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Alle Viertelstunden im 22-Minuten-Sprint

Zweckverband Schönbuchbahn will Zugstrecke schneller machen

Schneller soll sie werden und öfter soll sie fahren: In die Schönbuchbahn soll mächtig Dampf kommen. Im Zug der modernen Zeit sogar mit Elektroantrieb.

WOLFGANG ALBERS
Die Schönbuchbahn am Dettenhäuser Bahnhof: Wird die Zugverbindung von der Endstation im ... Die Schönbuchbahn am Dettenhäuser Bahnhof: Wird die Zugverbindung von der Endstation im Schönbuch via Böblingen nach Stuttgart künftig noch flotter?

Dettenhausen/Böblingen. Ein bisschen war es wie Weihnachten, wenn die Jungs ihre Eisenbahn aufbauen: Hier noch einen zweiten Bahnsteig hin, dort Signale, da ein zweites Gleis dran, eine elektrische Oberleitung drüber – und eine neue Lok ist auch im Spiel.

Die Schönbuchbahn am Dettenhäuser Bahnhof: Wird die Zugverbindung von der Endstation im ... Die Schönbuchbahn am Dettenhäuser Bahnhof: Wird die Zugverbindung von der Endstation im Schönbuch via Böblingen nach Stuttgart künftig noch flotter?

Das soll alles Realität werden auf der Schönbuchbahn. So zukunftsoptimistisch schmiedete gestern im Böblinger Landratsamt die Versammlung des Zweckverbands Schönbuchbahn Pläne, in einer Stimmung, die ihr Vorsitzender, Landrat Roland Bernhard, mit „Euphorie“ beschrieb. Und er gab die Parole aus: „Wir sind wild entschlossen, die Schönbuchbahn attraktiver zu machen.“

Muss man ja auch. Derzeit fühlen sich zum Beispiel morgens um halb acht nur noch Sardinen heimisch in der Bahn: 383 Mitfahrer drängen sich in einem Zug, der 228 Sitzplätze hat. Was eigentlich eine Erfolgsmeldung ist: Die Bahn, 1996 mit der Prognose von 2600 täglichen Fahrgästen wiederbelebt, transportiert inzwischen täglich gut 8000.

Und es werden noch mehr werden. Die Einwohner-Statistiker sagen für die Orte entlang der Schiene überdurchschnittlichen Zuwachs voraus, zudem wird von 2011 an eine neue S-Bahn noch mehr Fahrgäste auf die Schiene locken. Und wenn dann noch Stuttgart 21 kommt, sehen die Prognostiker die Schönbuchbahn bei fast 10 000 Mitfahrenden täglich. Das hieße dann, dass sich in den 228-Plätze-Zug 474 Transportwillige quetschen.

Auf japanische Zustände hat die Verbandsversammlung keine Lust. Sie hat ein Ingenieurbüro einen Ausbau untersuchen lassen, vier Planer stellten nun Ergebnisse vor. Klar ist: Die Schönbuchbahn muss häufiger fahren, im Viertelstundentakt. Das hat auch schon der Verkehrsverbund VVS vorgeschlagen. Allerdings weiterhin mit der eingleisigen Strecke. In einigen Bahnhöfen müssten dann die Züge ausweichen. Diese Variante verlängert aber die Bahnfahrt um sechs Minuten. Eine Attraktivitätssteigerung ist das nicht.

Die Schönbuchbahn-Macher favorisieren ein anderes Konzept: auch einen 15-Minuten-Takt, aber mit Hilfe eines zweiten Gleises zwischen Böblingen Hauptbahnhof und Danziger Straße sowie zwischen Zimmerschlag und Holzgerlingen-Nord. Klar ist zudem: Die Strecke soll elektrifiziert werden. In die politischen Debatten um das Projekt möchte Böblingens OB Alexander Vogelgsang ökologisch unbelastet gehen: „Auf zwei Gleisen mit Diesel rumzufahren bringt nur Ärger.“

Eine „Euphoriebremse“ (Roland Bernhard) bekam die Versammlung schon präsentiert: die Kosten. Das Bauen allein kostet 33,6 Millionen Euro. Immerhin übernimmt das Land davon bis zu 75 Prozent.

Dazu kommen noch neue Züge für 40 Millionen Euro. Und für solche Anschaffungen hat das Land die Zuschüsse ausgesetzt. Für Holzgerlingens Bürgermeister Wilfried Dölker ein Unding: „Eine unsägliche Entscheidung. Ohne Förderung erwürgt man uns.“ Seine Forderung: „Nicht nachgeben, penetrant darauf rumreiten, dass das so nicht sein kann: Da stimmt das System in Baden-Württemberg nicht.“

Alle Kosten gelten für einen Viertelstundentakt bis Holzgerlingen. Die Gutachter versprechen sich nichts davon, ihn bis Dettenhausen auszudehnen. Aber das hängt ja auch von den politischen Wünschen aus dem Landkreis Tübingen ab. Für diese Diskussion sollen die Gutachter noch die genauen Kosten für die Variante Dettenhausen ausrechnen.

Die müssen sich flott an die Arbeit machen. Die Verbandsversammlung will die Züge im Jahr 2015 rollen lassen. Bis dahin ist jede Woche schon akribisch verplant mit all den vielen Zwischenstationen von den Genehmigungsverfahren über die politische Entscheidung bis zur 500-tägigen Bauzeit von Juni 2013 bis Ende Mai 2015.

Jetzt muss erst einmal das Innenministerium überzeugt werden, dass das Projekt das Geld des Landes verdient. „Dort werden wir jetzt mit der Standi einlaufen“, kündigte Roland Bernhard das Vorstellen der so genannten „Standarisierten Bewertung“ an. Behutsam diplomatisch, wehrte er Wilfried Dölkers forschere Töne ab. So werde man Erfolg haben, hofft er in Sachen Zuschüsse: „Ich bin zuversichtlich, dass wir den Weg durch das Tor der Förderung finden.“

Wolfgang Lahl, der Bürgermeister aus Weil, freut sich schon mal auf die Bahn: „22 Minuten sind ein sehr attraktives Angebot. Mit dem Auto schafft man es nicht so schnell.“

19.11.2009 - 08:30 Uhr
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