder: Format. Ja, auch dies ist möglich, manchmal weiß man ja immerhin schon, wie viel Platz man für ein Bild hat. (Der nächste Schritt wäre dann der Stichpunkt Farbe, um das richtige Bild zur Sofagarnitur zu finden – vermutlich basteln sie schon fieberhaft daran.)

Diese beiden Herren spielen kein Theater, sondern lesen tatsächlich Zeitung, haben entweder keine ... Diese beiden Herren spielen kein Theater, sondern lesen tatsächlich Zeitung, haben entweder keine Ahnung, dass sie fotografiert werden oder wollen nicht erkannt werden. Und scheinen keinerlei Interesse an der kreisrunden Kunst-Serie von Annette Janle zu haben, die über ihren Köpfen hängt. Aber das kann ja noch kommen. Bild: Metz

Und natürlich kann man sich auch durch alle 441 Arbeiten klicken. Der Klick auf ein Kunstwerk eröffnet die Möglichkeit zur Kontaktaufnahme mit dem Künstler. Die Modalitäten sind einfach: Der Mietpreis pro Kunstwerk beträgt ein Prozent des Kaufpreises pro Monat, wobei ein Mindestmietpreis von 50 Euro angesetzt ist – darunter lohnt es sich nicht.

Die Kunst wird während der Ausleihzeit übrigens versichert. Und wer sich irgendwann zum Kauf entschließt, bekommt den bisher gezahlten Mietpreis angerechnet, das versteht sich von selbst. Nur mal so als anschauliches Beispiel: Wer vor 1000 Euro für ein großes schönes Bild zurückschreckt, das aber so was von perfekt für den Eingangsbereich, das Schlafzimmer, die Praxis wäre – wer dafür also zurückschreckt, kann das Bild für 120 Euro ein Jahr lang haben. Danach hält er es vielleicht für unverzichtbar oder hat sich inzwischen satt gesehen, leiht weiter, gibt es zurück oder kauft. Vielleicht findet er ein neues Arrangement mit dem Künstler, vielleicht bietet der ihm etwas ähnliches an, man kennt sich jetzt ja. . .

22.02.2013 - 08:30 Uhr

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