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Die Angst im Nacken

Matto Barfuss erzählte vom Leben mit Berggorillas

Autor ist er, Künstler, Tierschützer. Hat unter Geparden gelebt und die Alpen seinem Nachnamen gemäß überquert. Am Samstag gab Matto Barfuss einen Eindruck von seinen – gefährlichen – Reisen zu den vom Aussterben bedrohten Berggorillas im Kongo.

Kathrin Löffler
Der Autor und Tierschützer Matto Barfuss berichtete in Gomaringen nicht nur von den gefährdeten ... Der Autor und Tierschützer Matto Barfuss berichtete in Gomaringen nicht nur von den gefährdeten Berggorillas, sondern auch vom Bürgerkrieg. Bild: Franke

Gomaringen. Als Matto Barfuss zum ersten Mal – 2008 war das – in der Gomaringer Kultur- und Sporthalle zu Gast war, faszinierte er die Besucher mit eindrucksvollen Afrika-Bildern und solchen von wildlebenden Tieren. Das war dieses Mal erneut so. Aber nebst bloßer Faszination schien das Publikum im randvollen Kultursaal Barfuss' Dia-Film-Show auch mit Anspannung und Gänsehaut zu verfolgen. Denn: „Die Angst war unser ständiger Begleiter.“

Im Kongo herrscht Bürgerkrieg. Matto Barfuss berichtete, wie er gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin die gemeinsame Ausrüstung über die Grenze schmuggeln musste, wie sie von Soldaten begleitet wurden und nachts, zum Schutz vor Rebellen, 20 Ranger um ihr Zelt herum lagen, „bis zu den Zähnen bewaffnet“; wie sie in dunkle Amtsstuben gebracht und ihre Pässe abgenommen wurden; wie sie vor Rebellen flüchten und viel Geld zahlen mussten, um wegen ihres abgelaufenen Visums nicht im Gefängnis zu landen.

Aber es gab eben auch die anderen Bilder bei dieser ersten Vhs-Veranstaltung im neuen Jahr aus der Reihe „Der Natur auf der Spur“: jene von durchs Dickicht kugelnden Fellknäueln, tiefgrünen Wäldern und endlosem Panorama von den Bergen herab.

98,4 Prozent der Gene sind identisch

Seit 2002 arbeitet Barfuss an einer filmischen Langzeitstudie über die letzten Berggorillas. Nach Reisen nach Uganda und Ruanda war 2005 erstmals der Kongo das Ziel, um die in den dortigen Vulkanbergen lebenden Tiere zu erforschen. Aber als „Tiere“ bezeichnet er sie gar nicht. Matto Barfuss nennt sie lieber „Wesen“. Weil sie uns Menschen so ähnlich seien, sagt er. 98,4 Prozent ihrer Gene sind identisch mit den unseren. Mit einem Team aus Spurensuchern, Soldaten und Rangern ging die Wanderung in die Vulkanberge und hinein in die Wälder. Tagsüber blieben sie bei den Gorillas, nachmittags führte der Weg zurück zur „Rangerhütte“, einem Verschlag ohne Fenster und Türen, dafür mit regendurchlässigem Dach.

Mehrere, ganz unterschiedliche Gorilla-Familien hat Barfuss auf diesen Expeditionen beobachtet. Darunter auch eine „Altersresidenz“: sechs sehr betagte Gorillas, einer bereits mit Glatze, und eine alte Gorilla-Dame. „Wie ein Kaffeekränzchen“ seien die beisammen gesessen. „Wir wissen, wie die Gorillas ticken, wir nähern uns auf allen Vieren, beherrschen die Mimik-Sprache, machen grunzende und bellende Laute“ – so folgte stets die erste Annäherung.

Boss einer jeden Gorilla-Gruppe ist der sogenannte „Silberrücken“, das stärkste und erfahrenste Männchen. Von einem solchen habe Matto Barfuss einen „Bodycheck“ bekommen, als er im Weg gestanden sei. Wahrscheinlich nicht ganz angenehm: So ein Tier kann 270 Kilogramm auf die Waage bringen. „Pure Muskelmasse.“ Ein anderer kehrte Barfuss „einfach den Rücken zu“. Das sei die „höchste Auszeichnung“ und bedeute: „Ihr könnt tun und lassen, was ihr wollt.“ Doch den Silberrücken müsse es auch gelingen, seine Familien von Gefahren entfernt zu halten: Von zahlreichen von Rebellen erschossenen Tieren berichtete Barfuss.

Aber es gab auch zuhauf Filmszenen, die den Besuchern ein Grinsen entlockten: Etwa, wenn so ein mächtiger Koloss eines Silberrückens einem Geschoss gleich und etwas blöde dreinguckend vom Baum fiel. Oder sich zwei Junge minutenlang um einen einzigen Baumstamm jagten. Und eben die Bilder von „Mascha“, dem Gorilla-Baby, dessen erste Wochen Matto Barfuss miterlebte.

Rebellen löschten eine ganze Familie aus

Ein Jahr später, bei der zweiten Reise in den Kongo, traf er es bei „seinem“ ersten Geburtstag wieder. Das angebliche Mädchen hatte sich nämlich als Gorilla-Junge entpuppt. „Das Leben mit den Gorillas wurde für uns immer mehr zum Rausch. Für uns gab es nur noch Gorillas, Wald und Berge“, sagt er.

In den folgenden Jahren seien Gorillas durch die Rebellen getötet, eine ganze Familie, mit der er gelebt hatte, ausgelöscht worden. Barfuss kehrte zurück in den Kongo und gründete einen Hilfsfonds. Die Rolle der Berggorillas in der Region stärken – so lautet sein Ziel.

11.01.2010 - 08:30 Uhr
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