Sturmgewehre im Keller, Handgranaten im Kofferraum: Dafür muss ein Waffensammler nun in Haft. Vor Gericht erschien er in Badeschlappen.
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ULRICH WILLENBERG
Mannheim Das Mannheimer Landgericht hat einen skurrilen Waffensammler zu drei Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt. Verteidiger Karlheinz Schnell bezeichnete den 53-Jährigen als "Waffenfetischisten". Der Österreicher war im März auf der Nürnberger Waffenmesse verhaftet worden. Dort führte er zwei Splitterhandgranaten mit 3000 Stahlkugeln und eine halbautomatische Pistole mit sich. Zudem hatte er im Keller seiner Mutter in Mannheim mehrere alte Schusswaffen gelagert, darunter auch ein Kalaschnikow-Maschinengewehr. Alle Waffen waren funktionsfähig. Fünf Maschinenpistolen hatte er zudem einem Mannheimer Dealer überlassen. Der Angeklagte, der mit Badeschlappen vor Gericht erschien, gab sich gut gelaunt und zeigte Pressefotografen das Victory-Zeichen.
Er habe sich schon als Kind zu Waffen hingezogen gefühlt, sagte der Mann mit dem langen Rauschebart vor Gericht. Andere Menschen hätten Hunde oder Kinder, er interessiere sich für Waffen. Die Beweislage war klar, der Prozess kurz: Die Strafkammer befand den Mann wegen Verstößen gegen das Waffen- und das Kriegswaffenkontrollgesetz für schuldig. Der Vorsitzende Richter Rolf Glenz sprach von einer "maßvollen Strafe".
Der 53-Jährige wird nach Verbüßung eines Teils seiner Strafe nach Österreich ausgeliefert. Dort war er erst vergangenes Jahr eingebürgert worden, nachdem er zuvor jahrzehntelang in Mannheim gelebt hatte. "Die Urkunde hat Jörg Haider unterschrieben", sagte er gestern.
In der Alpenrepublik erwarten den Neubürger indes weitere Verfahren. Nach einem Tipp der deutschen Polizei wurden im März 2009 drei Anwesen des Mannes in Kärnten durchsucht. Die Polizei entdeckte ein Arsenal von rund 600 Waffen. Für den größten Teil hat der Mann keine Genehmigung. Nach Österreich sei er vor Jahren gezogen, um in Ferlach eine Lehre als Büchsenmacher zu absolvieren. "Die waren froh über jeden", sagte der Angeklagte gestern. Auch liberalere Waffengesetze kamen offenbar seiner Leidenschaft entgegen. Die Haft mache ihm nichts aus. "Mir fehlt nichts, ich habe ein Dach über dem Kopf und bin gewohnt, allein zu sein", versichert der 53-Jährige. Nach seiner Verhaftung hatte die Polizei einen Brief gefunden, in dem er seinen Selbstmord ankündigte.