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Rumpelheinz fahndet nach Schneewittchen

„Märchenkrimi“ am LTT entfaltet sich als mitreißende Fast-Ein-Mann-Show

Der „Märchenkrimi“ von und mit Michael Miensopust baut geschickt auf die Spannungselemente beider Genres. Am Samstagabend war Uraufführung im Landestheater Tübingen (LTT). Große wie kleine Premierenzuschauer waren hörbar amüsiert.

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DOROTHEE HERMANN

Tübingen. Der Anfang ist gleich sehr sympathisch. Ein ziemlicher Brocken in lauter karierten Kleidungsstücken überm grauen Unterhemd fragt erst einmal die Kinder unter den Zuschauern, welche Monster und welche Schauplätze zu seinem Märchenkrimi gehören sollen. Michael Miensopust, der Leiter des Kinder- und Jugendtheaters am LTT, hat sich die märchenhafte Krimishow um den Detektiv Rumpelheinz (frei nach Rumpelstilzchen, aber deutlich größer und breiter) auf den Leib geschrieben.

Detektiv Rumpelheinz (Michael Miensopust) in seinem Büro – bevor er sich auf die gefährliche Suche ... Detektiv Rumpelheinz (Michael Miensopust) in seinem Büro – bevor er sich auf die gefährliche Suche nach Schneewittchen macht und gewaltigen Dinosauriern, bedrohlichen Riesen und ganz privaten Schrecknissen begegnet. Bild: LTT

Es ist ein Vergnügen, wie sich dieser Schrank holterdipolter in die unglaublichsten Figuren (oder Gegenstände) verwandelt. Mann, Frau, Ungeheuer, Zwerg oder Schneewittchens Spiegel: Meistens braucht Rumpelheinz dazu nicht einmal die flammend rote Perücke in seiner Tasche. Manchmal wechselt er sogar in einer Szene blitzschnell die Perspektiven, von zwergenklein zurück zur vollen Detektiv-Körpergröße. Schließlich ist sein Klient der siebte Zwerg, der jüngste der Schneewittchengnome hinter den sieben Bergen.

Wie Rumpelheinz samt Zwerg und Feengeleit dorthin fliegt, weil er zu Fuß zu spät dran wäre, um die Folgen des vergifteten Apfels zu untersuchen, ist ein Anblick für die Götter: Pobacke für Pobacke scheint sich der Detektiv nacheinander über die sieben Berge hinwegzuheben. Ob mit Pantomime, Fistelstimme oder als vermeintlicher Erzähler – Miensopust erweist sich als Tausendsassa der Illusion, obwohl er stets kariert und bärig sichtbar bleibt.

Der einzige Webfehler ist ein Hauch von Machismo, der sich durch das Stück zieht. So hat Rumpelheinz „eine hübsche Assistentin“ (Stefanie Klimkait), die für ihn die Anregungen der Zuschauer (Monster, Schauplätze) an die Tafel schreibt. Schneewittchen wird als Topmodel eingeführt, die böse Stiefmutter als zickenhaft übersteigert. Großartig bleibt, wie der denkbar handfeste Detektiv all diese unwahrscheinlichen Figuren aus sich selbst hervorbringt.

Vielleicht trägt Rumpelheinz einfach einige Anteile Räuber Hotzenplotz in sich. Immer wieder gibt sich das Stück als kleine Hommage an den vor kurzem verstorbenen Kinderbuchautor Otfried Preußler – was nicht bei allen Figuren ankommt: „Was für ein Aaaasch?“, versteht statt Hommage die kleine Fee in Ausbildung, die als Doktor Watson dient. Ihren Namen für den Abend bekommt sie in jeder Vorstellung von den Kindern im Publikum. Mirabella und Mariechen Blumenfee sind schon vergeben.

Info: Weitere Aufführungen sind heute und am morgigen Dienstag, 11 Uhr, sowie am Sonntag, 3. März, 16 Uhr, jeweils im LTT oben. Der „Märchenkrimi“ ist für Zuschauer ab sechs Jahren empfohlen.

25.02.2013 - 08:30 Uhr

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