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Ein großer Anreger

Am Sonntag starb der 1913 geborene Komponist Karl Michael Komma

Reutlingen. Viel bewegt hat er im Reutlinger Musikleben, seitdem er sich 1954 mit seiner Familie dort niederließ. Karl Michael Komma wurde am 24. 12.

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1913 im böhmischen Asch geboren. In seinen Lebenserinnerungen schildert er anschaulich und oft genug bewegend, wie ihn Musik nahezu jeder Art, besonders Klaviermusik, schon in der Kindheit fesselte.

Prof. Dr. Karl-Michael Komma, Komponist und Wissenschaftler Bild:Faden Prof. Dr. Karl-Michael Komma, Komponist und Wissenschaftler Bild:Faden

Folglich studierte er Musik und Musikwissenschaft, zunächst in Prag, dann in Heidelberg bei Heinrich Besseler, bei dem er promovierte und Assistent wurde.

Dort in Heidelberg begann auch das dunkle Kapitel seines Lebens, das ihn, wie viele Musiker seiner Generation, einholte, als er mit dem Rassenwahn und Antisemitismus der Naziherrschaft längst gebrochen hatte. Dass er Variationen zu einer Hölderlin-Vertonung des jüdischen Komponisten Victor Ullmann schrieb, war wohl seine Art, Abbitte zu leisten für antisemitische Äußerungen, die hier nicht wieder ausgebreitet werden sollen.

Teils harsche Kritik forderten seine Versuche heraus, in den „Lebenserinnerungen“ seine Aktivitäten im „Reichsgau Sudetenland“ von 1938 bis 1945 zu vertuschen und auf ein Hitler-Loblied zu reduzieren. Komma mischte in vorderster Front der „Volkstumskämpfer“ mit. Die einschlägigen Werke und Schriften nahm er in sein Werkverzeichnis nicht auf.

Viele, die ihn musikalisch kennenlernten, lernten ihn zugleich schätzen. Einige seiner früheren Schüler, wie der einst dezidiert linke Musikwissenschaftler Habakuk Traber berichten von seiner Fairness im Umgang mit kritischen Studenten an der Stuttgarter Musikhochschule, wo Komma eine Professur innehatte.

In Reutlingen begründete er die heute noch bestehende Reihe „musica nova“, war stets bereit, seine enormen musikalischen und literarischen Kenntnisse generös weiter zu geben. Wohl über zwanzig Werke Kommas hat der TAGBLATT-Rezensent in fast zwanzig Jahren gehört und darüber berichtet. Unvergesslich ist ihm Kommas Komposition im Auftrag des europäischen Kirchenmusikfestivals in Schwäbisch Gmünd: Diskreter Swing kam in ihr vor, womit Komma anknüpfte an seine Jazzleidenschaft in den späten Zwanzigerjahren. Und ergreifend schön und vielschichtig klang die Trauermusik, die er nach dem Tod seiner ersten Frau Lotte für sie schrieb.

In seinen letzten Lebensjahren komponierte er weiter, zum Teil geistreiche kleine Skizzen. Und er distanzierte sich entschlossener vom reaktionären, rechten Sudetendeutschtum. So lehnte er den Titel „Sudetendeutsches Musiklexikon“ für ein großes Lexikon ab: „Sudetendeutsch“ sei ein Begriff, der erst im 20. Jahrhundert zu politischen Zwecken geprägt worden sei, sagte er zu Recht. Karl Michael Komma wird als Komponist und als Impulsgeber in Erinnerung bleiben.Thomas Ziegner

27.09.2012 - 08:30 Uhr | geändert: 27.09.2012 - 23:43 Uhr

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