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Faible für kräftiges Rot

Ruth Enzer stellt aktuelle Werke im Kirchentellinsfurter Schloss aus

„Gemeinsam bunt“ – unter diesem programmatischen Titel eröffnet am Sonntag die Schau der Malerin Ruth Enzer im Schloss Kirchentellinsfurt.

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Fabian Ziehe
Ruth Enzer mit zwei ihrer Stierbilder, die von Sonntag an in der Kirchentellinsfurter Schlossküche ... Ruth Enzer mit zwei ihrer Stierbilder, die von Sonntag an in der Kirchentellinsfurter Schlossküche zu sehen sind. Bild: Sommer

Kirchentellinsfurt. Großzügige Pinselstriche, klare Konturen, kräftige Farben: Zwei Räume im Schloss Kirchentellinsfurt werden von Sonntag an nun von kraftvollen Stieren beherrscht – auf Leinwand, versteht sich. „Ich wollte schon immer einen Stier in meinem Zimmer hängen haben, die Kraft, die er ausstrahlt – ein tolles Tier“, sagt Ruth Enzer.

Viele Ideen für ihre Bilder entwickelt die Künstlerin aus dem Bauch heraus: „Die Inspiration ist eine Frage der Laune. Oder ich sehe etwas und muss etwas daraus machen“, sagt sie. So zeigen ihre Bilder Landschaften, Körper, organische Formen oder auch abstrakte Strukturen. Die 45 Bilder im zweiten Stock des Schlossmuseums bieten eine Vielfalt an Formen und Techniken – allerdings weniger an Farben: Rot herrscht vor. „Ich weiß nicht warum, es läuft einfach immer wieder darauf hinaus“, sagt Enzer.

Eine Ausnahme bildet das kleinformatiges Bild „In Aktion“: Es zeigt schemenhafte Figuren in rasanter Bewegung – unterstützt durch kleine Ergänzungen in kräftigem Rot – ganz ohne geht doch nicht. Das Bild erzählt aus einer weiteren Lebenswelt von Enzer: Die gebürtige Tübingerin arbeitet als Erzieherin im Kinderhaus Lustnau. Ein Job, der Verknüpfungen zum Malen bietet. „Manchmal fängt man ein Projekt mit den Kindern an und denkt, ach, das mache ich mal selber.“

Wie die Bezüge zur Arbeit schätzt sie aber auch den Kontrast: In ihrem Atelier in dem Haus in Kirchentellinsfurt, in das sie 2001 gezogen ist, genießt sie die Ruhe beim Malen. Sie ist Autodidaktin, Aquarellmalen und der Umgang mit Acryl und Lack hat sie sich selber erarbeitet. Sie kommt aus einer kreativ umtriebigen Familie: Ihre Eltern haben gemalt, gar Urgroßväter oder gar Ururgroßväter – genau weiß sie es nicht. Mittlerweile bietet sie auch Kurse an: „Das Malen hat therapeutische Wirkung – für mich und für andere.“

Viel Raum in der Schau nehmen Aktmalereien ein von mal exakt konstruierten, mal nur angedeuteten Frauenrücken. Ein weiteres Bild – in der Schau provokant auf einem Beichtstuhl drapiert – zeigt einen Nackten von hinten über ein Geländer gebeugt, was an ein Kruzifix erinnert. Diese Aktbilder entwickelte die Malerin im Kopf, vieles entsteht ohne Vorlage und aus dem Arbeiten heraus, gelegentlich nutzt sie Fotos.

Die Schau in Kirchentellinsfurt, die Bilder von 2008 bis heute zeigt, ist die erste große Ausstellung von Enzer – bislang stellte sie bei einer Logopädin und in einer Arztpraxis aus. „Ich bin schon ziemlich aufgeregt“, sagt Enzer.

Info

Am Sonntag, 28. Februar“, eröffnen um 14 Uhr die Künstlerin und Bürgermeister Bernhard Knauss die Schau im Kirchentellinsfurter Schloss. An den folgenden Sonntagen bis zum 21. März ist die Ausstellung zwischen 14 und 17 Uhr zu sehen. Die Künstlerin will die meiste Zeit vor Ort sein.

Forum für Kirchentellinsfurter Künstler und Tüftler

Im März 2008 startete das Schlossmuseum Kirchentellinsfurt eine Ausstellungsreihe von Künstlern und Tüftlern aus der Gemeinde. Den Auftakt machte Bastler Helmut Armbruster. Ihm folgten die Künstlerinnen Annette Reiff, Ursula Koch und Mirel Duta – daneben lockte der Arbeitskreis Schlossmuseum Künstler aus der Region ins Schloss. Die Schau von Ruth Enzer ist als fünfte der Reihe, ein kleines Jubiläum. „Wir wollen so das Museum bekannter machen und eine Plattform für Kreative bieten“, sagt Dieter Sommerey vom Arbeitskreis. „Wir haben noch eine lange Liste an Künstlern und Tüftlern – man glaubt gar nicht, was Kirchentellinsfurt zu bieten hat.“ Alle Ausstellungen haben einen Schub bei den Besucherzahlen gebracht – eine gute Sache für das Schlossmuseum, dessen Dauerausstellung auch für mehrmalige Besucher immer wieder Neues zu Entdecken böte, so Sommerey. Die nächste Schau aus der Tüftler- und Künstler-Reihe soll im Spätsommer oder Herbst folgen – eine konkrete Idee gibt es, nur der Künstler weiß noch nichts von seinem Glück.

25.02.2010 - 08:30 Uhr
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