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Rampensau mit großen Pfoten

Die Nachwuchs-Rapper Cro und Ahzumjot im franz. K

Reutlingen. Pandas sind anders. Im Gegensatz zu ihren fleischfressenden Cousins tun sie für gewöhnlich niemandem etwas zuleide, sie wirken nett und kuschlig und sind Vegetarier. Trotzdem wirkte es wie selbstverständlich, als sich am Samstag im Reutlinger franz.

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Cro im Reutlinger Kulturzentrum franz. K Bild: Haas Cro im Reutlinger Kulturzentrum franz. K Bild: Haas

K ein besonders scheues Exemplar daran machte, 700 Hip-Hop-Fans zu vernaschen: Cro.

Cro, das ist zunächst einmal ein schmächtiger, angeblich 19-Jähriger aus dem Stuttgarter Raum mit hängenden Jeans, blitzeweißen Sneakern und einem unscheinbaren Kapuzenpullover, einer fast hellen, freundlichen Stimme und einem zarten Gesicht. Zumindest gilt das für das untere Drittel, den Teil, den man unter der Maske erkennt.

Im Gegensatz zum Berliner-Aggro-Rapper und Jugendschutz-Problembär Sido ist das allerdings kein stählerner Totenkopf, sondern eine Panda-Maske. Wie gesagt, die nette Variante, auch wenn die Narbe auf der Maske und die harte Gesichtsführung zumindest ein Spur Unbehagen verbreitet. Warum er die Maske trägt, weiß keiner so genau. Unbestätigten Gerüchten zufolge wollte er anfangs ganz einfach nicht erkannt werden: nebenbei arbeitet er noch als Modedesigner und als Zeitungskarikaturist.

Wer auch immer er ist, geboren wurde er jedenfalls im Internet, und in der knappen Konzertstunde im franz. K zeigt er, warum die Stücke des bis vor ein paar Monaten noch völlig unbekannten Durcacell-Bärchens auf Youtube mittlerweile mehrmillionenfach aufgerufen wurden und warum ihn der Hamburger Rapper Jan-Delay auf seinem Facebook-Profil als „die Zukunft von Deutsch-Rap“ auslobte: Gesang und Sprachgesang, Hip-Hop-Beats und Indiepop-Gitarrenriffs gleiten mühelos ineinander über, die bei allen melancholischen Nadelstichen fröhliche Mischung aus aus Rap und Pop – Cro: „Raop“– klingt so selbstverständlich und stimmig, dass man die Grenzen gar nicht hört. Ein gutes Zeichen. Und so selten wie ein Pandabär, hier entsteht vielleicht wirklich etwas Neues. Die Texte drehen sich um das Suchen Heranwachsender nach der großen und kleinen Liebe und einem Platz in dieser Welt, bei der Sie zwischen Anpassungsdruck und Freiheitsstreben hin und her hippen und hoppen. Den Nerv der durchschnittlich etwa 20-Jährigen trifft Cro jedenfalls bärfekt.

In dieser Welt ist auch das Gros der Texte von Ahzumjot angesiedelt, der mit einem Rapperfreund von der Hamburger Hip-Hop-Combo Eou eine deutlich kompromisslosere und Rap-puristischere Gangart einschlägt als der stilistisch vielseitiger arbeitende Cro. Doch auch dieses das Power-Duo hat die armwippende, nackenschwingende Meute schon vom ersten Beat an im Griff und wird noch von sich hören lassen. Das gilt erst recht für Cro: schnell bekommt man das sehr bestimmte Gefühl, dass dieses verspielte Kerlchen mit Tiefgang und Rampensau-Qualitäten fette Perspektiven hat: Das Junge hat große Pfoten. Martin Tröster

06.02.2012 - 07:30 Uhr | geändert: 06.02.2012 - 07:43 Uhr

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