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Die Bevölkerung mitnehmen

Gemeinderat entschloss sich doch für ein Grünordnungskonzept

Ein Konzept für den Baggersee soll her. So lautet der Auftrag an den Gemeinderat. Beinahe wäre er in seiner Sitzung an der Vorstufe vorbeigeschrammt, hätte nicht Schultes Bernhard Knauss ein Machtwort gesprochen.

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Manfred Hantke

Kirchentellinsfurt. Noch in diesem Jahr will der Gemeinderat ein Konzept für den Baggersee vorlegen. In welche Richtung das gehen soll, darüber besteht im Gremium (noch) keine grundsätzliche Einigkeit.

Die artenschutzrechtliche Analyse der Stuttgarter Gruppe für ökologische Gutachten wird in das ... Die artenschutzrechtliche Analyse der Stuttgarter Gruppe für ökologische Gutachten wird in das Grünordnungskonzept einbezogen. Sie zeigt die Konfliktpotenziale am Baggersee. Die Flächen in orange, etwa am Nordufer (09) oder am Westufer (11) haben ein hohes Konfliktpotenzial, bei den hellgrünen (03, 07) ist es gering. So wurde auf dem Parkplatz (01) die streng geschützte Zauneidechse gesichtet, auf dem Teilareal des Nordufers (09) wird der Kernbereich der Fledermausquartiere vermutet. Am Südufer (14) wurden Brutvogelarten der Roten Liste und der streng geschützte Kleine Wasserfrosch (15) nachgewiesen. Die Liegewiese am Nordufer (07) hat geringes Konfliktpotenzial.

Unzählige Stunden haben die Räte bereits darüber diskutiert, auch eine Bürgerversammlung hat die Gemeinde im vergangenen Jahr einberufen. Um eine Richtung anzudeuten, legte die Verwaltung am Donnerstagabend bei der Gemeinderatssitzung im Rittersaal einen Vorschlag vor. Danach sollte der Rat über ein Grünordnungskonzept abstimmen, das Grundlage für ein künftiges See-Konzept sein soll, das artenschutzrechtliche Gutachten sowie die Wünsche der Bürgerversammlung einbezieht.

Doch es kam zunächst anders. Vor einem Grünordnungskonzept sollte die Grundsatzdiskussion stehen, befand Peter Beckert (CDU). Dann wisse man, was untersucht werden soll. Markus Appenzeller (FWV) pflichtete ihm bei, und ehe sich der Rat versah, war er bereits mitten im Richtungsstreit.

„Sanfter Ausbau“ sei in Ordnung, so Appenzeller, aber der Parkplatz sowie die Unterführung zum See sollten geschlossen werden. Das sah auch Beckert so, er wolle einen Natursee, später könne auch ein Rundwanderweg angelegt werden. Andreas Heusel (FWV) schlug die Gründung eines Vereins vor, dessen Mitglieder sich um den See kümmern sollen, und Marie-Luise Bausch (GAL) stellte die Ideen ihrer Fraktion vor: Ein Rundwanderweg mit Naturlehrpfad, rollstuhl- und kinderwagentauglich, Infotafeln über die Artenvielfalt, Hinweisschilder für die örtliche Gastronomie, ein Sandstrand, Toiletten, Kiosk.

Gegen den Rundwanderweg hatte Barbara Krahl (RAT) ihre Bedenken. Er müsste teilweise auf Stelzen geführt werden, das sei zu teuer. Sie schlug vor, die Hinweisschilder auf der B 27 abzuschrauben, damit die Autofahrer nicht auf den See aufmerksam werden.

So diskutierten die Räte heftig hin und her, zwischen einem auch in der Bürgerversammlung geäußerten „sanften Ausbau“ und dem Rückbau zum Natursee. Bis Bernhard Knauss das Wort etwas lauter als gewohnt ergriff. Der Bürgermeister wies die Räte darauf hin, dass sie doch die Bevölkerung „mitnehmen“ wollten. Zwar seien nur etwa 100 Interessierte zur Bürgerversammlung gekommen, sie hätten sich jedoch mehrheitlich für den „sanften Ausbau“ ausgesprochen. Das sollte doch weiterverfolgt werden, der Grünordnungsplan soll her, „wir müssen wissen, was rechtlich möglich ist“.

Das ist „sinnvoll“, sprang Werner Rukaber (SPD) dem Schultes zur Seite. Auch Appenzeller war „zu der Ansicht gekommen, dass Knauss Recht hat“, ebenso Beckert, der jedoch den Parkplatz ins Grünordnungskonzept einbezogen haben wollte. So kam es dann auch.

Für rund 8500 Euro erarbeitet nun die Stuttgarter Gruppe für ökologische Gutachten dieses Konzept. Einbezogen werden verbesserte Einstiegsmöglichkeiten in den See, ein Rundwanderweg, der Bau einer Toilettenanlage und der Parkplatz. Ökologische und ökonomische Aspekte sollen berücksichtigt werden. Aus Naturschutz- und baurechtlichen Gründen wird auch das Landratsamt beteiligt, eine artenschutzrechtliche Prüfung wird gemacht.

02.03.2013 - 08:30 Uhr

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