Die Nehrener wünschen sich eine Lösung, damit der Zirkus Nehrondo doch fortbestehen kann. Wir haben uns am Flecken umgehört.
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Jürgen Jonas
Nehrondo füllt bei seinen Auftritten das Zirkuszelt – hier im Sommer 2007. Archivbild: Franke
Nehren. Gut, der große chinesische Staatszirkus ist doch eine Ecke bekannter. Es gibt Menschen, die sagen: „Nee, ich hab noch nix von dem Zirkus gehört.“ Kunden im Supermarkt zum Beispiel, von außerhalb. Sie waren bisher nicht zu Gast bei den Vorführungen der Nehrondo-Kinder unterm Zirkuszelt auf dem Gelände zwischen Ski-Nill und der Firma Keller am Rand der Landstraße 384. Andere haben ihn zur Kenntnis genommen. „Der soll ja so toll sein“, aber keine Lust sich zu äußern oder „zu wenig Einblick in die Materie“.
Im November hatte sich Gudrun Märkle, wie berichtet, entschieden, als Zirkuschefin auszusteigen, nachdem sich in der Auseinandersetzung um die Belegungszeiten in der Turnhalle keine Einigung abgezeichnet hatte. Die intensive Trainingsarbeit für Einradfahrer, Diabolo-Spieler, Jongleure, Kugelläufer oder Rope-Skipper war, so sah es der Förderverein für Kinder und Jugendbildungsarbeit, mit dem zugestandenen Zeitkontingent nicht zu leisten. Jetzt bieten einzelne Trainer nur noch „Bausteine“ an.
Im Dorf wird weiter diskutiert, vor allem, wie es mit der Arbeit des Zirkus weitergehen könnte. Auch die Leserbriefe im TAGBLATT haben dazu beigetragen. „Es müsste in einem Gemeinwesen möglich sein, sich zu einigen“, so heißt es. Für Elfriede Schwille, Rektorin der Kirschenfeldschule, ist der Zirkus Kooperationspartner, so wie der Obst- und Gartenbauverein, der Tennisverein und natürlich auch der Sportverein. „Mit Frau Märkle habe ich ein Gespräch vereinbart, ob und wie die Zusammenarbeit noch intensiviert werden kann.“ Und „mit der Raumerweiterung ergeben sich sicherlich Möglichkeiten, das Angebot, das wir sehr schätzen, stärker in den Schulbetrieb einzubeziehen.“ Ihr und dem Kollegium geht es um „ein Miteinander im Sinne der Kinder“.
Dabei wollen die meisten nicht einer Seite den Vorzug geben, „hier Sportverein und da Zirkus, das wäre zu einfach.“ Auch Barbara Dieter, Mutter dreier Kinder, möchte sich nicht auf eine Seite stellen. „Die eine Partei sagt, sie bekommt zu wenig Zeit, die andere meint, es wird zu viel verlangt.“ Fest steht für sie: „Solche Art von Arbeit mit Kindern, wie sie der Zirkus betreibt, müsste eine Gemeinde eigentlich auf ein Samtkissen legen.“ Das „kostbare Engagement sollte nicht einfach beendet werden. Es wäre schön, wenn Lösungen für den Interessenkonflikt gefunden werden könnten.“
Dieser Meinung ist auch Sibylle Hoffmann-Seitz, die seit fünf Jahren in Nehren wohnt. Ihre Tochter Laura war ein Jahr im Zirkus aktiv dabei, als Einradfahrerin und beim Poi-Swingen. Laura hat auch mit großer Begeisterung die Zirkusvorführung mitgestaltet. „Dass es mit dem Zirkus weitergeht, wäre mir ein großes Anliegen, weil ich das Gefühl habe, dass meine Tochter sich sehr wohl gefühlt und viel gelernt hat.“ Die Verantwortlichen sollten sich deshalb „konstruktiv noch einmal der Frage Zeitzuteilung widmen“.
Nici Dupé, ebenfalls Mutter eines Zirkusmädchens, hat in Sachen Nehrondo einen Brief initiiert, der, von etlichen Familien unterschrieben, im Gemeindeboten erschien. Vom „Riesenspaß der Artisten“ bei den verschiedenen Disziplinen war da die Rede, auch von der Zusammenarbeit zwischen Kindern und Jugendlichen aller Altersgruppen, die den Älteren Verantwortung auferlege und den Jüngeren Vorbilder schaffe. Dupé will mit anderen Eltern erneut an die Gemeindeverwaltung herantreten, „auch die Gemeinderäte werden von uns noch einmal angeschrieben“. Das Forum der Bürgerfragestunde soll ebenfalls genutzt werden, um ihre Position deutlich zu machen: „Wir wollen nicht, dass die Zirkus-Sache im Sand verläuft“.