Den Tübinger Jazz & Klassik Tagen geht das Geld aus
Lokales neben Renommiertem, Klassisches neben Abstrusem: Am Samstag, 16. Oktober, starten die 12. Tübinger Jazz & Klassik Tage mit dem Top-Trompeter Tomasz Stanko. Das Festival geht bis 24. Oktober und bietet mit Musikern aus Jazz und Klassik rund 70 Veranstaltungen in verschiedenen Locations.
Anzeige
Sven Gormsen, Veranstalter der Tübinger Jazz&Klassik Tage, fürchtet um die Zukunft seines Festivals. Bild: Spieß
Tübingen. Die Formel ist einfach, das Resultat überzeugend: Zwei Drittel Jazz und ein Drittel Klassik ergeben 100 Prozent Hörvergnügen. Auch im zwölften Jahr halten sich die Veranstalter der Jazz- und Klassiktage an dieses bewährte Rezept.
Trotzdem ist die Stimmung bei Veranstalter Sven Gormsen angespannt. Denn in Tübingen fehlen geeignete Räume für größere Konzerte. Zudem spart die Stadt an allen Ecken und Enden, vor allem am Jazz. So plant der städtische Fachbereich Kultur, die am Festival beteiligten Vereine Jazzclub und Jazz im Prinz Karl zusammenzulegen und deren Zuschüsse (jeweils 5000 Euro) zu halbieren: „Das wird direkte Auswirkungen auf das Festival haben“, beschwert sich Gormsen, „denn ohne die Unterstützung der beiden Jazzvereine ist das Festival kaum durchführbar“.
Was den Veranstalter aber am meisten beunruhigt, ist das Desinteresse und die Unnachgiebigkeit der Stadt gegenüber der lokalen Jazzszene. „Nicht nur, dass uns Herr Palmer zum Jubiläum vor zwei Jahren einen Sonderzuschuss über 5000 Euro versprochen hat, die wir nie erhalten haben: Die etatmäßigen Zuschüsse werden auch noch auf Dauer gekürzt“, so Gormsen. Da auch der Sudhaus-Ausbau als wichtigster Veranstaltungsort immer weiter in die Ferne rückt, überlegt er sich ernsthaft, das Festival nach Reutlingen auszuweiten: „Dort gibt es ein florierendes franz.K und bald eine neue Stadthalle, dagegen ist sich Tübingen offensichtlich nicht bewusst, welche Schätze es mit den Kürzungen aufs Spiel setzt.“
Aber es gibt auch ein paar Lichtblicke: Obwohl die Jazz & Klassik Tage sehr knapp kalkulieren müssen (Gesamtetat: 35 000 Euro), haben die Organisatoren um Sven Gormsen ein anspruchsvolles Programm auf die Beine gestellt. Gormsen verweist darauf, dass wieder viele Eigengewächse zum Zug kommen. Aber auch Topacts wie das polnische Tomasz Stanko Quintet zur Eröffnung im LTT (16. Oktober), das Panzerballett im Sudhaus (21. Oktober) und das Nachklang-Konzert mit den Weltstars von Oregon im Sudhaus (5. November) können sich sehen lassen.
Es finden jeden Tag vier bis acht Veranstaltungen statt und versprechen ein genreübergreifendes Crossover-Spektakel. Jazz für Kinder ist ebenso im Angebot wie Schwermetall für tiefes Blech, die Premiere des Arsenal-Films „Sounds and Silence“ und ein kulinarischer Abend mit Vincent Kling, Patrick Bebelaar und Wiglaf Droste. Auch Reutlingen wird wieder mit von der Partie sein: Am 21. Oktober steigt in der Listhalle ein Jazzkonzert mit Rainer Tempel und der Württembergischen Philharmonie. Ansonsten bauen die Organisatoren auf Altbewährtes: „Wir möchten mit dem Festival die regionale Musikszene unterstützen“, betont Gormsen.
Die Jazz & Klassik Tage erwarten bis zu 10 000 Besucher und mischen sich trotz aller Tiefschläge selbstbewusst ins Stadtbild.