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Frohes Fest für Fanta-4-Fans

Zwei Tage vor Heiligabend feiern die vier Sprechsänger Weihnachten in Stuttgart

Seit 22 Jahren treten sie auf - am 22. Dezember beenden Die Fantastischen Vier in der Schleyerhalle ihre Tournee zu "Für Dich Immer Noch Fanta Sie". Zwei Fanta-Mitglieder, Thomas D und And.Y, im Gespräch.

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CLAUDIA REICHERTER
Artikelbild: Zwei Tage vor Heiligabend feiern die vier Sprechsänger Weihnachten in Stuttgart So richtig erwachsen geworden sind sie in den vergangenen 22 Jahren nicht: Die Fantastischen Vier - von links: Smudo, Thomas D, Michi Beck, And.Y - spielen zum Abschluss der "Fanta Sie"-Tour in der Schleyerhalle. Foto: Alexander Gnaedinger

Stuttgart Sie sehen aus wie ganz normale Jungs, die aus dem Gröbsten aus Versehen rausgewachsen sind. In Sweatshirt-Kapuzenjacken und Jeans sitzen Thomas Dürr (42) und Andreas Rieke (44) trotz Erkältung und Interview-Marathon seit dem Morgen recht aufgeräumt im Besprechungszimmer der "Musikwirtschaft" ihres Managers Andreas "Bär" Läsker am Cannstatter Römerkastell.

Artikelbild: Zwei Tage vor Heiligabend feiern die vier Sprechsänger Weihnachten in Stuttgart

Anders als es der Titel der aktuellen Platte "Für Dich Immer Noch Fanta Sie" der Fantastischen Vier vermuten ließe, lassen sich die als "Thomas D" und "And.Y" bekannt gewordenen Musiker duzen. Andy ist ganz der nette junge Vater von nebenan, Thomas eher der Medienprofi, der jedes Wort gezielt setzt, jedes Schmunzeln einplant. Doch am Ende des Gesprächs bricht auch bei ihm schließlich die Natur durch. Beim Thema Schweine. Doch dazu später mehr.

Denn kurz vor den letzten Hallenkonzerten der vergangenen November begonnenen "Fanta-Sie"-Tour wollen sie erstmal über die neue Rundbühne sprechen. Das erst im Lauf der Tour vom Bühnen- und Lichtdesigner entwickelte Wunderwerk fährt Elemente nach Bedarf hoch und runter, schafft so Rückzugsraum für japsende Rapper, bietet Platz für "dramaturgische Momente" und hat das ganze Brimborium, das üblicherweise im Rücken der Bands in den Zuschauerraum flackert, über sich, erzählt Thomas.

Unter diesem "Christbäumchen" aus über- und untereinander verschiebbaren Projektionsflächen wollen er, And.Y, Michi Beck, der jetzt in Berlin lebt, und Smudo, den es nach Hamburg verschlagen hat, ihre Heimatstadt Stuttgart rocken. Am 22. Dezember, zwei Tage vor Heiligabend, mit möglichst vielen anderen "Feiertagsheimkehrern".

22 Jahre zuvor hatte im Stadtteil Wangen alles begonnen: Erstmals traten die bald liebevoll "Fantas" genannten Vier im Juli 1979 unter dem neuen Bandnamen auf Euro-Paletten im ehemaligen Kindergarten vor 40 Zuschauern auf. Als erste ausschließlich auf deutsch rappende Band. Heute sind sie Popstars mit einem ganz eigenen Stil. Seit der Veröffentlichung von "Fanta Sie" im Mai 2010 spielten sie in 16 deutschen, Schweizer und österreichischen Städten. Nach einer Pause, die mit statischen Herausforderungen durch die Rundbühne zusammenhing, und Festivalauftritten im Sommer werden jetzt zehn weitere Hallen beschallt.

Vor dem jüngsten Stuttgarter Auftritt, dem "Heimspiel" mit 60 000 Fans, "waren wir echt krass aufgeregt", erinnert sich And.Y. Thomas hat "die ersten drei, vier Songs nur aus dem Rückenmark gespielt. Da war kein Hirn dabei." Diesmal wollen sie einfach "abfeiern". Den heimischen Fans ein "Frohes Fest" wünschen und damit "alles Dagewesene toppen", freut sich And.Y.

Dass ausgerechnet das Weihnachtslied der Fantas auf dem Index steht, macht da nichts. Darauf sind die vier, die immer schon frech, aber nie die Schmuddelkinder der HipHop-Szene waren, eher stolz. Zeit für Thomas Schmunzeln: "Endlich mal so cool wie die Ärzte sein. . ." Als jedoch auch das Album "4 gewinnt" verboten werden sollte, ging die Band auf die Barrikaden. "Arschloch" handle von negativ denkenden Menschen, von denen sie sich klar distanzierten. "Man muss auch sehen, in welchem Kontext es steht", erklärt And.Y. Im Ganzen sei das ja ein äußerst positives Album mit Songs wie "Lasst die Sonne rein". Zusammen mit einem Beamten die Platte durchzuhören und zu verteidigen, fanden beide aber dann doch wieder "sehr interessant". Zweifaches Grinsen.

Nicht zur Wehr setzten sich die Fantas als Band bislang gegen ein Vorhaben, das sie wie viele andere privat umtreibt: Stuttgart 21. "Wir wurden gebeten, uns an Protestveranstaltungen zu beteiligen", sagt Thomas D. Doch als unpolitische Band wollten sie sich zu politischen Themen auch nicht äußern. Bis auf eines: "Einstimmig sind wir der Meinung, dass der Schwarze Donnerstag so hätte nie passieren dürfen."

Damit, dass sie heute deutsches Kulturgut, ihre Texte Gegenstand von Abschlussarbeiten sind und im Ausland zum Deutschunterricht genutzt werden, haben die beiden kein Problem. Dass im Theater Ulm auf zwei ihrer Stücke sogar getanzt wird, bringt sie zum Strahlen. Das würden sie sich gern mal anschauen. "Aber nur die Choreografien auf unsere Stücke!" Da ist Thomas Egoist. In seinem neuen Nebenjob hingegen ist er gezwungen, andere anzuhören: Er tritt Stefan Raabs Nachfolge als Jurypräsident des Vorentscheids zum European Song Contest an, dem "einzigen ernsthaften Gegenprogramm" zu Castingshows wie DSDS und X-Factor, wo junge Leute "nur zum Verheizen aufgefahren werden".

20 Bewerber hat er schon ausgewählt, zweien oder dreien räumt er Chancen auf eine Karriere ein. "Die haben was Besonderes, erzeugen Gänsehaut". Sein Wunsch: "Einen jungen Menschen anschieben", ihn als Mentor bis zur Produktion der ersten Platte begleiten. Ob das klappt, lässt sich vom Frühjahr an auf ARD und Pro 7 verfolgen.

Die Karriere der Fantastischen Vier verlief in den vergangenen 22 Jahren stets nach oben, ihr Bekanntheitsgrad beschränkt sich jedoch auf den deutschsprachigen Raum. "Wir haben zum Spaß mal in London und New York gespielt", sagt Thomas Dürr. Ansonsten mache er dort lieber unerkannt Urlaub. In einer anderen als der Muttersprache zu schreiben "ginge bei unseren Reimgedichten, dem Sarkasmus, der da drinsteckt, und den Wortspielen nicht". Und: "Monatelang touren wäre nichts für uns", meint Andreas Rieke, der viel Zeit mit seinen Zwillingen verbringt.

Der Interview-Marathon ist geschafft. And. Y zieht das Meditonsin-Fläschchen aus der Tasche, während sein Bandkollege noch vormacht, wie Erika, die zwölf Jahre alte Sau in seiner Künstler-Landkommune in der Eifel, hinkt. Dann verabschieden sich beide mit den zuvor geschmierten Butterbrezeln in den Feierabend.

18.11.2011 - 09:01 Uhr | geändert: 18.11.2011 - 09:36 Uhr

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