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Die Tonne unterm Firmament

„Sternsüchtig“ in der Sternwarte

„Sternsüchtig“ erzählt die Geschichte der Welt in drei Stationen. Bei dem Kooperationsprojekt der Reutlinger Sternwarte mit der Tonne hat es das Theater schwer: Die Astronomen liefern einfach die aufregenderen Geschichten.

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Fred Keicher

Reutlingen. Schwer aufwärts zu den Sternen geht es schon zur Vorstellung. Vier Stockwerke müssen die Zuschauer im Gebäude der Ferdinand-Steinbeis-Schule überwinden, bis sie bei der Sternwarte ankommen und den Blick über Reutlingens Dächer haben. Beim Premierenabend am Montag ist der Blick zum Himmel verhangen.

Tonne-Schauspielerin Jördis Johannson verkauft Parzellenanteile des Mondes – während der Omniglobe ... Tonne-Schauspielerin Jördis Johannson verkauft Parzellenanteile des Mondes – während der Omniglobe Einblicke in die Wasserseite der Erde zeigt. Bild: Haas

Auch im Planetarium wirkt der Himmel wolkenverhangen und im Westen, über dem Haus mit dem Mercedes-Stern, ist ein heller Fleck. Hat der Himmel etwa ein Loch? Als Frank Rapp seinen Sternenprojektor startet, stellt sich das Loch als die Sonne heraus. Das Planetarium ist die perfekte Illusionsmaschine. Der Himmel ist nicht nur voller Sterne, er ist voller Geschichten – und Rapp erzählt sie mit der Leidenschaft des Liebhabers. Da der Große Wagen, manche sagen auch der Große Bär, je nachdem, wie man die Sterne anschaut. Dort die Fische, Pegasus. Die Himmelskuppel ist plötzlich voller Tiere, die man sich dort hineingedacht hat. Jördis Johannsen, die Tonne-Schauspielerin, ist hereingeschlüpft, erzählt das ganze Namens-ABC, von Andromeda bis Zwillinge. „Jede Nacht jagt der Hund den Hasen über den Himmel.“

Was man weiß über das Universum, das erzählt auch Rapp: Dass die Sonne von der Erde acht Lichtminuten entfernt ist, manche Sterne aber Millionen von Lichtjahren.

Einen schönen Mond hat das Planetarium nicht zu bieten. Den kann aber eine Station weiter Heinz Lenhart zeigen, wenn auch nur als Projektion eines Bildes vom 20. Juli 2012. Wenn es den Mond und den Jupiter nicht gäbe, würde es auch die Erde nicht geben, sagt Lenhart, der ganz ungerührt Geschichten von Katastrophen kosmischen Ausmaßes erzählt. Der Jupiter hält Meteoriteneinschläge von der Erde fern. Der Mond ist aus der Erde durch einen solchen entstanden. Er sei ein „Erdgeschwister“.

Das Mondgestein, das die Apollo-Mission mitgebracht habe, ist Basalt und Granit, wie es auch auf der Erde vorkommt. „Willkommen auf dem Jupiter“, begrüßt sodann Ulrich Lehmann die Gruppe im Saal des digitalen Globus, dem Omniglobe. Lehmann ist dort Herr über viele Welten und alle Zeiten. Wie auf einer Kristallkugel kann er die Jupiterwinde simulieren, den Mars, den Mond sowieso. Die Erde kann er zeigen bei einer Zeitreise zurück um ein paar Milliarden Jahre oder in die Zukunft. 100 Millionen Jahre gibt er ihr noch: Dann ist unsere Sonne verglüht.

Es ist also Zeit, sich nach Alternativen umzusehen. Bereits jetzt. Vielleicht fliegt der Vulkan unterm Yellowstone Nationalpark in die Luft und die Erde kriegt fünf Jahre kein Sonnenlicht ab. Parzellen auf dem Mond mit ungehinderter Sicht auf die Erde gibt es noch in großer Auswahl. Marktschreierisch holt das Theater die Zuschauer zurück auf den gar nicht festen Boden der Tatsachen, bevor sich die Zuschauer aus der Kälte des Alls bei wärmendem Glühwein auf einem öden Schulkorridor wiederfinden.

Christian Dähn entlockt seinem musikalischen Bauchladen noch einmal Sphärenklänge (seine Instrumente sind Maultrommel und I-Pad-gesteuerte Synthesizer). Jördis Johannsen rezitiert besinnlichen Kitsch von Eichendorff („Und meine Seele spannte/ Weit ihre Flügel aus“), Erschreckendes von Morgenstern: „Der Rabe Ralf ruft schaurig: Kra! Das End ist da. Das End ist da!“

Nach den kosmischen Erschütterungen kehrt das 60-köpfige Publikum froh in die Realität des Theaters zurück und spendet ausdauernd begeisterten Beifall.

Info: Weitere Vorstellungen von „Sternsüchtig“ in der Sternwarte sind am 17. Januar um 20 Uhr sowie am 17. und 24. Februar um 18 Uhr und am 17. und 24. März um 20 Uhr.

19.12.2012 - 08:30 Uhr

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