Heute ist Premiere. 13 Jungen und Mädchen inszenieren im Gemeindehaus die Erzählung „Der Bär auf dem Försterball“ von Peter Hacks – ein wandlungsfähiges Werk, denn die Kinder haben keine Texte auswendig gelernt. Statt dessen improvisieren sie frei.
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Gabi Schweizer
Wo ist der Bär? Jäger auf der Pirsch, mit einem Problem allerdings: Sie sind nach dem Jägerball ordentlich betrunken, und das Pelztier hat sich ein ungewöhnliches Versteck ausgesucht. Bild: Rippmann
Nehren. Mia hat ein Kissen unters T-Shirt gestopft. Sie spielt zwei Rollen gleichzeitig, sozusagen. Denn einerseits ist sie der Bär, den alle Jäger suchen. Doch just dieser Bär ist ein echter Spaßvogel und schleicht sich im Oberförster-Gewand auf den Ball im „Hirschen“, wo die Waldfreunde eine Geweihausstellung bestaunen und sich im Schießen und im Trinken messen. Wer allerdings zu viel Alkohol erwischt hat, kommt schnell auf dumme Gedanken. Und so steht Mia irgendwann schwankend auf dem Stuhl und lallt: „Ich hab eine gute Idee. Wir schießen jetzt den Bären!“ Wenn das mal gut geht.
Die Theaterfreizeit ist ein Angebot des Fördervereins für Kinder- und Jugendbildungsarbeit Nehren – um Kindern in den Ferien eine kreative Beschäftigung zu bieten, aber auch, um berufstätige Eltern zu entlasten. Sieben bis zwölf Jahre alt sind die Kinder, einige von ihnen schon zum zweiten Mal dabei. Und sie haben sichtlich Spaß am Spielen: In Gruppen durften sie sich überlegen, wie sie Peter Hacks Erzählung umsetzen wollten. Sogar Nebenrollen haben die Theaterschüler erfunden, ein Stinktier etwa, das hie und da eine markante Note hinterlässt. Kontakt- und Ausdrucksspiele gehören zur Probenarbeit. Und die Jungen und Mädchen wissen nun, was ein „Freeze“ ist – ein plötzlicher Stillstand in egal welcher Position, sobald die Musik abbricht.
Kunst- und Theaterlehrerin Dagmar Frommer, selbst Mitglied im Förderverein, bietet die viertägige Freizeit zusammen mit ihrem Vater Harald an, der Erfahrung aus der Theaterwerkstatt Schramberg mitbringt.
Aus der knappen Satire des DDR-Autors ist nun ein buntes Spektakel mit viel Situationskomik geworden. Die unbenannten Jäger des Originals sind zu Georg und Jürgen geworden, zu Gottlieb, dem Witzeerzähler, und einem kleinen Jägerlein, das dauernd aufs Klo muss. Freiheit im Umgang mit dem Text macht kreativ. Und es gibt einen anderen unbestreitbaren Vorteil: Keiner muss seine Rolle auswendig lernen.
Info
„Der Bär auf dem Försterball“ wird heute um 18 Uhr im evangelischen Gemeindehaus aufgeführt. Der Eintritt ist frei, Spenden kommen Kindern mit Mukoviszidose zugute.