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In der Kürze liegt die Würze

Das Trio 16 Gipsy Strings in Kirchentellinsfurt

Ein 17-jähriger Ausnahmegitarrist war am Samstagabend im Trio 16 Gipsy Strings in der Kirchentellinsfurter Echaz-Schreinerei zu hören.

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Matthias Reichert
17-jähriges Lauf-Wunder an der Gitarre: Gismo Graf (Mitte), links daneben sein Vater Joschi, ... 17-jähriges Lauf-Wunder an der Gitarre: Gismo Graf (Mitte), links daneben sein Vater Joschi, rechts am Kontrabass Jan Jankeje. Bild: Ulmer

Kirchentellinsfurt. Seit 20 Jahren machen die Echaz-Schreiner in ihrer geräumigen Werkstatt in der Kusterdinger Straße zweimal jährlich Kulturprogramm. Nicht, um Geld zu verdienen – eher der Popularität wegen. „Wenn es gut läuft, kommen wir raus“, erklärte Ernst-Martin Hauerwas. Am Samstag lief es gut, 150 Zuhörer kamen. Die heute 17 Echaz-Schreiner/innen wollen im Herbst mit Heiner Kondschak groß 25-jähriges Bestehen ihres Betriebes feiern.

2010 ist offizielles Django-Reinhardt-Jahr. Auch das Kirchentellinsfurter Konzert stand im Zeichen des französischen Jazzgitarristen, der am 23. Januar 100 Jahre alt geworden wäre. Er wuchs in einer Manouche-Familie auf, den französischsprachigen Sinti. Reinhardt galt mit seinem „Sinti-Swing“ als europäische Antwort auf den amerikanischen Jazz der 1930er-Jahre.

Sinti-Wurzeln hat auch der 17-jährige Stuttgarter Gismo Graf. Er spielte mit sechs Jahren die ersten Akkorde auf der Gitarre seines Vaters Joschi, der das Konzert jetzt begleitete. Swingende Rhyhtmen, pfiffige Kadenzen, verjazzte Läufe – jeder Ton saß. Ein solides Rhythmus-Fundament gab Kontrabassist Jan Jankeje, Ehrenbürger von New Orleans und Entdecker des einstigen Wunderknabens Bireli Lagrene.

Jankeje bekam laut Waschzettel schon Ovationen in der Carnegie Hall. Nun tourt er mit den Grafs als Trio 16 Gipsy Strings: „Wir können froh sein, dass uns Gismo so treu ist.“ Der 60-Jährige Jankeje war auch für die Moderationen zuständig. „Man muss zu einem Prozent die Musik lieben. 99 Prozent sind Arbeit“, sagte er zum täglichen Pensum des Nachwuchsgitarristen.

Schräge Akkorde, Figuren-Akrobatik, ein Bass-Solo mit Verve: Die Zuhörer lauschten gebannt, beklatschten jedes Solo. Melancholische wie fröhliche Läufe, Gismo flog filigran über die Saiten. „Sehen Sie sich an, was er mit der linken Hand macht.“ Jankeje sprudelte vor Geschichten aus der großen Musiker-Welt.

Melancholische Balladen, schwungvolle Soli, schmachtende Zwischenspiele. Dann ein Tango, den Jankeje einst für Regisseur Fassbinder geschrieben haben will. Überraschende Harmoniewechsel, brummelnde Bass-Töne, „Ole“, rief der Moderator. Und die Zuhörer jauchzten zurück. Dann ein flottes Stück für das 17-jährige Lauf-Wunder, später ein Walzer, gesungen von Vater Joschi. Eine traurige Melodie mit unverwüstlicher Fröhlichkeit in der Bariton-Stimme. Ein Dialog zwischen Gitarren und Kontrabass, ein Feuerwerk mit donnerndem Refrain.

Nach der Pause ein Gismo-Solo, dann verträumte Gitarrenschleifen, Bass-Tupfer. Jankeje erzählte vom SWR-Fernsehauftritt. „In der Kürze liegt die Würze“, daran hielten sie sich auch beim Kirchentellinsfurter Auftritt. Wirbelnde Läufe, ausgefeilte Klangbögen, Zupf-Orgien. Eine Kontrabass-Lehrstunde, in der Jankeje mit der linken Hand hoch hinaus wollte: „Ich übe nicht. Das habe ich nicht nötig. Ich muss den Kühlschrank füllen und Schulden bezahlen.“ Sie wirbelten weiter, hatten den Blues, improvisierten meisterlich, sangen den Bossa Nova, jazzten wie die Teufel, steigerten sich von Stück zu Stück. Das beste waren die Zugaben samt Improvisation nach Charlie Parker – anschwellende Freudenklänge.

15.03.2010 - 08:30 Uhr | geändert: 15.03.2010 - 16:52 Uhr
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