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Er zitierte aus dem „Playboy“

Der Pop Art-Künstler Mel Ramos zwischen Pin-Up und Werbung

Der Pop-Art-Künstler Mel Ramos macht verdeckte – sexistische – Werbebotschaften durch Übertreibung offensichtlich, sagt die Kunsthistorikerin Sigrid Ruby. Das Frauenbild des Malers hält sie trotzdem für problematisch.

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DOROTHEE HERMANN

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Tübingen. Die Kunsthistorikerin Sigrid Ruby kennt die zwiespältige Resonanz auf die plakativen weiblichen Pin-Ups des Malers Mel Ramos. Deren wissenschaftliche Analyse treffe leicht der Verdacht, „die Banalität der Kunstwerke mit kunsthistorischer Bedeutung zu versehen“. Dennoch warnt Ruby davor, es sich mit Ramos’ Bildern zu einfach zu machen. „Wie andere amerikanische Popkünstler griff auch er die Bilder der Werbung auf“, sagte die Gießener Kunsthistorikerin am Dienstagabend in der aktuellen Ramos-Schau in der Kunsthalle. Vor rund 40 Interessierten sprach sie über „Mel Ramos – Pop Art, Pin-Ups, Persiflage?“

Voraussetzung für die Pop Art war der Aufstieg der modernen Massenmedien und die Allgegenwart der Werbung Anfang der 60er Jahre, sagte die Kunsthistorikerin. Es war „die von der Werbung forcierte Ästhetik des Markenprodukts“, die Andy Warhol, Tom Wesselmann, Ray Johnson und Mel Ramos beschäftigte. Wie die Werbebilder arbeiteten sie „mit einem starken Wiedererkennungseffekt“.

Typisch männliche Schlüsselloch-Perspektive? Der späte Mel Ramos und seine ... Typisch männliche Schlüsselloch-Perspektive? Der späte Mel Ramos und seine „Peek-A-Boo-Scarlett“ (frei übersetzt: „Guckloch-Scarlett“). Bild: Kunsthalle

„Inzwischen sind auch Europäer mit dieser Ästhetik bestens vertraut“, sagte die Kunsthistorikerin. „Doch die US-Popkünstler griffen damals ausschließlich amerikanische Marken auf.“ Welche kritische Absicht sie damit verbanden, ob sie die Werbung, den Massenkonsum oder die Hochkunst samt deren Institutionen und Nobilitierungsmechanismen treffen wollten, sei nicht ganz eindeutig.

„Mel Ramos isoliert immer eine einzelne Marke, ein einzelnes Produkt, um es mit dem Pin-Up vor einem monochromen Hintergrund zu platzieren“, sagte Ruby. Er beziehe sich stärker als Warhol auf das einzelne Standard-Objekt, das fetischartig im Mittelpunkt den Blick auf sich zieht. So erreiche Ramos ein „Einzoomen des Blicks auf die Hauptsache“ – ob auf das Produkt oder das Pin-Up, bleibe offen. Dass er die Bildelemente durch verschobene Größenverhältnisse monumentalisiert, lässt sich laut Ruby auch bei Claes Oldenburg beobachten, der sich ebenfalls Objekte der Alltagskultur vornahm. „Eine gängige Strategie der Werbung“ sei die Monumentalisierung noch immer.

Eine kausale Verbindung zwischen Produkt und Pin-Up gebe es bei Mel Ramos nicht – allenfalls durch „einen starken Wunsch des Begehrens“, sagte die Kunsthistorikerin. „Der weibliche Körper ist bis heute Sinnbild männlichen Begehrens. Weil ich die Frau beherrschen, kontrollieren, besitzen will, kaufe ich das Produkt.“ Das weibliche Pin-Up hingegen sei verdinglicht und entsubjektiviert dargestellt. „Sie ist ihren anonymen Betrachtern blick- und sprachlos ausgeliefert.“

Ramos wende sich an eine ausschließlich männliche Klientel, meinte Ruby. Er bediene primär eine männliche Schaulust, ein Begehren, das die Frau als Objekt definiert. So verweise der Künstler auf den unausgesprochenen Subtext entsprechender Werbebilder. Besonders in den 60er Jahren persifliere Ramos die Bildsprache kommerzieller Produktwerbung durch Übertreibung.

Diesen kritischen Impuls weisen seine späteren Arbeiten aber nicht mehr auf, so Ruby. Mit Fotos von „Playboy“-Playmates aus den 60er Jahren konnte die Kunsthistorikerin nachweisen, dass Ramos etliche Posen seiner Pin-Ups direkt aus dem Männer-Magazin übernommen hat. Auch die Playmate-Inszenierungen seien herkömmlichen Sex-sells-Strategien der Produktwerbung ähnlich. „Ramos isoliert die einzelnen Bildelemente und amalgamiert sie in seiner Malerei, einem Medium der Hochkultur. So schafft er sein eigenes Markenzeichen.“

01.04.2010 - 08:30 Uhr | geändert: 01.04.2010 - 08:41 Uhr

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