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Aus einem Studentenclub wurde der Reutlinger Jazzclub „In der Mitte“

50 Jahre bewegte Musikgeschichte

Ein halbes Jahrhundert Jazz in Reutlingen: So lange macht es die „Mitte“ anderen Jazzclubs vor, wie man mit einem abwechslungsreichen Programm hohe Swing-Qualität bietet. Als Jubiläums-Highlight richtet er vom 16. März bis 29. April das Landesjazzfestival aus.

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50 Jahre – und noch kein bisschen leise: Der Reutlinger Jazzclub in der Mitte . Bilder: Spieß 50 Jahre – und noch kein bisschen leise: Der Reutlinger Jazzclub in der Mitte . Bilder: Spieß

Reutlingen. Die „Mitte“, das war und ist noch immer ein kleines Mysterium in der Kulturszene der Stadt. Ein Jazzclub, der schon öfter kurz vor dem Ende stand, sich aber immer wieder aufrappelte: Etwa in den 1970er-Jahren, als sich ein Vorsitzender als Maulwurf des Verfassungsschutzes entpuppte, oder ein gutes Jahrzehnt später, als der Club von zwei verschiedenen Vorständen beinahe in den Konkurs getrieben wurde.

Programmchef Clemens Wittel Programmchef Clemens Wittel

Das kleine Mysterium hatte in den letzten 50 Jahren viele Namen, doch angefangen hat alles mit der Gründung des „Studentenclubs Reutlingen e.V.“ im Jahr 1962. Der Club ist als Erweiterung des Freundeskreises um den Bildhauer und Jazzfan Hajo Pfingsten hervorgegangen. Man traf sich im ersten Domizil des Clubs in der Museumsstraße oder auch in der ehemaligen Weinschenke Pablo Just in der Wilhelmstraße 98 zu Jazz, Autorenlesungen, Film- und Theateraufführungen und Diskussionen.

Doch die 1960er-Jahre waren von oft gescheiterten Experimenten, chronischen Finanzproblemen und der Konkurrenz zur aufkommenden Beatmusik geprägt, so dass am Ende von drei Reutlinger Jazzkellern – dem WOS-Keller in der alten Wirtschaftsoberschule, einem Keller in der Ringelbachstraße und die „Mitte“ in der Museumsstraße – nur einer übrig blieb.

Auch Mangelsdorff war da

Davon ließen sich die Idealisten des Studentenclubs jedoch nicht unterkriegen: Altlasten wurden aufgeräumt, 1963 folgte die Eintragung ins Vereinsregister, und das Programm wurde zusehends anspruchsvoller. 1973 dann der Umzug des Clubs in die Gartenstraße, beim Einweihungsfest war damals auch Oberbürgermeister Manfred Oechsle als Ehrengast dabei.

Enthusiasmus, gewürzt mit einer Prise selbstbewusstem Idealismus machten den Club Mitte der 1970er-Jahre zum zweiten Zuhause für die Szene und bis über Stuttgart hinaus bekannt. Hier kümmerte man sich um die Künstler, die sich oft nur in der Welt der Töne zurechtfanden und vom Alltag überfordert waren. Aber auch damals schon bekannte Musiker wie Wolfgang Dauner, Ray Brown, Gunter Hampel und Albert Mangelsdorff standen auf der kleinen „Mitte“-Bühne.

Vor und hinter dem Tresen, vor und nach den Konzerten traf sich die Szene, fachsimpelte, heckte neue Formationen aus, oder man traf sich bei den damals überaus beliebten „Happenings“, „bei denen nicht nur Jazzmusik gemacht wurde, sondern auch schon mal ein altes Klavier zertrümmert wurde“, erinnert sich Clemens Wittel. Da wurde auch Musikgeschichte gemacht – wenn auch nur im Kleinen – und viele Lebensgeschichten wurden umgeschrieben.

1980 bekam der 1839 gebaute Keller mit Jazzclub „In der Mitte“ einen neuen Namen. Sieben Jahre zuvor hatte die Stadt grünes Licht für den Ausbau des heutigen Kellers in der Gartenstraße 36 gegeben, in dem der „Studentenclub“ seine Veranstaltungen durchführte: 1973, 1974 und 1975 etwa das „Reutlinger Oldtime Festival“, 1982 (zum 20-jährigen Bestehen) der „Jazzbandball“, 1987 zum 25-jährigen und 1998 zum (etwas verspäteten) 35-jährigen Bestehen verschiedene Großveranstaltungen auch außerhalb des Kellers.

1998 kam zum Jubiläum die erstmalige Ausrichtung des Landesjazzfestivals hinzu, das „durchweg großen Anklang fand“, so der erste Vorsitzende Clemens Wittel. Auch die 2000 gestartete Reihe „Jazzfrühling“ mit Musikern der internationalen Jazzszene darf als besondere Leistung des Clubs hervorgehoben werden. Und natürlich das unermüdliche Engagement vieler Ehrenamtlicher und Mitglieder, von denen Wittel mit über 40 Jahren am längsten dabei ist.

„Eigentlich wollte ich es gar nicht so lange machen“, meint der seit 27 Jahren für das Programm zuständige Pianist und erste Vorstand zu seinem Engagement, „doch so kann es gehen, wenn man sich mit einem Verein voll und ganz identifiziert.“ Jürgen Spieß

Das 25. Landesjazzfestival wird vom Jazzclub zwischen dem 16. März und 29. April weitgehend allein organisiert. Zusammen mit dem Reutlinger franz.K werden einige Konzerte gemeinsam veranstaltet.

22.02.2012 - 08:30 Uhr

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