Laientheater im "Ochsen"
Todesfall beim Abendessen
Die Jettenburger Laienschauspieltruppe „Mordsteam“ feierte am Freitagabend Premiere mit ihrem Krimistückchen „Liebe lieber ungefährlich.“ Die Zuschauer dürfen als „Hilfssheriffs“ ermitteln.
Jessica Kneissler
Dimi (rechts vorne) und der Wirt trinken Ouzo, Kommissar Hellström ermittelt – und das Publikum ist mittendrin. Bild: Groebe
Jettenburg. „Mit dem Erwerb Ihres Tickets haben Sie die Lizenz zum Raten“: So steht es auf der Homepage des „Mordsteams“. Der Name ist Programm: Schon zum zweiten Mal galt es im Gasthaus Ochsen die Motive und Hintergründe eines ominösen Todesfalls zu entwirren.
Zu den Charakteren gehören außer der schillernden, bald toten Irene Tellbach: der gehörnte Ehemann, die abgedrehte Esoterikerin, die taffe Seniorchefin, der skrupellose Banker, die geheimnisvolle Bulgarin und der griechische Adonis, auch genannt Dimi „die Harpune“. Und natürlich der stark schwäbelnde Kommissar Magnus Hellström – übrigens auch im echten Leben Polizist –, der durch den Abend führt und die Gäste als mögliche Zeugen ins Visier nimmt.
Die Erstaufführung am Freitagabend war schnell ausverkauft. Das lag nicht nur am reichhaltigen Buffet, das sich hier wunderbar mit Zuschauen und Rätselraten kombinieren lässt: „Wir haben hier schon einen richtigen Fanclub“, sagt Thorsten Wälde, zuständig für den Bühnenaufbau. Seine Frau Tina Wälde spielt die „geheimnisvolle Bulgarin“ und ist die treibende Kraft hinter den Kulissen.
Die Geschichte der Jettenburger Laienschauspieltruppe beginnt mit einem Gag bei einer Hochzeitsfeier. Der kam so gut an, dass die Beteiligten daraus ein Hobby machten: Anfang 2008 stand das Mordsteam mit seinem ersten Stück auf der „Bühne“ des Landgasthofs Ochsen – also fast zum Anfassen, mitten im rustikalen Gastraum.
Inzwischen sind die Mitglieder mit Feuereifer dabei: An ihrem neuen, selbstgeschriebenen Stück arbeiteten sie schon seit Anfang diesen Jahres. „Uns ging die Düse“, gibt Thorsten Wälde zu. Das Lampenfieber komme mit dem Erfolg, meint er. Vor allem aber geht‘s hier um eins: Den Spaß dabei, und den teilen sich nicht nur Schauspieler und Publikum, sondern auch die Belegschaft des Gasthofs Ochsen: Der Wirt höchstpersönlich durfte in seiner Eigenschaft als „schwäbischer Grieche“ eine kleine Rolle übernehmen und Dimi einen Ouzo ausschenken.
Die Kombination aus Theater, Detektivarbeit und kulinarischem Vergnügen hat ihren ganz eigenen Charme. Am Ende müssen die Tische selbst Teams bilden und anhand von Hinweisen – darunter Fotos, Artikel, Ermittlungsergebnisse – den Fall rekonstruieren. Eifrig wird diskutiert und verhandelt, selbst das Dessert gerät dabei in Vergessenheit: „Ganz schön knifflig“, murmelt ein Gast und versucht, die Verwandtschaftsverhältnisse nochmals zu rekonstruieren.
Wie es zur Katastrophe kam, wird in Rückblenden am Ende nochmal vorgespielt. Wer die richtige Spur verfolgt hat, kann sogar etwas gewinnen und darf sich als Meisterdetektiv auf Schulter klopfen. Weitere Aufführungen finden statt am 13. und 14. November um 20 Uhr im Landgasthof Ochsen. Reservierung vorab.