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Lynch an der Ruhr

Atelier: Das tragikomische Melodrama „Renn, wenn du kannst“

Nervöser Sog – als wäre David Lynch im Ruhrgebiet unterwegs gewesen..

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So viel Farbe gibt es erst in der Schlusseinstellung für diese bizarre Dreiecksgeschichte.Bild: ... So viel Farbe gibt es erst in der Schlusseinstellung für diese bizarre Dreiecksgeschichte.Bild: Verleih

In Ben (Robert Gwisdek aus „13 Semester“) steckt so viel Verachtung und Härte, dass er gut als undurchschaubarer Hitman eines US-Thrillers durchgehen könnte. Vorerst weiß der Zuschauer nicht so genau, was es mit dem toughen Rollstuhlfahrer auf sich hat, der die Welt von seinem Balkon in einem turmähnlichen Hochhaus beobachtet und wechselnde Zivildienstleistende schikaniert. Christian (Jacob Matschenz) heißt der Neue. Am ersten Arbeitstag gerät er dem Fahrrad von Cellostudentin Annika (Anna Brüggemann) in die Quere. Sie stürzt (ohne besondere Blessuren), er glaubt an die große Liebe.

Mit solchen Slapstick-Elementen bricht Nachwuchs-Regisseur Dietrich Brüggemann den nervösen Sog seiner Bilder, die in bester David-Lynch-Manier mit einem düsteren Geheimnis aufgeladen scheinen. Das gilt erst recht, wenn Ben in einem dieser beinahe mythischen amerikanischen Schlitten durch das nächtliche Ruhrgebiet heizt und zeigt, dass Talent keine sowieso schon angesagten Locations braucht.

Seltsam unbeholfen und von groben Missgeschicken betroffen, schlittern die Darsteller in diese Dreiecksgeschichte. Nur Ben wirkt überaus kontrolliert. Diese Selbstbeherrschung (oder Panzerung) kommt ihm zunehmend abhanden, als er sich in Annika verliebt. Sie changiert zwischen naiver Schönheit und Jeanne-Moreau-Ernsthaftigkeit und ist von der Rätselhaftigkeit Bens fast mehr angezogen als von Christians kleinen Aufmerksamkeiten. Den frustrierten Leidenschaften entsprechen dunkle Bilder im spärlichen Tageslicht des Winters oder Nachtaufnahmen – als arbeite die Kamera mit den natürlichen Lichtverhältnissen einer unwirtlichen Jahreszeit. Nicht immer ist dieses außergewöhnliche Regie-Debut ganz stilsicher: Mitunter kippt der Film in den üblichen Studi-Plausch, und eine Grenzerfahrung wird als schierer Kitsch inszeniert (ab 12).dhe

Nervöser Sog – als wäre David Lynch im Ruhrgebiet unterwegs gewesen.

28.08.2010 - 08:30 Uhr
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