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Eine Bärenwelt, wie sie ihr gefällt

Feliciana Wolff malt, musiziert und macht Teddys

Wer die Gomaringer Teddybären-Ausstellung besucht hat, kennt auch den Namen Feliciana Wolff. Das 16-jährige Mädchen hat eine ganze Vitrine mit Stofftieren gefüllt, die sie nach eigenen Entwürfen anfertigt.

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Jürgen Jonas

Nehren. Feliciana Wolff ist sechzehn Jahre alt. Sie malt, sie musiziert, macht ihre Kleider selbst, ist leidenschaftliche Reiterin. Und fertigt nach eigenen Entwürfen Teddybären an. Allerhand. Geboren ist sie in Wolfratshausen, als Kind war sie mit den Eltern in England, bis die nach Nehren zogen und das Mädchen die Kirschenfeldschule besuchte. Nach der fünften Klasse wechselte sie ins Firstwald-Gymnasium, besucht jetzt aber das Tübinger Wildermuth-Gymnasium.

Jedes Stofftier ist ein Unikat: Feliciana Wolff hat an ihrer Nähmaschine eine kleine, feine ... Jedes Stofftier ist ein Unikat: Feliciana Wolff hat an ihrer Nähmaschine eine kleine, feine Bärenwelt erschaffen. Bild: Rippmann

Im Wildermuth gibt es einen Musikzug. Mit fünf Jahren hat Feliciana angefangen, Cello zu spielen. Bei einem Schnuppertag in der Jugendmusikschule hat sie sich dieses Instrument ausgesucht. Und lange Jahre Unterricht genommen. Bei Konzerten mitgewirkt.

Erste Auftragsarbeit: ein Hund nach Modell

Derzeit spielt sie aber nicht auf ihrem Instrument, die Zeit reicht einfach nicht für alles, zwei Arbeiten pro Woche, an drei Tagen nachmittags Unterricht. Noch wohnt sie in Nehren, zur Zeit bei den Großeltern, die Familie zieht bald nach Stockach. Mit Bruder Valerian und Mutter Kathrin Wolff, die als Sonderschullehrerin arbeitet und heilpädagogisches Reiten anbietet. Der Vater ist Diplombiologe, arbeitet als Lehrer für Biotechnologie an der Tübinger Mathilde-Weber-Schule.

Wie kommt eine Sechzehnjährige zu einer eigenen Vitrine im Museum? Zur Nähkunst kam Feliciana durch ihre um ein Jahr ältere Freundin Julia, die in Wolfratshausen lebt. Julia, mit der sie schon in den Kindergarten ging, ist „Näherin aus Leidenschaft“.

Bei einem Besuch fertigte die Kreative gerade Taschen an, was Feliciana gleich selbst erlernen wollte. Was ihr auch spielend gelang. Überall sind die Ergebnisse zu sehen. Ihr selbst gefertigtes Schulmäppchen hat sie mit einer hübschen vielteiligen Eule verziert, ebenso die Schultasche. Den Spruch „Don’t wake me up, sleepy owl“ aufgestickt. Ach, ihr Ballkleid für den Tanzkurs hat sie auch selbst geschneidert? Und das Sommerkleid auch? Erst als sie eine hochwertige Nähmaschine geschenkt bekam, hat sie einen Kurs besucht.

Und wie kommen nun die Teddybären ins Spiel? Als Feliciana sieben war, hat sie schon einmal eine Bastelpackung geschenkt bekommen, der eben nur eine vorgefertigte Teddy-Figur entsteigen konnte. Später hat sie in einem Stoffladen einen feinen Baumwollstoff gefunden, den hat sie noch nach Schnittmuster in ein Kuscheltier verwandelt. Seither arbeitet sie frei, macht sich ihre Teddybärenwelt, wie sie ihr gefällt.

Dann entdeckte sie das „Bärenlädle“ in Leinfelden-Echterdingen, ein Lädchen, das sich ganz auf Teddybärenbedarf spezialisiert hat, ungeheuer viele Stoffe anbietet, Füllmaterialien, Augen, Gelenke, Skelette, alles, was man für Kuscheltiere braucht. Da stöbert sie oft. Die Inhaberin und ihre Tochter freuen sich an ihrem Interesse, ihrer Sachkunde, stecken ihr auch mal so ein Stück Stoff zu. Ach, die vielen Stoffe: Mohair, Plüsch, Alpaka, Mikrofaser, in vielen Farben. In diesem Laden hat sie auch, während sie in Stoffen wühlte, ihren ersten Auftrag in die Höhle gezogen. Eine Kundin zeigte das Foto eines Hundes, der ihrer Tochter gehört, und fragte die Inhaberin, ob sie den nicht zusammennähen könne, so, wie er dasitze. Nein, sagte die, ich nicht, aber dieses Mädchen hier! Und Feliciana gelang es, mit vielen Zeichnungen und Gefühl für Proportionen, einen Stoffhund zu gestalten, der große Ähnlichkeit mit dem Urbild aufwies. Volle Zufriedenheit der Kundin. Honorar. Allerdings hat Feliciana auch lange daran gearbeitet. Erfahrung gesammelt. Traut sich zu, auf Bestellung zu arbeiten.

Ein Teddybär ist zwei Tage Näh-Arbeit

In der Vitrine im Gomaringer Schloss hat sie den Großteil ihrer Exemplare versammelt. Eigene Gesichter, eigene Kleidung. Ein Lieblingsbär sitzt da im Latzhosen-Outfit, den hat sie „Thommy“ genannt. Namensgebung ist wichtig. „Ein Name macht sie einzigartig.“

Bevor es soweit kommt, ist viel Arbeit zu tun. Der Bogen zu entwerfen, Bauch, Kopfmittelteil, Ohren, Füße, Nase. Mit Stoff- und kleiner Schere richtet sie die Stoffe passgenau zu, bevor sie sie zusammennäht. Gliedmaßen werden mit Watte gefüllt und die Gelenke für die beweglichen Teile eingefügt. Mund und Nase werden gefilzt, mit gefärbter Schafwolle. Ein Teddybär dauert zwei Tage. Da steht sie auch oft am Wochenende um sechs Uhr in der Frühe auf.

Ach so, malen kann Feliciana auch. Richtig gut. Sie hat vierstündig Kunstunterricht in der Schule, Kunst ist ihr Lieblingsfach. „Wir brauchten im Urlaub nur Papier, Stifte und Farben mitzunehmen, dann war sie beschäftigt“, erzählt die Mutter. Tiere malt sie am liebsten. Sie zeigt ein hübsches Ferkel, das aus einem Eimer schaut, oder einen Braunbären, der im Fluss steht und sich einen dicken Fisch erpratzt. Bücher illustrieren ist ein Feli-Traum. Für ihre Kunst-GFS, eine Art Hausarbeit, will sie eine eigene Geschichte illustrieren. Wobei sie auch viel liest. Im Moment „historical fiction“, auf Englisch. Am Computer hat sie einen eigenen Comic verfertigt, ein galoppierendes Pferd. Sie zeichnet nicht nur Tiere, sie besitzt auch eins: Helja, ein Fjord-Pferd. Feliciana ist vollen Herzens Reiterin, auch das bringt viel Arbeit mit sich.

Später lieber mal Zahnmedizin studieren

Nein, „Künstlerin“ will sie eigentlich später nicht werden. Eher im Design-Bereich arbeiten, wie sie schon überlegte. Im Moment will sie aber lieber Zahnmedizin studieren. Da braucht man auch Geschick, aber „nicht so viel Ellenbogen, um sich durchzusetzen“.

„Die Bären sind los“ im Gomaringer Schloss
Die Ausstellung „Die Bären sind los“ ist im Gomaringer Schloss zeigt vor allem Teddybären aus der Sammlung Kornelia Hermanns. Bis April kommenden Jahres ist sie immer sonntags von 13 bis 17 Uhr zu sehen. Führungen sind auch unter der Woche möglich – auf Anfrage unter 0 70 72 / 91 21 20. Im Frühjahr wird Feliciana Wolff den Besuchern der Ausstellung an einem Sonntagnachmittag in praktischer Vorführung zeigen, wie es geht, wenn sie einen Teddybären fertigt.


29.12.2012 - 08:30 Uhr

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