Wenn man ältere Dußlinger auf das Ölschieferwerk auf dem Höhnisch anspricht, spürt man weniger Verdrängung als vielmehr Mitleid mit den Zwangsarbeitern, die dort unter unmenschlichen Bedingungen geschunden wurden. Das hängt vielleicht damit zusammen, dass die örtliche Bevölkerung kaum in den Aufbau des Werks eingebunden war, die Wachmannschaften von außen kamen und von den meisten Dußlingern als „Besatzer“ empfunden wurden.
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So gab es in Dußlingen kaum Widerstände gegen die Aufnahme dieses besonders heiklen Kapitels ins Heimatbuch 1988 und in spätere Publikationen des Kreisarchivs. Dennoch ist die Geschichte vor Ort nicht umfassend aufgearbeitet und dokumentiert worden.
Es gibt eine Geschichtspfad-Tafel im Neubaugebiet auf dem Höhnisch; Zehntklässler des Karl-von-Frisch-Gymnasiums recherchierten 2004 die Auswirkungen des „Unternehmens Wüste“ vor Ort in einem Projekt. Doch während in Bisingen und Hailfingen engagierte Einzelpersonen den Verästelungen der Geschichte des KZs Natzweiler-Struthof nachgingen und lokale Dokumentationszentren aufbauten, in denen man sich heute wissenschaftlich fundiert informieren kann, gibt es bis heute in Dußlingen nichts dergleichen.
Das ist schade. Und eigentlich kommt der Antrag der SPD, nun eine solche Gedenkstätte zu schaffen, auch fast zu spät. Denn viele Zeitzeugen sind schon gestorben, und die Chancen schwinden, anschauliche Berichte von den Umständen zu gewinnen, unter denen die Zwangsarbeiter einst litten. So ist nicht hoch genug einzuschätzen, dass sich der Dußlinger Gemeinderat nun ohne lange Diskussion dazu durchgerungen hat, das Thema aktiv anzupacken.
Viel Vorarbeit ist auch schon geleistet. Über das „Unternehmen Wüste“ gibt es eine vorzügliche wissenschaftliche Untersuchung von Christine Glauning, und im Kreisarchiv sowie im Ortsarchiv Dußlingen sind jede Menge Akten dazu vorhanden. Mit Renate Schelling gibt es zudem eine historisch interessierte und sachkundige Gemeinderätin, und auch Kreisarchivar Wolfgang Sannwald könnte etwas zu der Gedenkstätte in Dußlingen beisteuern. Was noch fehlt, ist ein Kreis interessierter Bürger/innen, der bereit ist, sich für dieses Thema zu engagieren.