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Glücksfall für den kleinen Eselstreiber

Seit zehn Jahren ermöglicht der Förderkreis Patenschulen armen nepalesischen Kindern den Schulbesuch

Seit zehn Jahren unterstützt der Kirchentellinsfurter „Förderkreis Patenschulen“ Kinder in Nepal und in Afrika. Deren Eltern sind so arm, dass die Kleinen ohne die Hilfe der Deutschen die Schule nicht besuchen könnten.

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Sabine Lohr
Die Patenschule in Kathmandu: Der Kirchentellinsfurter Förderkreis kümmert sich darum, dass sehr ... Die Patenschule in Kathmandu: Der Kirchentellinsfurter Förderkreis kümmert sich darum, dass sehr arme Kinder die Schule besuchen dürfen. Bild: Krahl

Kirchentellinsfurt. Der kleine Junge, der einen der zwölf Gepäckesel auf der Trecking-Tour einer Reisegruppe aus Kirchentellinsfurt antrieb, war voller Staub. Sein magerer Körper steckte in grauen, immer wieder zusammengeflickten Lumpen, Schuhe hatte er keine. Mit der Eselstreiberei trug der Waisen-Junge zum Unterhalt der Familie seines Onkels bei, in der er lebte. Tagelang begleitete er so Touristen aus Europa durchs Gebirge.

Die „grauen Kinder von Simikot“ – zwei kleine Mädchen. Bild: Krahl Die „grauen Kinder von Simikot“ – zwei kleine Mädchen. Bild: Krahl

Diese eine Trecking-Tour veränderte aber sein Leben. Ob er denn nicht auch eine Schule besuchen wolle, hatte ihn einer der Deutschen gefragt. In Nepal ist diese Frage, gestellt an ein Kind aus ärmsten Verhältnissen, eine eigentlich dumme Frage, denn der Schulbesuch kostet Geld, das solche Familien unmöglich aufbringen können.

Schulbesuch mit

neuen Hosen

Diese Deutschen aber boten an, die Schulkosten zu übernehmen. Er solle es sich doch überlegen, hatte es geheißen. Und sich dann einfach in der Schule in Simikot melden. Wenige Wochen später steckte der Junge in der Schuluniform: einer neuen Hose und einem weißen Hemd, auch Schuhe hatte er an, vermutlich die ersten in seinem Leben.

Steffen Mende ist einer der vier Wohltäter, die sich seither das Schulgeld – rund 40 Euro im Monat – für den Schulbesuch des Kindes teilen. Die Schule in Simikot, zu der er damals unterwegs war, ist die Außenstelle einer großen Schule in Kathmandu, zu der das Kirchentellinsfurter Ehepaar Barbara und Winfried Krahl auf ihrer ersten Nepal-Reise wenige Jahre zuvor Kontakt bekommen hatten.

Diese Schule wurde 1993 gegründet, um den Kindern von tibetanischen Wanderarbeiten eine Chance auf Bildung zu geben. Barbara und Winfried Krahl übernahmen damals die Patenschaft für eins dieser Kinder und warben, wieder zurück in Kirchentellinsfurt, um weitere Paten. Dabei taten sie sich mit Bärbel Reinschmidt zusammen, Lehrerin an der Kirchfeldschule, die ihnen Geld für die Schule in Kathmandu auf ihre Nepal-Reise mitgegeben hatte. Und mit einer Kollegin, die Kontakt zu einer Schule in Eritrea hatte. Helferinnen und Helfer der Kernzeitbetreuung, Lehrerinnen und Lehrer und auch Eltern gründeten schließlich einen Verein, den Förderkreis Patenschulen. Steffen Mende übernahm damals den Vorsitz, den heute Barbara Krahl innehat. „Es ging eigentlich nur darum, dass wir Spendenbescheinigungen ausstellen können“, sagen sie.

Noch zweimal waren Barbara und Winfried Krahl sowie Steffen Mendes seither in Nepal – auf eigene Kosten. Sie erzählen, dass die Schule in Kathmandu inzwischen über 1000 Schüler hat und trotz Aufstockung und Anbauten viel zu klein geworden sei. Ein Internat gibt es noch dazu – für alle die Kinder, die aus dem Gebirge kommen. Viereinhalb Jahre alt sind die Jüngsten, sie müssen ihre Familien verlassen, um die Schule besuchen zu können. „Die Entfremdung ist der Preis für die Bildung“, sagt Barbara Krahl. Oft sehen die Kinder ihre Eltern erst nach Jahren wieder.

Die grauen Kinder von Simikot

Um der Raumnot und auch der Entfremdung entgegenzuwirken, hat die Schule eine Außenstelle im Gebirgsdorf Simikot eingerichtet. Dort lernen die Kinder in einem kleinen, dunklen Raum, der alles andere als ideal ist. Der Förderverein möchte deshalb einen Neubau erstellen, das Baugrundstück hat er schon gekauft. Jetzt sammelt er Spenden, um den Traum zu realisieren.

Doch nicht alle Kinder aus den armen Familien im Gebirge werden diese Schule besuchen können. „Manche Familien haben so wenig, dass sie den Kindern nicht mal ein Vesper mitgeben können. Und die Schule hat nicht genug Geld, um eine Schülerspeisung zu finanzieren“, sagt Barbara Krahl. „Die grauen Kinder von Simikot“ nennt sie die in zusammengeflickte Lumpen gehüllten Kleinen, deren Haare grau vom Staub sind.

Einst gehörte auch der kleine Eselstreiber zu ihnen. Der besucht inzwischen die zweite Klasse und hat seinen vier Kirchentellinsfurter Paten auch schon Briefe geschrieben. Das tun fast alle, die einen Paten haben. Viel wissen wollen sie über ihre Gönner, Fotos wünschen sie sich und Auskunft über Beruf und Hobbys.

Patenschaften hat der Förderkreis inzwischen vermittelt. Jedes Jahr wird das Geld von Mitgliedern direkt in die Schule in Kathmandu gebracht, damit auch ja kein Cent für Gebühren draufgeht. Den Umschlag bekommt dann die Rektorin Karma Choezom direkt in die Hand gedrückt. Choezom sei, berichtet Barbara Krahl, so etwas wie eine Mutter für die vielen Kinder, „eine Seele von Mensch“. Ihr Onkel hat die Schule in Kathmandu gegründet. Die Idee dazu kam ihm, als er beim Meditieren tibetanische Wanderarbeiter beobachtete.

Auch Karma Choezom hat eine Schule besucht und ist zutiefst dankbar dafür. „Sie möchte den Kindern das geben, was sie selbst auch bekommen hat“, sagt Barbara Krahl. Diese Haltung hat sie auch bei mehreren Schulabgängern mitbekommen, die sie und ihr Mann schon unterstützt haben. „Viele kehren als Krankenschwester oder Lehrer in ihre Dörfer zurück – aus Dankbarkeit, dass sie sich bilden durften.“

Der Förderkreis feiert seinen zehnten Geburtstag

Karma Choezom ist heute Abend Ehrengast beim Jubiläumsabend des Förderkreises, der um 20 Uhr im Rittersaal des Kirchentellinsfurter Schlosses beginnt. Unter anderem werden dort Filme über die Schulen und auch über die Projekte in Eritrea gezeigt. Am Dienstag gibt es einen Sponsorenlauf von Schülern der Graf-Eberhard-Schule. Die Kinder laufen dabei für Geld, mit dem sie den Bau einer Schule in Simikot unterstützen. Die Rottenburger St.-Meinrad-Schüler sammeln am Dienstag, 16. März, ebenfalls bei einem Sponsorenlauf für die Projekte des Vereins. Am Mittwoch, 10. März, dem Tibetttag, wird um 11 Uhr auf dem Rathausplatz Kirchentellinsfurt die tibetanische Flagge gehisst, und einen Tag darauf beginnt eine Ausstellung in der Kirchentellinsfurter Kreissparkasse mit Bildern aus Tibet. Wer Interesse an einer Patenschaft hat, ist zum Austausch der Patenfamilien mit Rektorin Karma Choezom am Samstag, 13. März, um 15 Uhr in die Caféteria im Martinshaus eingeladen.

07.03.2010 - 08:30 Uhr
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