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Allein gegen elf

Ofterdinger Tischfußballer Oktay Mann kämpft am Samstag bei „Wetten, dass..?“

Michelle Hunziker glaubt an ihn. Oktay Mann will allein an einem riesenhaften Tischkicker gegen ein elfköpfiges Team antreten und siegen. Und Thomas Gottschalk sucht eine Mannschaft, die den Ofterdinger herausfordert. Der bleibt gelassen und sagt: „Ich übe das nicht. Ich fahr’ da hin und knall’ die weg.“

susanne wiedmann
Oktay Mann hinter einem Tischkicker, den er mit einem Freund entwickelt hat und der nach den ... Oktay Mann hinter einem Tischkicker, den er mit einem Freund entwickelt hat und der nach den Sportvorgaben des Weltverbandes gebaut wurde. Bild: Rippmann

Ofterdingen. Oktay Mann hatte sich die Fußball-Nationalmannschaft gewünscht. Ein solcher Gegner hätte ihm gefallen und gewiss auch den Zuschauern. Doch nach Robert Enkes Tod spielt die deutsche Elf kein Spaßturnier. „Sonst wären sie bestimmt dabei gewesen.“ Da ist sich Oktay Mann sicher.

Dafür wettet nun Michelle Hunziker im internen Duell der beiden Moderatoren, dass Thomas Gottschalk es bis zur Sendung am Samstag nicht gelingt, eine Mannschaft zu finden, die Oktay besiegt. „Gesucht: Elf Freunde, die tischkickern können“, titelt das ZDF auf seiner Homepage. Wer Gottschalk bei seiner Wette gegen Hunziker unterstützen wolle und glaubt, mit seinen Freunden, seinem Sportteam, seiner Fußball- oder Thekenmannschaft Oktay zu schlagen, könne sich mit einem kurzen Video-Clip bewerben. „Mit etwas Glück wird Ihr Team dann als Gottschalk-Elf ausgewählt und in die Sendung eingeladen.“

Der Ofterdinger hat vor einigen Tagen seinen Vertrag vom ZDF als Wettkandidat der Sendung erhalten. „Echt krass“, sagt der 36-Jährige. „Die haben zwar immer gesagt, das passt, du bist dabei, aber erst jetzt habe ich es schriftlich.“

Er ist froh, dass es klappt. Oktay Mann hatte sich schon einmal mit einer Tischkicker-Wette beworben, wollte mit einer Hand gegen zwei Gegner spielen und ihnen einen Torevorsprung einräumen. Die Wette wurde abgelehnt. „Das blickt niemand, haben sie gesagt.“ Dann erinnerte er sich, dass im Rhein-Neckar-Zentrum Viernheim während der Fußball-WM an einem acht Meter langen Riesentisch gekickt wurde. Er rief dort an, fragte nach und tatsächlich: „Der Tisch staubte im Keller vor sich hin.“ Vor sechs Wochen wurde Oktay Mann dort vom ZDF gecastet. „Ich spielte gegen ein elfköpfiges Team aus Männern und Kindern.“ Und er spielte gut. „Die Leute waren perplex.“

Erst mit 20 Jahren hat Oktay Mann mit dem Tischkicken begonnen. Das Spiel mit den farbigen Plastikmännchen, die schnurgerade an ihren Stangen kleben. Der Torwart, zwei Abwehrspieler, fünf Jungs im Mittelfeld und drei Stürmer. Zuvor spielte er Fußball wie sein älterer Bruder. Eines Tages wunderte er sich, warum dieser nicht mehr zum Training erschien. Er spiele jetzt Tischfußball, habe der gesagt. „So ein Schwachsinn“, dachte Oktay Mann, bis er einmal gegen ihn angetreten ist. „Ich habe ihn so zerschossen, dass mein Ehrgeiz nicht mehr zu bremsen war.“ Danach kurbelte er in der Gomaringer Gaststätte „’s i-Dipfele“ fünf bis sechs Stunden täglich an den Stangen. 1994 gründete er einen eigenen Club. „Nach eineinhalb Jahren kamen 30 bis 35 Männer.“

Ein Jahr später belegte der Ofterdinger bei den deutschen Meisterschaften in der Kategorie Anfänger Platz drei. „Ich hab gleich einen Pokal mit Heim genommen und danach wie eine Maschine jeden Tag trainiert.“ Innerhalb von vier Jahren stieg er vom Neuling zur Elite auf. „Das haben in Deutschland vielleicht drei, vier Leute geschafft“. Er will nicht überheblich klingen und entschuldigt sich fast, dass er es erwähnt hat. 2006 wurde Oktay Mann Weltmeister mit der Nationalmannschaft in der Hohenstaufenhalle in Göppingen. Die Tischkicker-WM wird stets im selben Land ausgetragen wie die Fußball-WM, aber nur wenig beachtet.

Leider, sagt Oktay Mann, ist der Tischfußball noch keine anerkannte Sportart. Er kommt eben aus der Kneipe, hat den Beigeschmack von Bier und Zigaretten. „So wie ich es betreibe, ist es ein klarer Sport.“ Und es gibt eine Tischfußball-Bundesliga. Von 1997 bis 2000 kickte Oktay in Offenburg. „Aber es is ne Ehrensache, verdienen tut man dabei nichts.“ Deshalb verbringt er lieber mehr Zeit mit seiner Frau und den beiden acht und elf Jahre alten Töchtern. Als Reha-Techniker ist er ohnehin viel unterwegs.

Um sich wenigstens ab und zu mit internationalen Gegnern zu messen, reist er hin und wieder um die Welt. Vor zwei Wochen startete er bei den India Open, kurz zuvor in Shanghai. „Das ist einfach geil. Und ich habe einen Chef, der alles mitmacht. Da bin ich richtig dankbar. Er ist total stolz, Feuer und Flamme.“

Von „brutaler Emotion“ spricht auch Oktay Mann. „Auf so einem kleinen Raum von Angriff auf Verteidigung zu wechseln, von zu Tode betrübt zu himmelhoch jauchzend“, das fasziniert ihn. Obwohl das Spiel starke Konzentration beanspruche. Vor der Sendung wollte er täglich drei Stunden trainieren. „Ich habe es zeitlich nicht geschafft.“ Gestern musste er schon nach Bremen fahren, von wo aus „Wetten, dass..?“ am Samstag ab 20.15 Uhr live übertragen wird. Am Donnerstag ist Maske und Stellprobe, am Freitag die Hauptprobe.

Noch ist der 36-Jährige nicht nervös. „Ich weiß, dass die Aufregung kommt. Bis jetzt ist alles so irreal“, sagt er vor seiner Abreise. Und er weiß auch: „Es wird schwer. Die Chancen, dass ich gewinne, liegen bei 50:50. Ich muss mich entscheiden, ob ich den Ball aggressiv blocke, schnell in die andere Hälfte spiele oder von Stange zu Stange. Ich muss sehen, was die Gegner zulassen.“ Und doch hofft er, als Wettkönig nach Ofterdingen heimzukehren.

Info

Wer mit Oktay Mann trainieren möchte, kann ihn über das Internet kontaktieren. Seine Homepage www.oktaymann.de ist ab dem Wochenende freigeschaltet.

Ich weiß, dass die

Aufregung kommt.

Bis jetzt ist alles

so irreal.

Oktay Mann

03.12.2009 - 08:30 Uhr
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