Ein zentrales Waffenverzeichnis statt hunderter Mini-Register - das soll die Arbeit der Polizei erleichtern. Bisher herrschte bei dem Thema "Blindflug".
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ROLAND MÜLLER
Stuttgart Das durchschnittliche Geburtsgewicht von Säuglingen. Die Menge des im Land geherbsteten Weinmosts. Die Zahl der Familien, die einen Angehörigen zu Hause pflegen. Zu fast jedem erdenklichen Lebensbereich kann das statistische Landesamt umfangreiches Zahlen- und Datenmaterial liefern. Wie es allerdings um den Waffenbesitz im Land steht, können die Experten nicht sagen. "Es gibt keine Zahlen", sagt Martin Ratering vom Landesamt. Der Grund: Jede amtliche Statistik müsse per Gesetz angeordnet werden. "Offenbar hat man da bisher keinen Bedarf gesehen."
Auch im Innenministerium weiß niemand, wie viele Waffen im Land registriert sind - insgesamt 147 lokale Waffenbehörden verwalten auf kommunaler Ebene Schusswaffen und ihre Besitzer. Landesweite Zahlen wurden nie zusammengetragen. Immerhin: Die Zahl der Besitzer wurde kürzlich vom Innenministerium abgefragt. Demnach gibt es im Südwesten rund 219 000 Schusswaffen-Besitzer. Viele davon dürften mehrere Waffen haben, doch genaues weiß man nicht.
Schon bald dürfte der "Blindflug" der Landes- und Bundesregierung beim Thema Waffenbesitz beendet sein. Bis 2012 soll erstmals ein "nationales Waffenregister" aufgebaut werden - eine zentrale Computer-Datenbank, in der jede Waffe mit den Kerndaten (Typ, Modell, Seriennummer sowie Name und Anschrift des Besitzers) registriert ist. "Sinn und Zweck ist es, den Weg jeder Waffe lückenlos nachverfolgen zu können", sagt Alice Loyson-Siemering, Pressesprecherin des Innenministeriums. Das Land Baden-Württemberg arbeitet derzeit zusammen mit dem Bundesinnenministerium an der Umsetzung. "Für die Polizeiarbeit ist ein zentrales Register hilfreich, das leuchtet jedem ein", sagt Loyson-Siemering. Jedes Auto sei längst in einer Zentraldatei erfasst. Doch wenn irgendwo bei einer Straftat eine Pistole auftauche, müsse die Polizei theoretisch deutschlandweit alle rund 500 Waffenbehörden in Landratsämtern und Städten anschreiben, ob sie irgendwo registriert ist. "Der Aufwand ist gigantisch", heißt es im Innenministerium. Künftig würde ein einziger Blick in die Datenbank helfen.
Nach dem Amoklauf von Winnenden gibt es niemanden, der Einwände gegen ein solches Register erheben mag. Auch die Schützenverbände sehen die Sache emotionslos. "Wir Waffenbesitzer sind ohnehin schon ein offenes Buch, da macht dieses Register keinen Unterschied", sagt Kathrin Hochmuth vom Württembergischen Schützenverband. Einzig kritischer Punkt sei der Datenschutz. "Die Datenbank muss aber auch sicher vor Missbrauch sein", warnt Hochmuth. Schließlich würden selbst Kreditkartendaten bei Banken ausgespäht.