„The Grande Mothers Re: Invented“ im Tübinger Sudhaus
Die alten Zappa-Heuler gab's nicht umsonst
Mit Don Preston, Napoleon Murphy Brock und Tom Fowler standen am Samstagabend drei Musiker auf der Sudhaus-Bühne, die schon mit der Underground-Legende Frank Zappa gespielt haben.
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Napoleon Murphy Brock – Leadsänger und Saxofonist der „Mothers“ seit jeher – stand einst mit Frank Zappa auf der Bühne. Bild: Faden
Zu Recht also fordern „The Grande Mothers Re: Invented“ ein, mehr zu sein als eine Coverband. Doch die Band und ihr Tübinger Publikum waren nicht immer einer Meinung. Für Künstler – ob nun Autoren, Schauspieler oder Musiker – sind ihre größten Erfolge und Hits immer Fluch und Segen zugleich.
Segen, weil diese Höhepunkte unbedingte Voraussetzung für eine Karriere sind. Fluch, weil sie wenig Raum für anderes lassen. Während manche Großväter unbeirrt vor den Urenkeln ihre Geschichten aus dem Krieg zum Besten geben, verhält es sich bei gereiften Musiker zuweilen andersherum: Bloß nicht schon wieder die alten Hits spielen müssen!
Napoleon Murphy Brock – US-amerikanischer Leadsänger und Saxofonist der „Grande Mothers Re: Invented“ – stellte am Samstagabend im Tübinger Sudhaus sogar eine Bedingung: Wer einen Song von Frank Zappa nach seiner Wahl hören wolle, müsse ihm zehn finnische Mark in einem Umschlag überreichen. Und er lockte die Besucher recht clever damit, dass er sicher beim nächsten Konzert den Favoriten spielen würde. Einschmeicheln beim Publikum sieht anders aus. Natürlich hatte kein Zuhörer einen Umschlag mit zehn finnischen Mark parat. Da konnte man noch so laut den Titel seines Lieblingssongs Richtung Bühne rufen. Insgesamt zwei Stunden dauerte das gut besuchte Konzert, wenig überraschend waren vor allem ältere Männer im Publikum. Frank Zappas Musik wurde ab 1966 einem breiteren Publikum bekannt.
Kein Wunschkonzert also, aber immerhin tröstete Brock sein Publikum damit, dass nur die Grande Mothers das Erbe des 1993 verstorbenen Sängers Komponisten und Allround-Künstlers würdevoll weiterführen würden. „Wir bewahren die Integrität und Qualität von Frank Zappas Musik“, sagte Brock. Das war nicht von der Hand zu weisen. In den Song „Son of Orange Country“ waren zwei vortreffliche E-Gitarren-Solos (Tom Fowler und Robbie Mangano) integriert, Brock spazierte mit seinem Saxofon auf der Sudhaus-Bühne herum. Das Alter aber fordert seinen Tribut. Die Pausen zwischen den Songs fragmentierten den Abend, das schwarze Hemd von Napoleon Murphy Brock war schon vor der Pause schweißnass, was den Sänger veranlasste, das Handtuch gleich mal in die Performance zu integrieren und es im Takt der Musik hin- und herzuschleudern. Wenig Gesang, viel Akustik und Zappas berühmte dadaistisch-absurde Klangspiele prägten das Programm an diesem Abend.
Die derzeitige Besetzung der Band „The Grande Mothers Re: Invented“, die durch Europa und die USA touren, ist das Ergebnis von mehreren Metamorphosen und Namensänderungen. Sie geht aus der Gruppe „The Grand Mothers“ hervor, die 1980 ins Leben gerufen wurde. Von den einstigen Gründungsmitgliedern und der ursprünglichen Besetzung saß am Samstag noch Don Preston am Keyboard, Tom Fowler spielte Bass und Violine. Die Grande Mothers spielen neben den Zappa-Songs auch eigene Kompositionen. Die Bandgeschichte und die Diskografie sind mittlerweile recht unübersichtlich geworden.
Don Preston wiederum war schon bei den „Mothers of Invention“ dabei, die über einen Zeitraum von zehn Jahren bestanden und mit Frank Zappa auf Tour gingen. Eine Zeit lang aber war auch schon Napoleon Murphy Brock von der Partie und erzählte dem Sudhaus-Publikum auch von seiner ersten Begegnung mit Frank Zappa. Er sei in den 1970ern für eine Studioaufnahme auf Hawaii gewesen, so Brock, Zappa kam auf ihn zu und sagte ihm, dass er nun der neue Vokalist sei. „Wie bitte? Wer bist du überhaupt“, habe Brock damals geantwortet. Zappas lapidare Ansage führte dann aber doch in eine Zusammenarbeit. Das Tübinger Publikum liebte solche Anekdoten. Antonia Kurz