14.08.2012 Drucken Empfehlen
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Überschwang im Taubertal

Sonniges Open Air mit 35 begeisterten und begeisternden Bands

Das Taubertal-Festival ist nicht das größte, aber vielleicht deshalb eines der beliebtesten in Süddeutschland. Vor mittelalterlicher Kulisse rocken Bush, Social Distortion und Beatsteaks besonders lustvoll im Flusstal.

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CLAUDIA REICHERTER

Rothenburg/Tauber Gavin Rossdale dreht auf, als hätte er seit Jahren nicht mehr live gespielt. Dem ist nicht so. Erst vergangenen Herbst war er mit seiner Spät-Grunge-Band Bush nach achtjährigem Aus auf Comeback-Tour unter anderem in Deutschland. Sehnsucht nach der Bühne kann also nicht der einzige Grund sein, weshalb der Frontmann am Samstagabend auf der Eiswiese im Taubertal bei Rothenburg auffällig oft den Kontakt zur Menge sucht und durchs Publikum flitzt, dass sich seinen beiden Bodyguards die helle Panik ins Gesicht zeichnet.

Artikelbild: Sonniges Open Air mit 35 begeisterten und begeisternden Bands Höhepunkte des Taubertal-Festivals (von links nach rechts, oben nach unten): ein selig lächelnder Mike Ness, die Freakshow von Bonaparte, Machismo à la Mariachi mit The BossHoss, die posenden Bush-Männer Gavin Rossdale und Chris Traynor, und ein Kermit unter den Zuschauern. Fotos: Claudia Reicherter (4) / Uwe Keuerleber

Der 46-jährige Brite hat ganz offensichtlich Spaß, und das liegt am idyllischen Gelände, auf dem dieses Festival zum 17. Mal stattfindet, ebenso wie an der - trotz wie so oft beträchtlichen Alkoholkonsums vieler Open-Air-Besucher - ganz ungewöhnlich friedlichen und freundlichen Atmosphäre drumherum.

Und natürlich am schönen Wetter. Obwohl es an den Abenden an den Ufern des Tauberflusses im teilweise steil aufsteigenden Tal herbstlich kühl wird, bleibt es das ganze Wochenende über trocken und sonnig. Ideales Feierwetter also, und das überträgt sich offenbar auf Rossdales Vierer, der druckvoll das Beste gibt aus einem Repertoire zwischen dem 1996er Megahit "Swallowed", dem Beatles-Cover "Come Together" und der neuen Single "The Afterlife".

Ähnlich begeistert vom Ambiente zeigt sich tags darauf Social-Distortion-Urgestein Mike Ness. Der legendären PunknRoll-Band aus dem kalifornischen Orange County kommt die Aufgabe zu, die Festivalbesucher am Sonntagabend auf den letzten der drei hart rockenden Abende einzustimmen. Das tut der Mann, der die Band 1978 gründete, unterstützt von Bassist Brent Harding, Gitarrist Jonny Wickersham, Schlagzeuger David Hidalgo und einem Gast-Keyboarder, nicht nur gewohnt stilvoll im breiten Ausfallschritt mit tiefhängender Les-Paul-Gitarre, Gänsehautstimme und wunderbar melodiösen Krachern wie dem ebenfalls aus dem Jahr 1996 stammenden Stück "I Was Wrong", sondern auch überaus lässig, gesprächig und entspannt.

Mit Blick auf die mittelalterliche Skyline der beliebten Touristenstadt interessiert Mike Ness, wer dort oben in dem Turm wohne. Hat er etwa Interesse, will der kernigste Kerl seit Johnny Cash nach Bayern ziehen? Möglich wärs, schreibt der Werbe-Memorabilia-Sammler doch gerade auch an einem Buch - "eine Art Anleitung, wie man sein Leben besser nicht leben sollte" -, bittet die Fans um Titelvorschläge, und beendet das Set mit Cashs hart hingebrettertem "Ring of Fire".

Grob gesagt bewegt sich das Programm des Taubertal 2012 zwischen zwei Polen: melodiösem Indie-Pop-Rock, den am Freitag The Wombats und Placebo abdecken, am Samstag Madsen und Bush, am Sonntag die Emergenza-Gewinnerband aus Schweden, Hurricane Love. Mehr noch ist für die Fans krawalligeren Rocks geboten: Royal Republic, Broilers, H-Blockx, Boysetsfire, Heaven Shall Burn, The BossHoss mit Mariachi-Trompeten und Macho-Posen, und die wahren Mexikaner Panteón Rococó. Über allem steht die Berliner Multi-Kulti-Truppe Bonaparte mit ihrer herrlich tanzbaren Elektro-Punk-Freakshow - und auch Kraftklub begeistern in Rothenburg einfach alle.

Was will man mehr? Tanzen vielleicht? Das wollen auch die Beatsteaks, die den Sonntag, gefolgt nur noch von Zebrahead auf der kleineren Bühne, abrunden. "Jetzt brennt hier der Platz", kündigt Sänger Arnim Teutoburg-Weiß euphorisch an, der sich ebenfalls überschwänglich beim Taubertal-Publikum für die großartige Stimmung bedankt - und sich wie Rosssdale wieder und wieder auf der Suche nach Fannähe über den Fotograben hinwegsetzt.

14.08.2012 - 08:30 Uhr

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