Zwanzig Künstler huldigten am Freitagabend Johnny Cash im Sudhaus.
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"A tribute to Johnny Cash" im Sudhaus mit Dieter Thomas Kuhn.Sommer
Tübingen. Weshalb sollte man das Musikerleben von Johnny Cash, das so reich an Triumphen und Niederlagen ist, nur von einem Künstler darstellen lassen? Mehrere Musiker werden dem Facettenreichtum viel eher gerecht. Das sagten sich vermutlich auch die Organisatoren des Johnny-Cash-Projekts, das am Freitagabend in Tübingen sehr viele Zuhörer ins Sudhaus lockte.
"A tribute to Johnny Cash" im Sudhaus. Im Bild von links Rudie Blazer, Dieter Thomas Kuhn und ?.Sommer
Das letzte Tableau offenbarte dann erst, wie viele Musiker verschiedenster Genres einen Beitrag geleistet hatten: 20 Männer und Frauen, jung und alt, nahmen ihren Schlussapplaus entgegen.
"A tribute to Johnny Cash" im Sudhaus. Im Bild von links die Rapper Bozee, TimXtreme & TigerWutz, hinten Mitte Rudie Blazer.Sommer
Der Abend bot zwar, was man von einem Cash-Tribute erwarten kann: die großen Hits und das richtige Outfit, um die Illusion zu erzeugen, derjenige sei da, den man ja eigentlich nicht mehr erleben kann. Roland Baisch zum Beispiel stand im Anzug und mit Gitarre auf der Bühne und sang den Cash-Klassiker „Solitary Man“ mit etwas rauchigerer Stimme als das Original.
Eine Leinwand war an der Bühnenwand befestigt. Immer wieder sah man darauf Original-Filmaufnahmen von Cash-Konzerten, in denen er sein Publikum mit den legendären Worten begrüßt: „Hello, I’m Johnny Cash.“ Zum Ende wurde ein ganzes Konzert übertragen und von der siebenköpfigen Combo mit Musik punktgenau unterlegt. Schlagzeug, Kontrabass, Bariton- und E-Gitarre: Es war nicht wenig, was dem Zuhörer geboten wurde.
Doch man würde der Idee des Projekts nicht gerecht werden, bezeichnete man es bloß als gelungene Anstrengung, den großen US-amerikanischen Countrysänger zu imitieren. Vielmehr wurde die Legende rezipiert und neuinterpretiert. Johnny Cash goes Rap – das Trio bestehend aus Tim X-Treme, Bozee und Tiger Wutz rappte einen Song über einen Jungen, der von seinen Eltern auf den Namen Ute getauft wurde und deshalb sein Leben lang damit beschäftigt ist, sich Respekt zu verschaffen – also eine deutschsprachige Referenz auf Cashs Song „A boy named Sue“. Die aus Rio de Janeiro stammende Sängerin Raquel de Souza sang „Ghost Riders in the Sky“ auf Portugiesisch. Stefan Hiss tritt mit Akkordeon auf.
Mit Dieter Thomas Kuhn konnten die Projekt-Initiatoren auch einen Künstler gewinnen, der deutschlandweit bekannt ist. Gemeinsam mit Raquel de Souza sang er ein Duett wie einst Johnny Cash mit June Carter, der Frau seines Lebens. Und obwohl er ein Alphatier sei – so Kuhn – erklärte er sich bereit, bei einem Männerchor mitzumachen. Das Projekt „A Tribute to Johnny Cash“, das es seit September 2003 gibt und das durch ganz Deutschland tourt, setzt auf Vielseitigkeit und Überraschung. Während auf konventionellen Konzerten die Band die Bühne betritt, spielt und wieder geht, ist das Projekt eher mit einem Theaterstück zu vergleichen, in dem sich das Szenenbild ständig ändert und das Bühnenpersonal wechselt.
Dahinter stecken der Wille zur Zusammenarbeit und die Intention, dem oft Gehörten einen neuen Anstrich zu geben. Etwas mehr Ordnung hätte dem Abend allerdings nicht geschadet, die Reihenfolge der Auftritte wirkte dann doch recht willkürlich. Die Annahme, dass große Namen am besten ziehen, erweist sich auch für Johnny Cash als richtig. Im Sudhaus war am Freitag kein Platz mehr frei. Antonia Kurz