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Ein Hauch von Genesis

Das Gefühl, auf einem Rockkonzert zu sein

Reutlingen. Ray Wilson und das Berlin Ensemble kombinieren die Welthits von Genesis mit Streicharrangements. „Genesis Klassik. Pop meets symphony“ – der ehemalige Genesis-Sänger Wilson bemühte sich am Samstag, das Publikum in der randvollen Listhalle mitzureißen – was ihm umso besser gelang, je länger das Konzert dauerte.

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Nils Handler
Pop meets symphony: Der ehemalige Genesis-Sänger Ray Wilson und das Berlin Symphony Ensemble in ... Pop meets symphony: Der ehemalige Genesis-Sänger Ray Wilson und das Berlin Symphony Ensemble in der Listhalle. Bild:Haas

In T-Shirt und Lederjacke steht er auf der Bühne, und singt „Calling in the air tonight“ von Phil Collins. Spielt die Luftgitarre, schmeißt sich auf die Knie, versucht, den Leuten einzuheizen. Bei jedem Refrain fordert er die Zuschauer auf, mitzusingen.

Die lichtstarken Scheinwerfer leuchten ins Publikum,  doch mehr als ein „Hold on“ von dreien des Refrains kann er ihnen nicht entlocken. Wilsons Kommentar nach dem Lied: „Leute, wir brauchen mehr Jägermeister hier im Saal!“ Die Bühne ist zweigeteilt: Rechts von Wilson stehen Bassist, Schlagzeuger, und ein weiterer E-Gitarrist, links ein Pianist und vier Geigenspielerinnen.

Halb Rock, halb Klassik. Doch die Seiten finden nicht richtig zusammen, Wilsons Lederjacke und die biederen Kostüme der Geigenspielerinnen haben bis auf die schwarze Farbe nichts gemein. Es scheint, als versuche Wilson, sich seinem Publikum anzupassen, wagt den Spagat zwischen Rock und Klassik, doch wirkt alles ein wenig beliebig.

Er kontrolliert seine spontanen Rocker-Gesten, greift sich in den Schritt, aber nur kurz. Stets tanzen einige Fans neben den Stuhlreihen, doch der Großteil des Publikums wippt lediglich ein wenig auf den Sesseln hin und her. Einen Stage-dive würde Wilson sicher nicht wagen. Zwischen den Genesis-Liedern spielt er auch mehrere eigene Kompositionen, so etwa „Shipwrecked“ und „Change“, erntet Applaus, aber so richtig laut wird es dann doch erst wieder bei den Genesis-Hits. Bei „No son of mine“ wird kräftig mitgeklatscht, ebenso bei „Follow you, follow me“, den Wilson als wichtigsten Genesis-Song deklariert,  zumal nach diesem Lied auch immer mehr Frauen zu den Konzerten gekommen seien. Bei „Land of Confusion“ formiert sich in den hinteren Reihen eine Zuschauergruppe, die fortan frenetisch applaudiert.

Nach Ende des Konzerts steht der halbe Saal und fordert eine Zugabe – mit Erfolg. Kurz darauf surren die harten Gitarrenriffs von „I can‘t dance“ durch den Saal, vermengen sich mit den Keyboardakkorden und dem tosenden Beifall. Jetzt am Schluss hat man doch noch das Gefühl, auf einem Rock-Konzert gelandet zu sein.

02.11.2010 - 08:30 Uhr

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