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Vom Meer inspiriert

Yggdrasil brachte Rock-Jazz in die Tübinger Kelter

Yggdrasil heißt die Welten-Esche in der nordischen Mythologie. Ähnlich weltumspannend ist die Musik der gleichnamigen Band von den Faröer Inseln, die Jazz, Rock und Folk verbindet. Zum sechsten Mal in Tübingen, spielte die Formation um Bandgründer Kristian Blak (Piano) am Montagabend vor rund 50 Zuhörer(inne)n, die sich immer stärker hineinziehen ließen in die experimentelle Magie dieser Klangräume, in der Tübinger Kelter.

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Tübingen. Eingeladen hatte die Uni-Augenklinik, wo Oberarzt Prof. Helmut Wilhelm den Kontakt zu den Musikern hält, die er nun für die Reihe „Kunst und Kultur im Klinikum“ gewinnen konnte. Die sechs Musiker bewegten sich virtuos zwischen kleinen Folk-Motiven und einem schier unermesslichen Klangraum, der die Weite des nördlichen Meers evozierte.

Das vielseitige Sextett Yggdrasil am Montagabend in der Tübinger Kelter mit (von links) ... Das vielseitige Sextett Yggdrasil am Montagabend in der Tübinger Kelter mit (von links) Bandgründer Kristian Blak (Piano), Sohn Mikael Blak (Bass), Schlagzeuger Brandur Jacobsen, Saxophonist Anders Hagberg an der Maultrommel, Sänger Kári Sverisson und Heðin Ziska Davidsen (E-Gitarre).Bild:Metz

Wenn Multitalent Anders Hagberg (Querflöte, Bass-Querflöte, Saxophon) ausnahmsweise mit der Maultrommel eine Ballade aus dem 17. Jahrhundert anstimmte, konnte man meinen, man hätte einen fahrenden Musiker von einst vor sich, der auf wechselnden Jahrmärkten eine schauerliche Geschichte zum Besten gibt – wären da nicht die in diesem Stück psychedelischen E-Gitarren-Akzente von Heðin Ziska Davidsen, dessen atmosphärische Riffs an die großartigen Gitarristen der Endsechziger Jahre erinnerten.

Sie schufen einen gewaltigen Klangraum, vor dem Maultrommel und Sänger Kári Sverisson (Gesang, akustische Gitarre) gewissermaßen die Geschichte weitererzählten, während die elementaren Impulse von E-Gitarre und Bass (Mikael Blak) im Spiel blieben.

Wie Hagberg die Flöte und Davidsen die E-Gitarre, setzte Sverisson seine Stimme auch als Geräuschmaschine, als Hall- oder Echo-Instrument ein. Man konnte darin den menschlichen Atem oder den Sturmwind des Nordens heraushören, zu dem sich mitunter perlengleiche Pianotöne in Beziehung setzten.

Einmal war es, als befänden sich die Musiker an einem der Natur ausgesetzten Ort, in der mächtigen Höhle einer Felsküste. In einer Eigenkomposition von Davidsen, in der E-Gitarre und Bass-Querflöte einen reizvoll elegischen Rocksound hervorbrachten, schien der Sänger im Heck eines Bootes auf dem offenen Meer zu intonieren.

Das lyrische Intro „einer geistigen Reise“ im Sinne des nordländischen Schamanismus von Piano, Bass, Querflöte und lang gezogenem Sprechgesang wechselte unmerklich zu einem schwingenden Jazz-Standard – mit Bass, E-Gitarre, Schlagzeug (Brandur Jacobsen) und einem auf einmal deutlich jazzigen Piano.

Bei Yggdrasil kommt es vor, dass die E-Gitarre dem Saxophon zuspielt wie der (natürlich ebenfalls beteiligte) Bass in einem traditionellen Jazz-Trio – bis zur fulminanten Intervention des Schlagzeugers. Bei allen Experimenten mit Rock und Folk: Die Schlussnote gehörte meist dem Jazz, etwa mit einer kleinen Flötenlinie.DOROTHEE HERMANN

Info: Yggdrasil spielt am morgigen Donnerstag, 17. März, um 20 Uhr in der Ofterdinger Zehntscheune.

16.03.2011 - 08:30 Uhr

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