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Es wird bunt am Dußlinger Rathausplatz

„Turm“ mit Kinderkrippe an der Bahnhofstraße

Dußlingen bekommt das geplante Mehrstock-Gebäude für seinen Rathausplatz. Der Bau, der eine Kinderkrippe und ein Café beherbergen soll, bekam nach mehrjährigen Planungen und Diskussionen grünes Licht.

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Eike Freese

Dußlingen. Zwei Gegenstimmen, zwei Enthaltungen: Die Zweifel am neuen Groß-Gebäude nördlich des Dußlinger Rathausplatzes hielten sich in Grenzen, als der Gemeinderat am Donnerstagabend abschließend über die Pläne des Reutlinger Architekturbüros Riehle und Partner beriet. Noch im Sommer soll jetzt mit dem Bau begonnen werden. Die Architekten rechnen mit einer Bauzeit von bis zu 15 Monaten – dann soll die zwei- bis vierstöckige, längliche Architektur stehen. Neben teils großzügig geschnittenen Wohnungen und einem Café wird das Gebäude eine Kinderkrippe und das Gemeindearchiv beherbergen (beides in Gemeindehand).

Bunte Schiebeläden sind das markanteste Merkmal des Neu-Entwurfs für das letzte ungebaute Haus am Dußlinger Rathausplatz. Vor allem der wuchtige „Turm“ an der Stirnseite der Architektur hatte für Debatten gesorgt. Bunte Schiebeläden sind das markanteste Merkmal des Neu-Entwurfs für das letzte ungebaute Haus am Dußlinger Rathausplatz. Vor allem der wuchtige „Turm“ an der Stirnseite der Architektur hatte für Debatten gesorgt. Bild: Riehle

Mit der großen Mehrheit für die neue Ortskern-Architektur ist eine jahrelange Planungsphase beendet. Zunächst hatte es gedauert, bis mit der Tübinger Kreisbau-Gesellschaft ein geeigneter Investor gefunden war. In der Folgezeit dann entzündete sich Uneinigkeit vor allem an der Optik des Gebäude und seinem Platz im städtebaulichen Ensemble. Gemeinderäte wie FWV-Sprecher Klaus Zürn monierten die wuchtige, teils fünfstöckige Architektur. Andere Zweifel benannten den Umstand, dass eine neue Kinderkrippe besser an anderem Ort, etwa im Osten Dußlingens, aufgehoben sei. DWV-Rätin Ulrike Müller („Alternative Standorte wurden zuwenig geprüft“) verweigerten ihre Zustimmung zum aktuellen Entwurf genauso wie FWV-Kollege Zürn. „Bei Architektur, habe ich jetzt gelernt, sehen es manche so und manche so“, gab Zürn zu Protokoll – und ergänzte: „Ich sehe es so.“

Andere Gemeinderäte begrüßten gemeinsam mit Bürgermeister Thomas Hölsch die aktuellen Pläne: Das Haus wird an seinem höchsten Punkt rund 16 Meter hoch. Fünf Stockwerke bekommt der turmartige Teil des Gebäudes, der zur Bahnhofstraße hin liegt. In dem deutlich flacheren zweigeschossigen Langteil der Architektur wird die Kinderkrippe untergebracht. Vor allem an der Fassade wurde noch einmal nachgebessert: Hohe, mehrfarbige Schiebeläden sind die auffälligste Veränderung gegenüber dem Vorentwurf. „Das finde ich gut, damit kann man Leichtigkeit in das Gebäude bauen“, sagte DWV-Rätin Antje Wellhäuser gestern dem TAGBLATT. Die Architektin wies allerdings darauf hin, „dass das jetzt auch so kommen muss. Das ist ein Gebäude mit Öffentlichkeits-Wirkung. Wenn diesem schwebenden Würfel das Massive genommen wird, macht das einen ganz anderen Eindruck.“

Dieser Vor-Entwurf wurde abgelehnt: Ohne die nun entworfene Struktur und Farbigkeit in der ... Dieser Vor-Entwurf wurde abgelehnt: Ohne die nun entworfene Struktur und Farbigkeit in der Außenfassade (siehe anderes Bild) war das ohnehin wuchtige Gebäude vielen Gemeinderäten zu massiv, um dem Bau zuzustimmen. Bild: Riehle

Kreisbau-Chef Berthold Hartmann, der mit der Gemeinde als Bauherr fungiert, zeigte sich zuversichtlich, dass die aktuelle Optik umgesetzt werden kann. „Es gab detaillierte Kostenberechnungen, ich gehe davon aus, dass es läuft, wie geplant.“ CDU-Rätin Annerose Wuchter sagte Richtung Kreisbau: „Die Pläne sind anständig, aber wenn es nicht läuft, dann haben Sie uns ander Nase herumgeführt!“

So oder so wird der wuchtige Bau auf der 1200-Quadratmeter-Brache das Ortsbild an der Stelle stark verändern. Von seinen Befürwortern ist das auch gewollt: Ein Turm, so der Tenor, soll die Ecke und den danebenliegenden Platz akzentuieren. Ein durchgehend flacher Bau, etwa drei bis vierstöckig, hätte ähnlich massiv gewirkt. Der Investor hat zudem Interesse an möglichst viel Wohn- und Geschäftsfläche, also Architektur-Volumen, damit sich der Bau in zweifellos einer der besten Lagen Dußlingens rechnet. Die Gemeindeverwaltung nimmt für den Bau knapp eine Million Euro in die Hand, etwas weniger, als im Haushalt für das Jahr eingestellt und bewilligt. Zuschüsse von knapp 750.000 Euro sind beantragt.

Dominant – und fröhlich: die geplante Architektur
Das für den Neubau zuständige Architekturbüro Riehle und Partner aus Reutlingen zeichnet auch für andere Projekte vor Ort verantwortlich. Deren bekanntestes ist der preisgekrönte Bau der Bücherei/Mediothek gleich auf der anderen Straßenseite, aber auch der Erweiterungsbau des Karl-von-Frisch-Gymnasiums auf dem Höhnisch stammt aus der Feder des Reutlinger Büros. Die Reliefstruktur und die Farben des neuen Entwurfs gäben dem Gebäude eine neue Lebendigkeit, zeigte sich Architekt Hans Bühler gestern gegenüber dem TAGBLATT überzeugt. „Ich glaube, wir konnten die Gemeinderäte davon überzeugen, hier etwas zu bauen, das nicht erschlägt“. Bühler: „Es wird ein fröhliches Haus werden. Es wird dominant sein, aber etwa dem Rathaus seine Eigenständigkeit lassen.“ Das geplante Café mit Freiterrasse könne zudem den Rathausplatz und damit die Ortsmitte künftig weiter beleben.


23.02.2013 - 08:30 Uhr | geändert: 23.02.2013 - 14:17 Uhr

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