[X]
 per eMail empfehlen


   

Musik und Wort verschmelzen

Thomas Felder steht seit 40 Jahren auf der Bühne

Seit 40 Jahren ist Thomas Felder aus Gönningen bereits im Hauptberuf schwäbisch-kritischer Poet und Liedermacher. Wir sprachen mit dem politisch engagierten Künstler, der bereits mit Hannes Wader und Konstantin Wecker auf der Bühne stand, über politisches Engagement und Mundart in der Hitparade.

Anzeige


 

TAGBLATT ANZEIGER: Herr Felder, Sie machen seit 40 Jahren Musik. Woher beziehen Sie immer neue Inhalte?

Felder: Die Inhalte liegen in der Luft. Es sind Themen, die mir ins Auge springen, Naturbeobachtungen, Personen, die Geschichten erzählen, Dinge, die in der Zeitung stehen. Die Themen sind vielfältigster Art. Manchmal beziehe ich sie auch aus meiner ganz persönlichen Geschichte oder ich spüre sie in einem Sprachspiel auf, das dann eine musikalische Wendung bekommt und Form annimmt. Ein Lied daraus zu machen, ist dann aber richtig Arbeit – vergleichbar mit Drahtseilakrobatik.

Können Sie sich noch an Ihren ersten Auftritt erinnern?

Das ist schwer zu sagen. Schon im Kinderchor durfte ich Soloparts übernehmen. Mein erstes eigenes Lied habe ich vor rund 40 Jahren geschrieben und in Jerusalem aufgeführt. 1970 wurden wir als erste deutsche Schülergruppe nach Israel eingeladen, um dort bei einem Jugendcamp mitzuwirken. Dort trug ich meinen ersten Song mit dem Titel ‚Much to do‘ vor, der sogar im israelischen Radio gespielt wurde. Das war die Zeit, als ich meine ersten Konzerte gab, damals noch mit englischprachiger Folklore, später dann auch mit (hoch)deutschen Texten. Mit dem Schwäbischen hatte ich damals noch nichts am Hut, die Mundart war von der Lach- und Schunkelgesellschaft belegt. Ernsthafte Liedinhalte auf Schwäbisch waren zu der Zeit undenkbar.

Wie kam es dazu, dass Sie zum schwäbischen Dialekt wechselten?

Die Inhalte liegen in der Luft: Von Thomas Felder werden sie neugierig inhaliert und  ... Die Inhalte liegen in der Luft: Von Thomas Felder werden sie neugierig inhaliert und schwäbisch-kritisch interpretiert . Bild: Spieß

Eine Art Schlüsselerlebnis hatte ich 1975 während meines Englischstudiums in London. Auf der Suche nach Unterrichtsmaterial stieß ich im dortigen Goethe-Institut auf Tonbänder des Liedermachers Arik Brauer. Seine Lieder, gesungen im österreichischen Dialekt, haben mich derart beeindruckt, dass ich am nächsten Tag selbst ausprobierte, mit der Sprachmusik meines eigenen Dialekts zu arbeiten. Daraus entstand der Song ‚D’ Volksrealhaoptobrschual‘, mit dem ich nach meiner Rückkehr in Deutschland drei Kleinkunstpreise gewann. Kurz danach folgte die erste Platte. Rundfunkanstalten spielten meine Lieder ebenfalls, in einer Hitparade stand plötzlich Uriah Heep neben Thomas Felder.

Sie haben sich immer politisch engagiert und 1997 sogar für den Münsinger Bürger- meisterposten kandidiert. Haben Sie noch Ambitionen auf ein solches Amt?

Diese Kandidatur hatte ja eine Vorgeschichte. Ich bin in Münsingen aufgewachsen und ziemlich verwurzelt geblieben mit meiner Heimat. Darüber hinaus gab es einige Themen, die mich jahrelang beschäftigt haben. Zum einen der Truppenübungsplatz, zum anderen die Errichtung eines Denkmals für vergessene Nazi-Opfer in Buttenhausen. Deshalb bin ich damals aufs Podest gestiegen. Mir war aber klar, dass ich die Wahl nicht gewinnen konnte, und ich bin sehr froh, dass Mike Münzing das übernommen hat. Meine Anstöße wurden ja letztendlich auch umgesetzt.

Welchen Anspruch haben Sie heute an Ihre Musik?

Im Gestalten und Verschmelzen von Musik und Wort fühle ich den Himmel auf Erden. Daran möchte ich üben und ernsthaft darauf hinarbeiten – mit einfachen Mitteln, aber mit großer Freude und Begeisterung.

Fragen von Jürgen Spieß

27.01.2010 - 08:30 Uhr | geändert: 02.02.2010 - 16:39 Uhr
Nachrichten aus ...
Reutlingen Wannweil Pliezhausen Walddorfh�slach Ammerbuch T�bingen Dettenhausen Kirchentellinsfurt Kusterdingen Gomaringen Dusslingen Ofterdingen Mössingen Nehren Bodelshausen Hirrlingen Neustetten Rottenburg Starzach Horb
Anzeige


Anzeige


Anzeige