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Liebe, Tod und Polka

Hiss unterhielt im Sudhaus nicht nur mit Musik

Seit mehr als zwölf Jahren zieht es die Stuttgarter Folkrock-Band Hiss jeden Sommer ins Sudhaus. Am Freitagabend begeisterte sie auf der Waldbühne mehr als 300 Zuhörer mit vielseitiger Musik und lockeren Sprüchen.

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Sascha Geldermann

Schon mit dem ersten Ton fangen die Zuschauer vor der Bühne zu tanzen an. Der mehr als zweistündige Auftritt beginnt mit dem Lied „Meine Braut ist die Straße“, das perfekt zu einer Band passt, die rund 90 Auftritte im Jahr hinlegt.

Stefan Hiss steht mit seiner Band seit 17 Jahren auf der Bühne. Am Freitag glänzte er mit Gesang, ... Stefan Hiss steht mit seiner Band seit 17 Jahren auf der Bühne. Am Freitag glänzte er mit Gesang, Akkordeonspiel und unterhaltsamen Sprüchen. Bild: Faden

Die fünf Musiker präsentieren sich, wie sie die Fans kennen: Bandleader Stefan Hiss schmettert fast ausschließlich deutsche Texte in das Mikrofon und strapaziert dabei sein Akkordeon aufs Äußerste. Michael Roth windet beim Spiel der Mundharmonika den ganzen Körper, Volker Schuh gönnt seinem Bass keine Verschnaufpause und Thomas Grollmus wechselt immer wieder zwischen Gitarre und Mandoline. Seit März gehört auch Bernd Öhlenschläger als neuer Schlagzeuger zu der Band, der so wirkt, als sei er schon die ganzen 17 Jahre mit an Bord.

Konzerte von Hiss sind für die Sprüche des Bandleaders bekannt. Der verkündete am Anfang: „Der Aufschwung ist da, die Drachme ist stabil, Ihre Renten sind sicher – wir können Champagner ordern, heute geht noch was.“ Oft drehen sich die Liedtexte um die Liebe – sei es nun zu Frauen oder zur Polka. Oder wie beim Song „Polkakönigin“ gleich um beides.

Vor dem Lied „Sehnsucht“ verkündet Stefan Hiss: „Vor zehn Jahren hätten wir so etwas gar nicht gespielt.“ Das wäre der Band zu weich gewesen. Doch heute besuche man Streichelzoos und lese sich gegenseitig aus Büchern von Rosamunde Pilcher vor. Dabei findet der Sänger in dem Lied klare Worte. „Sehnsucht, verpiss dich“, heißt es da.

Liedtexte über Tequila und den Tod

Der Bandleader fordert das Publikum zum Tanzen auf – und die Zuhörer leisten keinen Widerstand. Der Einladung zum Ausziehen folgt aber dann doch niemand. Und auch der Mann am Akkordeon will lieber nicht nackt spielen: „Wer weiß, was man sich bei solch einem Instrument alles einklemmt.“

Applaus gibt es immer wieder für die Mundharmonika-Soli von Michael Roth. Aber alle Musiker glänzen mit perfekter Instrumentbeherrschung. Der Bandleader würdigt die Mandoline von Thomas Grollmus: „Sie ist der beste Beweis dafür, dass aus so etwas Doofem wie Holz etwas Größeres werden kann.“

Nach rund anderthalb Stunden verabschieden sich die fünf Musiker von der Bühne, reichen sich theatralisch gegenseitig die Hände und gehen so davon, als ob sie nicht ganz genau wüssten, dass das Publikum sie noch für zwei weitere Zugaben zurückruft. Dann gibt es noch bekannte Stücke wie „Tequila zu hören: „Tequila – aus der Flasche, aus dem Glas / Tequila – besser noch ein ganzes Fass“, singt Stefan Hiss. Schon vorher sprach er davon, dass die Band oft Tipps zur Verkürzung des Lebens gebe. „Manchmal sehen wir im Publikum aber kaum noch Leben, das wir verkürzen könnten“, sagt der Bandleader, „aber heute geht‘s.“

Der Tod spielt in vielen Texten eine zentrale Rolle, sei es nun in „Zeugen des Verfalls“ oder in „Tanzt an meinem Grab!“. Auch im Werbeblock greift der Sänger das Thema humoristisch auf: „Sie können uns auch für Ihre Beerdigung buchen – am schönsten Tag im Leben sollte man schließlich nichts dem Zufall überlassen.“

„Ja, das Thema Tod wird nicht weniger“, sagt Stefan Hiss nach dem Konzert im TAGBLATT-Gespräch. Seit 17 Jahren ist die Band nun unterwegs. Die Latte liege heute deutlich höher als noch in der Anfangszeit. An Text und Melodie wird bis zur Perfektion gefeilt. „Und manchmal schreibe ich einen halben Song und merke dann, dass wir so einen in der Art schon haben“, sagt Hiss. Dann würde das Lied wieder ganz verworfen.

Das könnte auch der Grund dafür sein, dass das letzte Album von Hiss schon vier Jahre zurückliegt. Dazu kommt, dass die fünf Musiker viele Auftritte haben und ständig unterwegs sind. „Davon leben Bands schließlich viel mehr als von den CD-Verkäufen“, sagt Hiss. Allerdings sei ein neues Album in Vorbereitung. Die Aufnahmen beginnen wahrscheinlich Ende des Jahres.

Wo sich die Band in fünf Jahren sieht

Was die Band seit mehr als zwölf Jahren jeden Sommer zum Sudhaus bringe? „Die Aussicht auf Ruhm, Ehre und Kohle natürlich“, sagt der Bandleader. Im Laufe der Jahre hat sich die Zusammensetzung der Band leicht geändert. „Dabei beeinflusst jeder Wechsel auch ein bisschen unseren Stil“, sagt Hiss.

Der Sänger findet den Gedanken nicht erschreckend, auf die Bühne zu stehen, solange es möglich ist. Wo er die Band in weiteren 17 Jahren sehe? Da sei ein bisschen weit in der Zukunft. Und in fünf Jahren? Stefan Hiss antwortet: „Wenn es August ist, dann hier auf der Waldbühne des Sudhauses.“

13.08.2012 - 08:30 Uhr

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